Stadt & Szene

Mit dem Fuß um die Welt

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Mehr als „Ball-Hochhalten“: Der Berliner Hannes ist erfolgreicher Freestyler.

Wenn Fußballstars wie Ronaldinho oder Ronaldo in der Fernsehwerbung die Bälle auf ihren Körpern tanzen lassen, dann wissen die wenigsten, dass es sich dabei um eine mittlerweile weltweit bekannte Trendsportart handelt: Freestyle-Fußball. Doch was so einfach aussieht, braucht jahrelanges Training. Drei Berliner Schüler sind auf dem Weg, richtige Freestyle-Stars zu werden.

Das klassische Spiel mit „11 Freunden“ hat seit einiger Zeit Konkurrenz bekommen. Besonders in Metropolen gibt es immer mehr professionelle Fußball-Freestyler. Sie verzichten freiwillig auf das Tor und ihre Mitspieler. Für sie zählen der Ball und die unzähligen Tricks, die sie damit vollführen.

Nachmachen ist schwerer als gedacht

Die meisten Hobby-Kicker sprechen einfach von „Ball-Hochhalten“, wenn sie dribbeln, ohne dass das Leder den Boden berührt. „Viele denken: ‚Ach, das kann ich auch.’ Aber wenn sie es dann probieren, merken sie, wie schwer es ist“, sagt Dennis aus Charlottenburg.

Mit seinem Freund Hannes aus Marzahn hat er seine Leidenschaft für das Single-Kicken entdeckt. Die beiden erklären, worum es bei ihrer sportlichen Leidenschaft geht: „Also im Freestyle gibt es sehr viele Bereiche, zum Beispiel Upper, das ist mit Kopf und Schultern. Auch im Sitzen kann man Tricks machen. Doch die Schwierigsten sind diese Airmoves, die Ronaldinho macht.“

Wo Freestyler zum Stadtbild gehören

Freestyle-Fußball kommt von der Straße, denn man kann es überall spielen. Ohne abgesteckten Platz und besonderen Untergrund. In den Niederlanden gehören Freestyler seit langem zum Stadtbild. Amsterdam beispielsweise ist ein Mekka für die Nachwuchsfußballer.

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Erfindet ein Freestyler einen eigenen Trick, trägt dieser für immer seinen Namen.
Fotos: Anika Dreßler

In Brasilien werden Jungen, die besonders gut tricksen können, von der Straße weg in Fußballvereinen engagiert, in der Hoffnung, einen neuen Ronaldinho zu entdecken. In Deutschland hingegen kennen die meisten den Ballzauber bislang nur aus der Fernseh- und Kinowerbung großer Sportmarken.

Fan-Gemeinde dank You-Tube-Videos

Auch Dennis und Hannes haben im Fußballverein angefangen, doch irgendwann war ihnen das zu langweilig. Auch der Erfolg blieb aus, geben die Jungs lachend zu. Mit dem Freestylen haben es die beiden hingegen ziemlich weit gebracht: Mit ihren Videos bei You-Tube und auf ihrer Homepage haben sie eine kleine Fangemeinde aufgebaut und werden mittlerweile für Auftritte in ganz Deutschland gebucht.

Das Internet spielt eine wichtige Rolle in der Erfolgsgeschichte des Freestyle, denn hier schauen sich viele Spieler die Tricks ihrer großen Idole ab, die anschließend mit viel Disziplin und Ausdauer trainiert werden müssen. Erfindet ein Spieler einen eigenen Trick, trägt dieser für immer seinen Namen. Klar, dass sie alle davon träumen, natürlich auch die beiden Berliner Jungs.

Die Ball-Asse im Internet


Ballaz Berlin www.ballaz-berlin.de

Eigene Sprache erfunden: Freestylish

Manche der Tricks verraten schon im Namen, worum es geht: Einer der Klassiker und gleichzeitig einer der schwersten Moves heißt „Around the World“. „Da versucht man, mit der Außenseite des Fußes den Ball so anzuschneiden, dass man einmal mit dem Fuß um den Ball rum geht, so wie einmal um die Welt – Around the world, kurz ATW“, erklärt Hannes: „Werden die Tricks verbunden, kommt am Ende so was raus wie A-T-A-A-T-W!“ In Internetforen tauschen sich die Berliner mit anderen Spielern aus aller Welt aus – in einer ganz eigenen Sprache, die sie Freestylisch nennen.

„Wir hatten schon Auftritte, da mussten wir Autogramme schreiben. Da kam ich mir vor wie so ein Promi, das war schon ganz lustig, obwohl man nur ein paar Tricks gemacht hat,“ erzählt Dennis stolz. Den 16-jährigen Pascal haben sie auch über das Netz kennen gelernt. Man schickt sich Bilder und Videos, trifft sich und zeigt einander sein Können.

In Japan füllen Freestyler ganze Magazine

Pascal wünscht sich für sein Hobby so viel Aufmerksamkeit wie in Japan: „Dort machen es ziemlich viele, da gibt es ein Freestyle-Magazin und DVDs. Da ist das im Kommen. In Deutschland, glaube ich, wird es noch ein paar Jahre dauern.“

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Berliner Ballzauberer: Pascal, Hannes, Dennis (von links) treffen sich regelmäßig, um miteinander zu freestylen.

Mit ihren Auftritten bei Veranstaltungen sorgen die Jungs auf jeden Fall dafür, dass immer mehr Leute die Ballzauberei entdecken und verstehen, dass es sich dabei durchaus um eine ernst zu nehmende Sportart handelt. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man dann nach einem Monat Training etwas richtig Schweres geschafft hat“, verrät Dennis: „Man entwickelt sich weiter. Eine Grenze gibt es da nicht, man wird von Jahr zu Jahr besser.“

Lagerhallen dienen als Kulisse

Regelmäßig ziehen die beiden durch Berlin und suchen nach verlassenen Lagerhallen, die als Hintergrund für ihre aufwendig produzierten Filmclips dienen. Berlin setzen sie dabei geschickt in Szene, und den Stolz auf ihre Stadt zeigen sie auch in ihrem Namen „Ballaz-Berlin“.

Auf dem Weg von der Straße auf die Bühne bleiben die Jungs dennoch bescheiden. Das Abitur wollen sie auf jeden Fall machen, auch wenn sie am liebsten alleine vom Freestyle leben würden. Dann kämen sie wirklich um die ganze Welt, „Around the World“ – wie bei ihrem Lieblings-Freestyle-Trick.

Kontakt zum Autor: Romy Straßenburg


Zuletzt aktualisiert: 24.05.2011