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Culcha Candela: „Wir haben eine neue Stufe von Sexyness erreicht“

Bild vergrößernItchyban und Mr. Reedo

Cool im Interview mit BerlinerAkzente: Itchyban (links) und Mr. Reedo.

Vor sieben Jahren mussten sie noch bis morgens um 5 Uhr Plakate kleben. Dann haben sie mit ihrer Hitsingle „Hamma!“ die Republik aufgemischt und Platin abgeräumt: die sieben Jungs von „Culcha Candela“. Jetzt hat die Berliner Dancehall-Reggae-HipHop-Latin-Mix-Band, die auch schon mal auf Spanisch rappt und gegen Neo-Nazis ansingt, ein neues Live-Album samt Doppel-DVD auf dem Markt. Warum die Jungs eine neue Stufe von Sexyness erreicht haben, ihre Band nur in Berlin funktioniert und sie noch lange nicht fertig sind – das BerlinerAkzente-Interview.

Das Universal-Gebäude an der Oberbaumbrücke. Die „Culchas“ Itchyban und Mr. Reedo lümmeln auf einem Ledersofa. Unten glitzert die Spree, oben Itchybans verspiegelte Sonnenbrille, die er auf keinen Fall abnehmen möchte. Die Zeit läuft, also los geht's mit den ersten Fragen:

Mit „Hamma“ besingt ihr die Hamma-Mammas: Euer Dank an die großartigen Frauen in eurem Leben?

Itchyban: Auf jeden Fall. Dabei finde ich es besonders geil, dass der Song gerade von vielen Frauen gehört wird. Man hat mir erzählt, dass sich ganze Frauen-Communities vor dem Weggehen treffen, sich einen Prosecco reinpfeifen, miteinander tratschen, sich schminken und dabei „Hamma“ laufen lassen. Sie gucken in den Spiegel und sagen: ‚Yeah Baby, der Song ist über mich.’ Total geil.

Culcha Candela


... heißt übersetzt "heiße Kultur". Die Pop-Reggae-Formation gründete sich 2001.

Die sieben Jungs aus Deutschland, Uganda, Polen, Kolumbien und Korea landeten mit "Hamma!" im vergangenen Jahr ihren ersten Nummer-Eins-Hit, der direkt auf Platz Eins einstieg und sich sechs Wochen auf dem Spitzenplatz hielt.

Seitdem geht's mit der Karriere steil aufwärts: Drei Alben, Tour mit Gentleman und den Söhnen Mannheims, und im Februar durften Culcha Candela auf dem Bundesvision Song Contest für ihre Heimatstadt Berlin antreten.

Mehr Infos auf: www.culcha.de

„Hamma“ war sechs Wochen auf Platz Eins der deutschen Charts. Da müsst ihr was richtig gemacht haben...

Itchyban: Es ist uns gelungen, mal so ganz locker einen sexy Tune zu machen. Vorher waren wir cool, aber irgendwie unsexy. Damit haben wir auch eine neue Stufe von Sexyness erreicht.

Ihr rockt auf der Bühne richtig ab und gebt alles. Warum ist die Live-Performance so wichtig für euch?

Mr. Reedo: Tja, Culcha Candela heißt ja so was wie heiße Kultur, feurige Kultur, und ich denke, dass ist das, was live am allerbesten rüberkommt. Es ist nicht einfach nur: Da ist die Bühne und da stehen ein paar Leute und machen Musik. Und da ist das Publikum, das popelt in der Nase und guckt zu, sondern da passiert was. Da ist immer sehr viel Interaktion und Spannung.

Ihr habt 2001 ganz klein angefangen – eine harte Zeit?

Itchyban: Bevor wir überhaupt auftreten konnten, haben wir ja in Berlin ’ne ziemliche Welle gemacht. Ich kann mich erinnern, dass ich in der Zeit echt wenig geschlafen habe und immer auf Partys unterwegs war, um Flyer zu verteilen. Ich glaub, ich hab in einem Monat 20.000 Plakate geklebt, zum Teil bis fünf Uhr morgens.

Dann ging es mit immer mehr Konzerten weiter und ihr habt es geschafft, die Leute zu „verculchan“.

Mr. Reedo: Deshalb hat man uns ja auch irgendwann den Spitznamen „die Krieger“ gegeben. Das hat nichts mit kämpfen zu tun, sondern sagt einfach nur aus, dass wir sie alle kriegen. Auch wenn manche am Anfang skeptisch sind, wir zeigen ihnen: Das ist der Shit, und ihr feiert jetzt mit uns!

Bild vergrößernCulcha Candela

Mit "Hamma!" war die Berliner Band im vergangenen Jahr sechs Wochen auf Platz eins.

Ihr seid als Band in Berlin groß geworden und immer noch da. Wann werdet ihr Berlin-müde?

Mr. Reedo: Das passiert definitiv nicht. Ich hab’ manchmal eine Stadtmüdigkeit und muss manchmal an den See. Aber ich möchte um nichts auf der Welt diese Stadt verlassen. Ich glaube auch, dass unsere Band nur in Berlin möglich wurde – nur hier können Leute aus so unterschiedlichen Bereichen aufeinander treffen und gemeinsam was Tolles machen. Berlin ist einfach ein Schmelztiegel, in jeder anderen Stadt in Deutschland hätten wir uns wahrscheinlich die Köpfe eingeschlagen.

Itchyban, du hast „Hamma“ und „Culcha Candela“ als Tattoos auf Deinem Arm. Ist das eine Art Erinnerung?

Itchyban: Das ist aber witzig, was du sagst. Aber stimmt schon, es kann ja sein, dass ich irgendwann im Vollsuff aufwache und einen Blackout habe. Dann kann ich da rauf gucken und weiß – ‚Da war doch was’ (lacht). Nee, das hab ich vor drei Jahren machen lassen. Denn Culcha Candela ist einfach das Beste, was mir bisher in meinem Leben passiert ist.

Culcha Candela im Video


Das Video "Besonderer Tag" von Culcha Candela sehen Sie hier bei Universal Music.

Und wie geht es weiter mit euch? Pläne? Wünsche?

Mr. Reedo: Eine richtig gute Tour diesen Sommer und international weiter Karriere machen. Eines unserer Urziele als Culcha Candela ist definitiv, jedes Herkunftsland der Mitglieder zu bereisen. Polen, Kolumbien, Deutschland haben wir schon geschafft. Uganda und Korea sollten noch folgen, aber das kriegen wir schon hin.
Itchyban: (in britischem Akzent) Well, my goal is I would like to play at the mother of all festivals the Glastonbury Festival, that would be quite nice. Und dann einfach möglichst lang auf der Bühne bleiben – die Stones spielen ja auch noch.


Interview: Lydia Leipert
Fotos: Lydia Leipert (1), David Cuenca - Universal Music (2)



Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010