Stadt & Szene

Tischtennis Titel

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Cooler Rundlauf im "Dr. Pong" an der Eberswalder Straße.

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Am Tresen wird geordert – Bier oder Schläger, egal...
Fotos: Antoine Planchais

Berlin, Deine Platten


Unter www.berlin-tischtennis.de präsentiert sich Berlin als Paradies für Pingpong-Freunde. Sie finden Platten in allen Bezirken und können auch eigene "Fundstücke" eintragen.

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Besonders in Berlins Szenebezirken tummeln sich viele begeisterte Pingpong-Spieler.

Berlin aktiv


Außergewöhnliche Sportarten haben in Berlin Konjunktur: Ob Hüpfstelzen, Jugger, Kubb, Slacklining, Base-Jumping oder Parkour: Wir zeigen, wie sportlich Berlin ist.

Bei einem Steifzug durch das sommerliche Berlin darf er auf keinen Fall fehlen: der Tischtennisschläger. In allen Ecken der Stadt wird gepingt und gepongt. Ein kleiner weißer Ball ist der Open-Air-Star der Metropole und erobert mittlerweile sogar die Clubs.

Wer hätte das gedacht? Früher hätten wir bei dem Stichwort noch beschämt an den Hobbykeller der Eltern gedacht, heute gehören Tischtennisspieler zum sommerlichen Stadtbild. Besonders in Berlins Szenebezirken tummeln sich auf Spielplätzen und in Parks immer mehr begeisterte Pingpong-Spieler. Was so faszinierend an diesem Zeitvertreib ist, erklären die Freunde Micha und Paula bei einer Spielpause im Monbijoupark, wo sie so oft wie möglich gegeneinander antreten: „Man braucht nicht besonders viel Training, man muss nicht viel können, es ist billig, man kann raus, es ist im Freien. Ich glaub', das ist eine der Sportarten, die Mann und Frau ohne Probleme zusammen spielen können, ohne dass größere Unterschiede zu merken sind.“

Der Sport an der Platte ersetzt die Pillen

Nicht nur Frau und Mann, auch Jung und Alt stehen sich an der Platte gegenüber, denn Tischtennis ist auch für die späteren Semester eine gute Art, sich fit zu halten, meint der 74-jährige Gerhart Schulz: „Überall, wo 'ne Platte steht, geh' ich hin. Ob in Parks, Friedrichshain, Wasserturm, Helmholtzplatz, Kollwitzplatz. Das ist meine Medizin. Dafür nehme ich keine Pillen.“

Berlin, ein Meer von Tischtennisplätzen

Der Berliner freut sich über die zahlreichen neuen Platten, die nach der Wende aufgestellt wurden. Tatsächlich sind die Voraussetzungen für eine Partie im Freien ausgezeichnet, vergleicht man andere deutsche oder europäische Städte. Das beweist nicht zuletzt das Projekt von Peter Ulrich. Der Webdesigner aus Friedrichshain hat auf der Internetseite www.berlin-tischtennis.de eine virtuelle Karte eingerichtet, auf der man Platten finden und eintragen kann. Von oben betrachtet zeigt sich Berlin als ein Meer von Tischtennisplätzen.

Cooler Rundlauf im "Dr. Pong"

Die Liebe zum Kellenschwingen haben auch einige Berliner Barbesitzer entdeckt und zum Konzept gemacht. Seit 2004 können die Gäste im "Dr. Pong" an der Eberswalder Straße bei jedem Wetter einkehren und neben Biertrinken und Tanzen mit dutzenden Mitspielern um die Platte laufen. Allabendlich drängeln sich Nachtschwärmer in einem kargen Klubraum und liefern sich beim Rundlauf heftige Kämpfe – natürlich ganz friedlich, mit einem kleinen weißen Ball.

Amy und Katie aus London sind begeistert

Am Tresen gibt es neben Cocktails auch Schläger zu bestellen, und ein DJ heizt den Spielern mit Elektro-Klängen ein. Mittlerweile hat Dr. Pong einige Nachahmer gefunden und es sogar in manche Berlin-Reiseführer geschafft. Kein Wunder, dass Amy und Katie aus London begeistert sind: „Vielleicht sind hier fünf Leute dabei, denen es tatsächlich ums Spielen geht, die anderen sind hier, um Spaß zu haben. Wir sollten so was in London eröffnen, es ist einfach eine fantastische Idee!“

Erst schmettern, dann die Tanzfläche stürmen

Dass sich an der Tischtennisplatte ganz unkompliziert neue Leute kennen lernen lassen, ist für viele Besucher des "Dr. Pong" ein Grund mehr, immer wieder zu kommen. Die Gespräche drehen sich zuerst ums Schmettern, Aufschlagen und die beste Ballannahme, bevor man gemeinsam die Tanzfläche stürmt.

Die zahlreichen Berliner Tischtennisvereine profitieren davon. „Irgendwann sagen die Leute, das reicht mir nicht mehr, und dann kommen sie zu uns in den Verein. Deshalb kann ich das nur begrüßen“, erklärt Eberhardt Große, Vizepräsident des Berliner Tischtennisverbandes.

Die Platte passt zu Berlins „Arm-aber-Sexy-Image“

Vielleicht ist Tischtennis, das seit 1988 olympische Sportart ist, in Berlin deshalb so beliebt, weil es zum „Arm-aber-Sexy-Image“ passt, mit dem die Stadt so häufig umschrieben wird. Wer könnte sich auch einen Golf- oder Reitverein am Boxhagener Platz vorstellen? Einige Berliner verstehen die Gemeinsamkeit rund um die Betonplatten sogar als soziale Integration, wie der 32-jährige Matti vom Helmholtzplatz. Der Punkertreff in Prenzlauer Berg galt noch vor Jahren als gefährliche Ecke. Heute stehen „Kiezies“ gemeinsam mit Studenten bis spät in die Nacht hinein um die beleuchteten Tischtennisplatten. „Die Leute, die hier Tischtennis spielen wollen, schaffen einen sozialen Frieden, indem sie Leute zurück halten, Aggression und Gewalt auf den Platz zu bringen“, glaubt Matti.

Kontakt zum Autor: Romy Straßenburg ()


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010