Stadt & Szene

Die Jungs mit dem Wedding-Plan

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Wedding von oben – auf der Dachterrasse des „House of Nations“ erklärt Marc (rechts) seinen Bezirk.

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"Hier gibt's einiges, das sonst schwer zu bekommen ist", schwärmt Diego (rechts) vom Afro-Asia-Shop an der Kiautschoustraße.

Kids zeigen Kiez


Neben der Tour von Diego und Marc hat das Team von "Route 65" vier weitere Kiezführungen im Angebot.

Der Tourplan


Diego und Marc zeigen unter dem Motto "Asien küsst Afrika" die Gegend rund um den Sparrplatz. Gemeinsam mit ihnen blickt man vom "House of Nations", besucht ein afrikanisch-asiatisches Lebensmittelgeschäft und macht Halt an der Osterkirche.

Vincent und David sind zwischen Gesundbrunnen und Mauermuseum unterwegs und machen unter anderem Station am ehemaligen Bunker im Humboldthain, an der denkmalgeschützten Ernst-Reuter-Siedlung und am buddhistischen Tempel.

Nada und Kauthar durchforsten den Kiez östlich der Reinickendorfer Straße, besuchen dabei unter anderem eine türkische Feinbäckerei und die Gerichtshöfe, in denen sich unzählige Künstler Ateliers eingerichtet haben.

Habib und Arfan führen einen von der Badstraße zur Prinzenallee und beleuchten die Gegend dabei unter dem Motto "Rap und Religion". Mit ihnen zusammen wird unter anderem ein Gang-way-Laden in der Buttmannstraße sowie eine pakistanische Moschee besucht. Außerdem bieten sie eine Einführung in die Zeichen und Buchstaben des Grafitti an, mit kleinem, daran anknüpfendem Quiz.

Danya und Rawan kennen sich aus in den Hinterhöfen und Seitenstraßen, die sich zwischen Gesundbrunnen und Voltastraße befinden. Sie schlendern vorbei an der Swinemünder-Brücke und dem Rosengarten, und wissen von den romantischsten Ecken und den besten Shopping-Läden im Kiez zu berichten.

Nähere Infos unter www.route65-wedding.de

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„Asien küsst Afrika“ – die Jugendlichen zeigen Gleichaltrigen aus anderen Berliner Bezirken und Touristen ihren Kiez.
Fotos: K. Starke

Wer hat gesagt, dass Stadtführungen immer Denkmäler oder ausgefallene Bauwerke zum Ziel haben müssen? Die Jungs und Mädels, die im Wedding auf der „Route 65“ unterwegs sind, treten den Gegenbeweis an. Zehn jugendliche Cityguides führen Berliner und Touristen zu ihren ganz persönlichen Lieblingsorten.

„Hier gibt’s das beste Haarwachs, das ich je ausprobiert habe“, sagt Diego und deutet auf eine rote Dose im Schaufenster des Afro-Asia-Shops an der Kiautschoustraße. Überhaupt führe der Laden einiges, das sonst schwer zu bekommen sei.

Brasilianer führt durch den Wedding

Afrikanische Lebensmittel zum Beispiel. „Und Maniokmehl“ – unverzichtbare Basis für viele brasilianische Gerichte. In der Küche Brasiliens kennt Diego sich aus, ist der hoch gewachsene Junge mit dem kurzen krausen Haar doch selbst erst vor ein paar Jahren aus Brasilien nach Berlin in den Stadtteil Wedding gekommen.

Der junge Lateinamerikaner fühlt sich wohl hier. Deswegen will er Gleichaltrigen aus anderen Berliner Bezirken und Touristen seinen Kiez zeigen. Diego ist einer der jungen Leute, die bei „Route 65: Cityguides im Wedding“ mitmachen.

Jugendliche haben die Touren selbst erarbeitet

Das Besondere an dem Projekt, das der Verein „Kulturbewegt“ vor wenigen Jahren initiiert hat: Jugendliche sind hier die Stadtführer. „Sie sind die Spezialisten des Alltags, sie haben die Touren selbst erarbeitet“, unterstreicht Ethnologin Susanne Pozek, die das Projekt mit Historikerin Gabi Kienzl aus der Taufe gehoben hat.

Dass die jungen Leute abseits der touristischen Pfade wandeln, muss nicht überraschen – die führen ja eh nicht durch den Wedding. Aber sie haben auch einen anderen Anspruch: Sie erzählen, wo sie ihre Freizeit verbringen, wie sie das Zusammenleben der Nachbarn aus den verschiedensten Kulturkreisen erleben, welches ihr Lieblingsort ist.

Wenn Afrika am Sparrplatz Asien küsst

Für Diego und den jungen Argentinier Marc, mit dem er gemeinsam die Tour „Asien küsst Afrika“ rund um den Sparrplatz anbietet, ist die Dachterrasse des „House of Nations“ ein solcher Ort. Die ist zwar eigentlich nur für die Studenten bestimmt, die in dem Haus leben, aber für die beiden Stadtführer macht der Hausmeister eine Ausnahme.

Die Apartments seien alle voll möbliert, erzählt Diego im Aufzug. „Sogar ‘nen Reiskocher hat hier jeder auf dem Zimmer“, ergänzt Marc. Der Blick von oben kommt bei Stadtführungen immer gut an, zumal der auch gleich auf eine weitere „Sehenswürdigkeit“ fällt: die Ein-Mann-Brauerei „Eschenbräu“ mit dem lauschigen Biergarten.

Diego zeigt, wo er mal ein Date hatte

Weiter geht’s in Richtung Nordufer, vorbei an einem ehemaligen Jugendclub. „Hier hatte ich mal ’n Date mit ’nem Mädchen“, sagt Diego etwas verlegen. Inzwischen ist der Club dicht, die Rollläden sind heruntergelassen. Schluss mit Breakdance und Salsatanzen. Ob’s denn wenigstens mit dem Mädchen geklappt hat? Diego schüttelt den Kopf.

Am Nordufer übernimmt Marc die Regie, deutet auf das Gebäude der Ausländerbehörde auf der anderen Seite des Schifffahrtkanals und auf das grün-glänzende „Café Achteck“, die scherzhafte Bezeichnung für öffentliche Pissoirs und Pinkelrinnen in Berlin, hinter ihm. Eine seltsame Erfindung, meint er, weil darin doch nur Männer den Druck auf der Blase loswerden. Und am Ende gibt's im Sprengelpark noch ein Stück Industriegeschichte: Wo heute Kinder spielen, wurden einst Eisenbahnwaggons gefertigt, weiß Marc: „Und später Flugzeuge.“

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


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Zuletzt aktualisiert: 15.04.2010