
Teegenuss ist eine Wissenschaft für sich – vor allem in Fernost.
Ganz schön abgebrüht
Heiße Schnappschüsse von der Teezeremonie: Mit Jutta auf Entdeckungsreise durch die (Berliner) Welt des Tees.
Hier geht's zur Bilderstrecke

Kings Teagarden: Teetrinken mit der "Kanzlerin" am Ku'damm.
Adressen für Teegenießer
Auf Tee-Entdeckungsreise durchs multi-kuturelle Berlin:
Teegärten, Chinesische Häuser, englische Salons...

Chinesisches Teehaus zum Osmanthussaft im Erholungspark Marzahn.
Berlin ist ideal für eine Entdeckungsreise durch die Welt des Tees. Liebhaber finden dabei so manche Kostbarkeit. Russische Teestuben, englische Salons und chinesische Teehäuser sorgen für gemütliche Stunden in dicken Kissen, auf weichen Strohmatten oder an heißen Samowars.
„Möchten Sie mal die Kanzlerin probieren?“, fragt Werner Schmitt hin und wieder seine Kunden. Seit 1980 betreibt er am Kurfürstendamm den King’s Teagarden. Die Kanzlerin ist eine Mischung aus First and Second Flush Darjeeling und Weißem Tee aus China, die er anlässlich der Kandidatur von Angela Merkel vor drei Jahren zusammengestellt hat.
Zucker verstärkt das feine Aroma des Tees
Den Tee bereitet er in einem kleinen, hellen Nebenraum seines Ladens zu, während im Hintergrund klassische Musik läuft. Mit einer goldenen Waage wiegt er die richtige Menge ab, füllt die losen Teeblätter in den oberen Teil einer der von ihm erfundenen Doppelkannen, legt ein Stück weißen Kandis dazu und gießt kochendes Wasser darüber.
„Zucker verstärkt das feine Aroma des Tees“, sagt der ehemalige Industrie- und Kaffeemanager. Er sei ein Purist, für den der optimale Teegenuss und nicht das Zeremonielle rund um den Tee im Mittelpunkt stehe, sagt Schmitt.
In Japan gibt's zum Tee festgelegte Gesprächsthemen
Kim Christian Jasch hingegen ist Experte für japanische Teezeremonien. „Jede kleinste Bewegung – vom Eintreten in den Raum über das Eingießen bis zum Reinigen der Schalen – ist standardisiert. Sogar die Unterhaltung ist festgelegt“, sagt er. Hinter der Auswahl der Schalen, Kannen, Löffel und Kimonos verberge sich immer eine Symbolik, weshalb der Teemeister davon stets eine große Auswahl zur Verfügung haben müsse.
„Insgesamt ist das ein teurer Spaß, der sich aber lohnt. Denn die Teezeremonie ist wie eine Meditation, die es ermöglicht, sich für Augenblicke aus dem Weltlichen zu lösen“, sagt Kim Christian Jasch, der auch als Arzt arbeitet. Die Zeremonie im Stil der Ueda Sôko Ryû führt er regelmäßig vor, beispielsweise im Geschäft Teefeinkost TAN an der Schöneberger Crellestraße. Ebenfalls dort lehrt er jeden Dienstag die Künste der Teezeremonie.
Chinesische Teekunst in Marzahn
Weniger festgelegt ist die Form der Zubereitung in der chinesischen Teekunst. Die Methode des Gong Fu Cha stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie und ist noch heute in Südchina populär. Gong Fu Cha bedeutet in etwa: Tee, zubereitet mit großem Geschick.
Die chinesische Teemeisterin Yali Yu ist durch stetiges Üben zu großer Perfektion gekommen und führt die chinesische Teekunst im Berghaus zum Osmanthussaft zu vereinbarten Terminen vor. Das verträumte Teehaus liegt im Chinesischen Garten im Erholungspark Marzahn an einem kleinen See. Zum Tee reicht Yali Yu chinesisches Gebäck.
Mehr als 300 Sorten zur Auswahl
Im Berliner Teesalon in Mitte erhalten die Kunden auf Wunsch eine kleine Einführung in das Gong Fu Cha und können dann selber ihr Geschick beweisen. Dazu stellt die Inhaberin Kristine Mager eine rotbraune Keramikteekanne, einen Duftbecher und ein kleines Schälchen aus feinem Porzellan auf einen runden Holztisch.
Besonders wichtig sei das Tablett, welches das heiße Wasser auffängt, das immer wieder über die Kanne gegossen wird, erklärt sie. Der Gast kann aus rund 300 Tees wählen, die in großen silbernen Dosen in Holzregalen aufbewahrt werden. „Für die Gong Fu Cha empfehlen wir halbfermentierte Oolong-Tees, die wir in unterschiedlichen Qualitäten anbieten. Darunter sind Raritäten, die wir direkt von Teebauern aus Taiwan und China importieren“, sagt Kristine Mager. Im Berliner Teesalon finden im Herbst und Winter regelmäßig Teeverkostungen und Leseabende rund um das Thema statt.
Arabisches Flair oder japanische Harmonie
Dass der Genuss von Tee in vielen Regionen der Welt ein wichtiger Bestandteil der Kultur ist, spiegelt sich im Tee- und Kunsthaus Tschaikowsky in Prenzlauer Berg in der Einrichtung der Räume wider: Mit alten Holztischen, gepolsterten Stühlen und einem Samowar mutet der erste Raum europäisch-russisch an.
Im Nebenraum vermitteln viele Kissen und fließende Stoffe ein arabisches Flair, während in einem weiteren Raum Strohmatten und rote Bodenkissen für japanische Harmonie sorgen. Zu den Tees, die der Inhaber des Tschaikowsky Yahor Svirydzenka je nach Herkunft und Art in Kannen aus Glas, Porzellan oder Keramik serviert, bietet er arabisches Gebäck und feine Kuchen an.
Zum Karawanen-Tee werden Wodka und Konfitüre gereicht
Freunden der russischen Teezeremonie sei die Tadschikische Teestube im ersten Stock des Palais am Festungsgraben empfohlen. Die handgeschnitzten Säulen und Deckenbalken aus Sandelholz, die flachen Holztische, die geknüpften Teppiche, Sitzkissen und Armrollen sowie die Wandbilder mit Heldengeschichten entstammen komplett einem Stand der sowjetischen Teilrepublik Tadschikistan auf einer der Leipziger Messen der 70er Jahre. In diesem morgenländischen Ambiente werden zum Karawanen-Tee aus einem Samowar Konfitüre und Fondant, Wodka, Rumrosinen, Zitronat und Orangeat gereicht.
Zum Ende unserer Reise durch die Welt des Tees landen wir noch in England. Auch dort haben sich bekanntlich viele Teerituale entwickelt, insbesondere für die Nachmittagsstunden. So lässt sich die Tea Time im Schlosshotel im Grunewald und im Ritz-Carlton stilecht am Kamin genießen – mit köstlichen Scones und Clotted Cream sowie feinen Sandwiches.
Kontakt zum
Autor:
Anja Köhler