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Women at Work: Die neuen Selbermacher

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Im Umdrehen gelernt: Immer mehr Frauen belegen Heimwerker-Kurse.

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Sehen Sie auch unseren V-Blog zum Thema: "Nora möbelt kräftig auf, und Ingmar sichert sich ab".

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Frauen sind genauso geschickt wie Männer.

Heimwerker-Kurse für Frauen


Wir haben für Sie das Kursangebot in Berlin zusammengestellt

Schokowerkstatt, Obi und Co.


Frauenzentrum Schokofabrik, Schokowerkstatt, Mariannenstraße 6 (Kreuzberg), Offener Möbelbaukurs, montags 9.30–13.30 Uhr und 13.30–7.30 Uhr, donnerstags 16.30–19.30 Uhr (nach vorheriger Anmeldung), www.schokowerkstatt.de, Tel.: 615 24 40

Obi Spezielle Kurse für Frauen bietet der Markt in Steglitz, Goerzallee 189–223, www.obi.de, Tel.: 84 71 74 04.

Bauhaus Ein regelmäßiges Heimwerker-Seminarangebot für Frauen haben in Berlin die Märkte in Marienfelde (Nahmitzer Damm 26), Neukölln (Hasenheide 109), Pankow (Schönerlinder Straße 53), Schöneberg (Alboinstraße 18), Spandau (Brunsbütteler Damm 144 und An den Freiheitswiesen 6) sowie Wittenau (Wilhelmsruher Damm 229–245).

Hornbach Kurse für Frauen bitte in den einzelnen Märkten erfragen. Alle Märkte in der Übersicht im Netz: www.hornbach.de

Frauenbildungsstätte Franzenhof, 16269 Wriezen, www.franzenhof.de, Tel.: 033456/7 15 22.

Weitere Kurse für Frauen:

FrauenComputerZentrumBerlin, Cuvrystraße 1 (Kreuzberg), www.fczb.de, Tel.: 61 79 70-16

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Immer mehr Baumärkte entdecken die neue Zielgruppe.

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Ob Streichen oder Bohren: Frau lässt sich nichts mehr vormachen.

Pkw-Training für Frauen


von ADAC bis Opel


ADAC Fahrsicherheitszentrum Berlin-Brandenburg, Am Kalkberg 6, 14822 Linthe, www.fahrsicherheit.de/linthe/
Tel.: 033844 / 750-730. Regelmäßig Pkw-Training für Frauen, kombiniert mit einem Pannenkurs der „Gelben Engel“

Autoviva Kfz-Service Altonaer Straße 112 (Spandau), Tel.: 362 36 01, Frauenpannenkurse auf Anfrage samstags von 14 bis 18 Uhr, www.autoviva.de

• Opel Hetzer, Knobelsdorffstraße 63 (Charlottenburg), www.opel-hetzer.de, Tel.: 320 90 60, Regelmäßige Pannenkurse für Frauen in den Sommermonaten.

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Früher suchte sie nur die Tapete aus – heute spielt sie selbst die tragende Rolle.

Im Fernsehen sieht das immer so einfach aus, wenn Tine Wittler bei ihrem „Einsatz in vier Wänden“ durchs Haus wirbelt. Hier ein Zimmer tapeziert, da das Holz für eine Schrankwand gesägt. Dann das Ganze schnell verdübelt und verleimt, fertig ist der Lack. „Hey, was die kann, schaff ich auch“, sagen sich immer mehr Frauen und eifern der kräftigen Blondine nach.

Manchmal braucht es auch einen konkreten Auslöser. Wie die alte Kommode, die eine Freundin ausrangieren wollte. „Mir gefiel die so gut, dass ich gesagt habe, komm, gib her, ich möbel mir das Ding wieder auf“, erzählt die 51-jährige Marion.

Marion wollte nicht in den Keller

Nun fehlte nur noch das nötige Know-how, aber auf ihrem Weg zur Arbeit im Kinderladen an der Oranienstraße ging sie Tag für Tag an der „Schokofabrik“ vorbei – bis sie sich schließlich in der Holzwerkstatt des Kreuzberger Frauenzentrums zum Möbelbaukurs anmeldete.

„Mein Mann hat das gar nicht verstanden“, erzählt Marion, während sie die Kommode mit Öl einreibt. „Was willst du da denn, das kannst du doch bei uns im Keller machen, hat er gesagt.“ Aber Marion wollte nicht in den Keller, „obwohl da jedes nur erdenkliche Werkzeug vorhanden ist“. Sie wollte ihr eigenes Ding machen.

Schleifen und Schmirgeln abseits kritischer Blicke

Und Tischlerin Rosi Klein, inzwischen seit mehr als 20 Jahren in der „Schoko“, zeigte ihr, wie es geht. Sie versteht, warum Marion nicht unter den Augen ihres Mannes schleifen und schmirgeln wollte.

„Männer nehmen dir alles ab“, weiß die gestandene Handwerkerin aus Erfahrung. „Das ist zu schwer, das kannst du nicht heben. Lass mich mal machen, dann geht’s schneller“, sind typische Sätze von Männern, die Rosi seit Jahren kennt. Aber sie ließ sich ihr Werkzeug nie aus der Hand nehmen – in ihrer Lehrzeit in den Siebzigern nicht und auch auf ihren Wanderjahren nicht, die sie nach Neuseeland und Afrika führten.

Bohren mit Gefühl

Schon damals stellte sie fest, dass Männer sich einfach mehr trauen. „Davon könnten sich Frauen eine Scheibe abschneiden“, meint sie, während sie Sira bei der Arbeit an der Säulenbohrmaschine beobachtet. „Das Werkstück gut festhalten. Dann mit Gefühl“, rät sie der 23-jährigen Jurastudentin, die sich ein Bett baut. Billiger als ein gekauftes wird es am Ende nicht sein. „Aber haltbarer – und etwas ganz Eigenes“, sagt Sira. „In meinem Freundeskreis sind alle total begeistert, dass ich das selbst mache.“

So weit wie Sira ist die 47-jährige Marianne Wehrmann noch längst nicht. „Ich trau mich noch nicht mal, eine Bohrmaschine anzufassen“, gibt die Bürokauffrau zu. Deswegen hat sie sich jetzt zum Praxiskurs im Baumarkt an der Steglitzer Goerzallee angemeldet. Sie will dort den Umgang mit Elektrowerkzeugen lernen. In einem Kurs nur für Frauen. Da wird der Unterschied zwischen Handkreis- und Pendelstichsäge erläutert, werden Längs- und Querschnitte im Weich- und Hartholz ebenso geübt wie Fräs-, Schleif- und Hobeltechniken. Und das Bohren natürlich. In Beton, Metall, Holz oder Fliesen.

Der Praxiskurs gegen das Riesenloch in der Wand

„Ein einziges Mal hab ich eine Bohrmaschine benutzt – und hatte ein Riesenloch in der Wand“, erinnert sich Marianne noch heute mit Schrecken. Das geliehene Gerät war auf Schlagbohren eingestellt, die Wand aus Rigips. Danach war Marianne überzeugt, „dass das Heimwerken eben doch Männersache ist“. Bis sie im Büro eine neue Kollegin bekam. Aus Marzahn. „Die macht alles – sägen, schleifen, löten. Das haben die im Osten früher in der Schule gelernt. Im PA-Unterricht. PA für Produktive Arbeit.“ Das hat Marianne beeindruckt.

Nicht nur sie, wie die Beliebtheit der Frauenpraxiskurse in Baumärkten beweist. Die am stärksten nachgefragten Heimwerkerkurse seien „Laminat und Parkett verlegen“ und „Fliesen verlegen“, berichtet Edelgard Luchterhand, Mitarbeiterin bei OBI, wo seit 1996 Heimwerkerkurse angeboten werden – und seit dem Jahr 2000 spezielle Frauenkurse. Ebenso wie bei Bauhaus. Lange Zeit war der typische Kunde dort männlich und zwischen 30 und 50 Jahre alt. „Allerdings entschieden schon früher meistens die Frauen, welche Fliese oder welche Tapete gekauft wird“, weiß Ulrike Voland aus der Marketing-Abteilung der Bauhaus AG.

women's week im Baumarkt

Und jetzt? „Die neuen Selbermacher sind weiblich“, so Ulrike Voland. Der Grund, warum Bauhaus in diesem Frühjahr wieder in bundesweit mehr als 60 Märkten seine „women’s week“ anbietet. Und Wettbewerber Hornbach mit „women at work“ eine Werbelinie eigens aufs weibliche Geschlecht abgestellt hat – wohl wissend, dass inzwischen mehr als die Hälfte aller Kunden in deutschen Heimwerkermärkten Frauen sind.

Auch die Schar der Mobilisten besteht zur Hälfte aus Frauen. Doch nur wenige wissen, was sich unter der Motorhaube verbirgt. Grund genug für Simone Palm, Pannenkurse für Frauen anzubieten. „Wenn Männer dabei sind, trauen sich Frauen oft nicht, Fragen zu stellen“, erzählt die Kfz-Meisterin und Chefin des Spandauer Bosch-Service „Autoviva“. Generell sei es meist „seine“ Aufgabe, sich um die Funktionsfähigkeit des fahrbaren Untersatzes zu kümmern. Was er dann meist auf seine spezielle Weise erledige: „Die Herren der Schöpfung neigen dazu, erst mal alles aufzuschrauben.“

Männer können auch nicht einparken

Dabei wüssten Männer oft gar nicht, „was sie tun“, nimmt die Mechanikerin kein Blatt vor den Mund. Frauen seien vorsichtiger, sachlicher, pragmatischer. „Die machen da nicht so ’n Kult draus“, sagt die 44-Jährige. Den Erfolg ihrer Kurse bewertet sie realistisch. Auch wenn sie den Frauen beibringt, ein Rad zu wechseln, Sicherungen und Scheibenwischer auszutauschen: „Ich bin schon froh, wenn danach alle wenigstens den Ölstand kontrollieren.“

Hinterm Steuer müssen Frauen den Vergleich mit den Männern nicht scheuen, ist Elke Koenitz überzeugt. „Männer können auch nicht einparken, aber Frauen geben’s zu“, hat die Fahrsicherheitstrainerin auf dem Einparkparcours beobachtet. Seit zehn Jahren leitet sie Pkw-Trainingskurse für Fahrerinnen im ADAC-Fahrsicherheitszentrum im brandenburgischen Linthe. Da stehen Notbremsungen auf glatter Fahrbahn und enge Kurvenfahrten auf dem Programm. Da gilt es, plötzlich auftauchenden Hindernissen auszuweichen. „Dass eine Frau sich halb zu Tode erschreckt, wenn sie mal den Wagen ihres Mannes fährt und das ABS kracht und rumpelt“, überrascht Koenitz kaum. „Frauen fahren vielfach den deutlich älteren Wagen. Nach dem Motto: Als Zweitwagen für die Stadt tut der’s noch – auch ohne ABS.“

Frauen müssen sich nichts beweisen

Die „betagte Möhre“ auf nasser Fahrbahn auf 30 Stundenkilometer zu beschleunigen und dann eine Vollbremsung hinzulegen – da fehlt Frauen oft der Mut. „Frauen müssen sich nichts beweisen, anders als die Männer“, hat Elke Koenitz über die Jahre festgestellt.

Dem Satz „Das kann ich nicht“ etwas entgegenzusetzen, hat sich auch das Frauenbildungszentrum „Franzenhof“ in Wriezen auf die Fahnen geschrieben. Da wird nicht nur Yoga praktiziert oder miteinander gejodelt, sondern auch in manche Männerdomäne vorgedrungen. „Schmieden und Schweißen“ ist eines der handfesten Angebote, das Frauen darin unterstützt, sich zu trauen. Eisen im Feuer zum Glühen zu bringen, um es dann mit kräftigen Hammerschlägen zu formen, das hat etwas Archaisches. „Kraftvoll mit einer starken Materie umzugehen, das macht stark – stärkt das Selbstbewusstsein“, weiß Tessi Harder.

Sie ist eine der Gründerinnen des Franzenhofes und hat den Kurs „Eisen gestalten“ bei Schmiedemeisterin Junie Kuhn selbst absolviert. Viele Frauen seien über ihre Fähigkeit erstaunt, hätten anfangs nur einen Kerzenhalter geschmiedet und später eine Garderobe oder eine Sonnenuhr. Klar sei das Schmieden harte Arbeit. „Aber letztendlich kommt es darauf an, zur richtigen Zeit den richtigen Schlag anzusetzen. Und nicht zu doll draufzuhauen.“

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


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Zuletzt aktualisiert: 02.03.2011