Die Palette der Paillette

In ihrem Laden "Charming Styles" bietet Andrea Kiersch komplette Zwanzigerjahre-Outfits an.
Charming Styles
Maßschneiderei und Verkauf von Second-Hand-Textilien und Accessoires, Erich-Weinert-Str. 3 (Prenzlauer Berg), Tel.: 91 20 88 28
www.charmingstyles.de

Ohne geht's nicht: Bei den Accessoires zeigt sich die Liebe zum Detail.

Sogar den passenden Sonnenschirm fürs Gartenfest hat Kiersch parat.
Fotos: Starke
Einmal im Paillettenkleid die Federboa schwingen oder im Nadelstreifenanzug übers Parkett swingen: Andrea Kiersch schneidert die stilechten Outfits für ausschweifende Zwanzigerjahre-Partys.
Egal, wo in Berlin ein Zwanzigerjahre-Fest steigt: Andrea Kiersch von "Charming Styles" weiß es. Nicht nur, weil sie selbst oft zu den Gästen zählt. „Bei uns ist vor Partys immer erhöhtes Betriebsaufkommen“, sagt die 39-Jährige und lacht.
Komplette Outfits der Zwanzigerjahre
„Manchmal kommen Kunden noch fünf Stunden vor Partybeginn auf der Suche nach einem kompletten Zwanzigerjahre-Outfit.“ Die müssen dann allerdings aus dem reichhaltigen Second-Hand-Angebot wählen, für ein maßgeschneidertes Kleid oder einen Anzug reicht die Zeit nicht mehr.
Dabei sind es gerade die Maßanfertigungen, die den guten Ruf von Andrea Kiersch in der Berliner Twenties-Szene ausmachen. Viele Kunden kommen mit Fotos aus der damaligen Zeit und wollen genau dieses Kleid oder jenen Smoking bestellen.
Alte Filmaufnahmen als Vorlage
„Manche bringen auch Videos alter Filme mit“, erzählt die Ladenbesitzerin. Oder sie haben auf dem Trödelmarkt einen besonderen Stoff erstanden, aus dem nun ein feiner Zwirn für den Abend werden soll.
85 Euro nimmt Andrea Kiersch als Grundpreis für ein Tageskleid, 300 Euro für den Herrenanzug, zuzüglich Mehrwertsteuer und Stoff. Notfalls schneidert sie das Outfit für die nächste „Bohème Sauvage“ auch von einem Tag auf den nächsten – „aber das muss die Ausnahme bleiben“. Normalerweise muss sich der Kunde schon eine Woche in Geduld üben, bis er sein neues Outfit anprobieren darf.
Schnittkünste von der Großmutter abgeschaut
Gelernt hat die studierte Anglistin das Schneiderhandwerk nicht, sondern es sich von der Oma abgeschaut, die als Schneiderin sogar den Meistertitel trug. „So lange sie lebte, habe ich mich nie getraut, etwas zu nähen“, gesteht Kiersch.
Doch dann kam der Tag ihrer Hochzeit, an dem sie mit ihrem Auserwählten keinesfalls Walzer, sondern Charleston tanzen wollte. Und das ging natürlich nur in stilechtem Outfit. Also setzte sie sich an die Nähmaschine.
Unvergleichbare Eleganz der Schnitte
Nicht nur zur Hochzeit, sondern auch bei den heiß geliebten Zwanzigerjahre-Partys, die sie und ihr Mann so sehr mögen, trug sie ein selbst kreiertes Modell – und wurde immer wieder gefragt, wo das denn zu kaufen sei. Das brachte Kiersch auf die Idee, aus ihrem Hobby einen Beruf zu machen.
Vor sieben Jahren machte sie sich mit ihrer Maßschneiderei selbstständig. Viele der von der Oma geerbten Schnittmuster hat sie seither als Basis für ihre Kreationen verwendet. „Die Eleganz der Schnitte ist mit denen der heutigen Zeit unvergleichbar“, schwärmt sie. „Schöner geht’s einfach nicht.“
Mit Paillette und Pfauenfedern
Was aber auch für die unzähligen Stücke aus zweiter Hand gilt, die Andrea Kiersch in ihrem kleinen Laden verkauft: Vom Nadelstreifenanzug – natürlich mit passendem Einstecktuch und Manschettenknöpfen mit Perlmutteinlage – bis zum Kleid mit echten Pfauenfedern reicht die Palette.
Sogar den passenden Sonnenschirm fürs Gartenfest hat Kiersch parat. Und so manch kleines Accessoire – eine schmale Krawatte für die Dame oder ein Zigarettenetui für den Herrn – verbirgt sich in dem wuchtigen Schrank von anno dunnemals, der sich gleich neben dem Ladeneingang breit macht.
Einmal Max Raabe zum Verwechseln ähnlich sehen
Kein Wunder, dass die Kunden nicht nur zum Kaufen kommen, sondern oft auch einfach zum Stöbern oder zum Plaudern bei einem Tässchen Kaffee. Dabei erfährt der Gast dann beispielsweise auch, warum Andrea Kiersch bei Partys mit ihrem Mann schon so manches Mal Aufsehen erregt hat: „Im Zwanzigerjahre-Outfit sieht er Max Raabe einfach zum Verwechseln ähnlich.“
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Autor:
Katrin Starke
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010