Stadt & Szene

Tino Mewes: "Ich hatte noch nie
Streit mit meinen Freunden"

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"Wir spielen beste Freunde als beste Freunde", sagt Tino Mewes: "Das ist echt selten in unserem Beruf."

"Zweier Ohne" - der Film


In der von Regisseur Jobst Christian Oetzmann inszenierten Coming-of-Age-Geschichte "Zweier Ohne" spielt Tino Mewes den 17-jährige Johann, den besten Freund von Ludwig (Jacob Matschenz). Die leidenschaftlichen Sportruderer treten wie Zwillinge auf – bis die Liebe alles verändert und die Freunde zu einer Fahrt auf Leben und Tod aufbrechen.

2erohne Filmplakat

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Perfekt im Zweier Ohne: Johann (Tino Mewes) und Ludwig (rechts).

Zur Person:
Tino Mewes


Gleich mit seinem ersten Film "Fickende Fische" wurde Tino Mewes beim Max-Ophüls-Filmfest 2002 mit dem Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. 2003 erhielt er eine Nominierung als populärster Schauspieler für den New Faces Award der Bunten und die Jupiter-Nominierung als bester Nachwuchsschauspieler. Zuletzt war der 25-jährige Berliner in den Kinoproduktionen "Der Rote Baron" und "Die Welle" zu sehen.

Film, TV, Theater


Nach seiner Ausbildung an der Theaterwerkstatt Charlottenburg und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin spielte Mewes am Thalia Theater in Hamburg Rollen in "Tom Sawyer & Huckleberry Finn" und in "Mein Kampf". Zudem war er in TV-Filmen wie "Erste Liebe", "Delphinsommer" und "Das Wunder von Berlin" sowie im Kino in "Die Nacht der lebenden Loser", "Kleinruppin forever" und "Liegen lernen" zu sehen. Abseits von Film, Fernsehen und Theater ist Mewes Gitarrist und Sänger in der von ihm gegründeten Musikband "Lado Youngler".

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Johann und Ludwig durchleben im Film eine bedingungslose Freundschaft.

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"Ich bin jemand, der sich nicht so in die Wolle kriegt. Ich habe, glaube ich, noch nie einen Streit gehabt mit meinen Freunden", sagt der 25-Jährige.

Fotos (2): Michael Panckow

Er ist tauchen gegangen, hat sich aufs Skateboard gestellt, die Rugbyregeln und sogar Flugmanöver aus dem Ersten Weltkrieg gelernt. Für seine Kinorollen hat Tino Mewes schon so manche ungewöhnliche Erfahrung gemacht. In dem Freundschaftsdrama "Zweier Ohne" steigt er ins Ruderboot. War gar nicht so einfach, denn im Zweier ohne Steuermann, der technisch anspruchsvollsten Bootsklasse im Rudern, müssen die beiden Ruderer absolut synchron agieren, soll ihre Fahrt nicht schnell beendet sein. Aber genau darum geht es ja: Zwei Freunde wollen ganz und gar eins werden, nicht nur in ihrem Sport, auch im Leben – mit allen Konsequenzen.

Tino, wie wichtig ist Dir Freundschaft?

Sehr wichtig, deshalb ist dieser Film auch eine Herzensangelegenheit von mir. Jacob Matschenz und ich spielen beste Freunde als beste Freunde. Das ist echt selten in unserem Beruf, denn sonst drehst du ja nicht mit Leuten, die du wirklich privat im Leben nahe an dich ranlässt. Das war unglaublich toll. Ich glaub nicht, dass in den nächsten Jahren ein Projekt kommt, das das einholen kann.

Ist das eigentlich wirklich Freundschaft im Film? Mutet eher wie eine Obsession an, wie der von Dir gespielte Einzelgänger Johann von dem problembeladenen Ludwig mitgerissen wird.

Der Punkt ist, dass die beiden 17 sind. Und mit 17 ist ja eine Freundschaft komplett anders. Damals hat man sich auch noch rumziehen lassen, sich auf Sachen eingelassen, um überhaupt einen Freund zu haben. Freundschaften waren ganz doll wichtig. Allein sein geht eigentlich in der Zeit nicht. Also hängst du dich an den nächst Besten. Und das kann dann auch eine einseitige Freundschaft sein. Die beiden im Film finden sich aber und haben etwas, das sie gemeinsam haben, obwohl sie komplett andere Menschen sind.

Kennst Du Jacob vom gemeinsamen Dreh?

Wir haben uns vor acht Jahren in der Disko kennen gelernt. Standen plötzlich nebeneinander draußen, waren wie zwei Flummis, weil wir beide völlig energetische, aufgedrehte, hibbelige Jungs waren, und wir haben uns einfach gut verstanden. Dann haben wir uns wiedergetroffen, bei Freunden, bei Castings und haben angefangen, uns privat zu treffen, uns mal mehr, mal weniger gesehen. Jetzt ist es so eine Freundschaft, wie ich sie mir mein ganzes Leben gewünscht habe – sie hat sich angeschlichen, fast ohne, dass ich’s gemerkt habe. Und ich würde sagen, „Zweier Ohne“ hat sie noch intensiviert. Der Film hat aus uns beiden Freunden Brüder gemacht, im Leben.

Kann man mit seinem besten Freund einen solchen Film machen, ohne sich zu streiten?

Ja. Aber ich bin sowieso jemand, er sich nicht so in die Wolle kriegt. Ich habe, glaube ich, noch nie einen Streit gehabt mit meinen Freunden, mit Jacob in den letzten acht Jahren nicht und auch mit meinen anderen zwei besten Freunden nicht. Allerdings ist Jacobs Art zu schauspielern eine ganz andere als meine. Während ich versuche, mich zu kontrollieren und genau zu wissen, was ich da mache, und vielleicht etwas technischer rangehe, schmeißt er sich total rein und geht total übers Bauchgefühl. Diese unterschiedliche Spielart war am Anfang verwirrend, aber so wurden ganze Szenen viel spontaner. Wir haben uns beide ein bisschen hochgepusht und konnten uns dann auch aufeinander einlassen – er sich auch auf Verabredungen und ich mich auf den Strudel.

Bist Du Perfektionist?

Na ja, da gibt’s, wenn ich spiele, schon manchmal diesen Hintergrund-Kopf, der immer mitdenkt. Gerade in emotionaleren Szenen hab ich manchmal das Gefühl, ich stehe neben mir und gucke mir zu, ob ich’s richtig mache.

Auf Deiner Homepage schreibst Du, 2008 ist eine Zicke. Warum?

Ich arbeite einfach nicht so viel wie in den Jahren davor. Gerade nach dem Dreh mit Jacob im vergangenen Jahr fehlt diesmal einfach noch was. Dafür konnte ich aber mal zwei Hörspiele mit größeren Rollen für den WDR machen, was eine total tolle Erfahrung war. Denn beim Hörspiel hast du nur deine Stimme. Du kannst mit deinem Körper vor dem Mikrofon machen, was du willst, aber am Ende musst du dich nur auf die Stimme konzentrieren. Das ist noch mal eine ganz andere Art zu spielen – anders als am Theater oder vor der Kamera, was ja auch schon ganz verschiedene Welten sind. Das Hörspiel fühlt sich an wie eine dritte kleine Schwesterwelt.

Apropos verschiedene Welten. Nebenbei bist Du auch die treibende Kraft hinter der Band „Lado Youngler“, die Du gegründet hast.

Ja, das war immer schon ein Traum, Musik zu machen. Ich hatte zwar immer eine Gitarre, nur war es schwer, Songs selber zu schreiben. Ich wusste nicht wie, doch dann habe ich vor drei Jahren angefangen und es einfach gemacht. Da flossen die Songs einfach so aus meinem Füller raus. Später habe ich meinen zweiten besten Kumpel – der ist bei der Post – überredet, Bass zu spielen. Ein Kumpel meiner Freundin macht den Drummer, und Kristian spielt die zweite Gitarre. So rocken wir jetzt meine Songs.

Muss eigentlich jeder junge Schauspieler singen?

Ach, i wo, Bullshit. Aber es ist einfach passiert. Wenn du was Künstlerisches machst, dann liegen ja andere kreative Sachen nahe. In der Schule wollte ich zum Beispiel immer Comiczeichner werden. Als ich mit 16 aus der Schule rausgestolpert bin, hatte ich zwei Bewerbungen – eine für die Comiczeichnerschule und eine für eine Schauspielschule – die erste wurde abgelehnt, die zweite angenommen, also war die Sache klar. Aber Musik war immer schon da, zumal auch meine beiden Onkel Sänger sind. Ich konnte es einfach nicht unterdrücken.

Könnte die Musik die Schauspielerei toppen?

Nee, dazu habe ich viel zu viel Spaß am Schauspielern. Das wird immer das Erste sein, ist auch das Geilste. Aber die Musik ist etwas komplett Eigenes für mich. Beim Film oder am Theater kann ich etwas spielen, etwas sein, etwas vorschieben und mich dahinter auch verborgen oder geschützt fühlen. Es ist ja nicht komplett ich, sondern etwas Gespieltes. Bei der Musik dagegen sind es meine Songs, meine Stimme und nur ich, nicht im Kostüm, sondern in meinen eigenen Sachen. Das ist sehr nackt.

Am Hamburger Thalia Theater hast Du in „Mein Kampf“ von George Tabori Hitler gespielt. Wie war das?

Das war echt intensiv. Ich habe in „King Lear“ gespielt und war Tom Sawyer, aber „Mein Kampf“ war das stärkste Stück mit einer wahnsinnigen Energie. Es geht ja auch nicht um den Hitler, den wir kennen, sondern um den 19-jährigen Hitler, und es ist ja auch eher eine Satire. Auf jeden Fall war es interessant, sich da reinzufühlen, in diesen verkorksten, verrückten Jüngling, der später mal der Mann wird, der alles kaputt gemacht hat.

Beim Blick auf Deine bisherigen Filmrollen scheinst Du ein Abo auf ruhigere Figuren und jugendliche Problemdramen zu haben. Ist das Absicht?

Die Schublade passt leider, oder was heißt leider, es ist okay. Ich habe das im Film sehr oft gespielt, aber zwischendurch gab es auch immer wieder Chancen, etwas anderes zu machen. Wenn ich mir selber eine Rolle schreiben würde, wäre das wahrscheinlich eher eine Komödie, so eine überdrehte Sache. Das konnte ich noch zu wenig rauszulassen. Bislang gab’s das eher am Theater. Hitler war ja eine solche Figur, die sehr überdreht und slapstickmäßig angelegt war, auch Tom Sawyer war so. Aber das, was von mir bekannt ist, geht eher in die andere Richtung.

Welcher Deiner Film ist Dir am Wichtigsten?

Meine Top-Liste? Ich mach’ ja gerne Listen – und nerve die Leute auch immer mit solchen Top-Drei. Wenn ich jemanden neu kennen lerne, frage ich immer erst mal nach den Top-3 bei Filmen oder bei Musik – so wie John Cusack in „High Fidelity“. Also, bei meinen eigenen Filmen würde ich sagen „Zweier Ohne“, „Cuba“ und „Nacht der lebenden Loser“ – wegen der jeweiligen Erfahrungen beim Drehen.

Wenn Du Comiczeichner geworden wärst – welche Comics hättest Du gezeichnet?

Doodles and Cartoons. Wie es sie in Zeitungen gibt. Ich bin zwar seit etwa vier Jahren richtiger Comicleser, volle Kanne Marvelmäßig, Spider-Man, X-Men und Captain America. Das alles ist richtig geil, aber ich glaube, dafür wäre ich nicht gut genug gewesen. Ich mach’ eher so komische Körper und dicke Nasen.

Kontakt zum Autor: Jens Kohrs


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Kinotrailer zu "Zweier Ohne":

Kino-Trailer zum Film "Zweier Ohne"


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010