
Höhenflüge: Mit den Powerisern sind Sprünge von bis zu zwei Metern Höhe und fünf Metern Weite möglich.

„In zehn Minuten ist das lernbar“, sagt Sebastian, aber da ist er nicht ganz ehrlich...
Hier gibt's die Stelzen
MallivatorSports
Saalburgstraße 3a
12099 Berlin
Tel. 63 41 34 14
www.mallivator.de
Mieten und trainieren
Vermietung: Die Stelzen für 50 bis 70 bzw. 70 bis 90 Kilogramm schwere Menschen können für 30 Euro einen ganzen Tag lang gemietet werden (9-19 Uhr). Für vier Stunden kostet der Spaß 20 Euro (9-13 oder 14-18 Uhr).
Die Stelzen für Leichtgewichte (30-50 kg) werden für 20 Euro pro Tag ausgeliehen, die Vier-Stunden-Variante kostet 10 Euro. Kinder-Sprungschuhe vermietet Mallivator nicht.
Trainingseinheit: Ein vierstündiger Ausflug auf Stelzen unter Anleitung eines Trainers kostet 35 Euro.
Termine nach telefonischer Vereinbarung.

Abgehoben – mit viereinhalb Kilo schweren Klötzen an jedem Bein.

40 Zentimeter können ziemlich hoch sein – gut, wenn im Notfall ein Straßenschild greifbar ist, meint unsere Autorin.

Freizeitspaß mit extrem hohem Coolness-Faktor.
Sie sind die Siebenmeilenstiefel von heute – nur eben die Hight-Tech-Version: Auf Sprungschuhen durch die Stadt hüpfen, das ist Sport und Freizeitspaß in einem, noch dazu mit extrem hohem Coolness-Faktor. Auch in Berlin treten die Hüpfstelzen jetzt ihren Siegeszug an – ein (heldenhafter) Selbstversuch.
Immer mehr Jogger im Tiergarten haben diese Begegnung „der dritten Art“: Plötzlich hören sie dieses seltsam knarzende Geräusch hinter sich – und schon hüpft ein Wesen auf futuristisch anmutenden Stelzen an ihnen vorbei. Wird hier gerade ein Science-Fiction-Film gedreht? Während der Jogger noch staunt und sich der Spaziergänger ungläubig umschaut, ist der federnde Fitnessfreak mit seinen seltsamen Laufgeräten längst außer Sichtweite. Was dieses schwungvolle Vorankommen ermöglicht, sind Sprungschuhe, sogenannte Poweriser.
"Ich fühl mich wie ein Känguru"
Manche der Fitnessgeräte in der Mucki-Bude sehen ja auch martialisch aus. Aber mit denen kennt man sich inzwischen aus. Doch als Sebastian Hartmann die Stelzen an seinen Füßen befestigt, um gleich darauf mit Riesenschritten über den Asphalt zu hüpfen, wird mir doch ein wenig mulmig. Das soll Spaß machen? Da brech‘ ich mir doch alle Gräten.
In den USA hüpfen schon Tausende
„In zehn Minuten ist das lernbar“, meint Sebastian, Geschäftsführer der Berliner Vertreiberfirma MallivatorSports. Ich hege da zwar so meine Zweifel. Aber in den USA und in Japan hüpfen ja schon Tausende mit den Dingern durch die Gegend – um sich fit zu halten oder einfach den Weg ins Büro so effektiv wie möglich zurückzulegen. Typisch Amis, denke ich. Dabei weckt das spacige Fitnessgerät – das Gestell ist aus Aluminium mit Gummifüßen, die Feder, die bei jedem Aufsetzen durchgebogen wird, aus Fiberglas – eher Assoziationen zu Australien. Okay, ich gestehe: Ich wollte mich immer schon mal wie ein Känguru fühlen.
40 Zentimeter können soooo hoch sein
Daran ist bei den ersten Fortbewegungsversuchen allerdings nicht zu denken. Ich befestige die Geräte an Fuß und Unterschenkel, die Bindungen funktionieren wie beim Ski. Mutig richte ich mich auf – um im selben Moment laut nach der starken Schulter zu schreien, die mich vor dem Umkippen bewahrt. Dass 40 Zentimeter – die Distanz zwischen meinen Füßen und dem Boden – ein derartiges Höhengefühl verursachen könnten, hätte ich nicht gedacht. Aber schwindelfrei bin ich ja...
Trampolin unter den Füßen
Die ersten staksenden Schritte – mit einem immerhin viereinhalb Kilo schweren „Klotz“ an jedem Bein. Passanten bleiben stehen. Au weia, ich mach‘ mich total zum Löffel. „Step by step“, kommen mir die Worte von Sebastian Hartmann wieder ins Gedächtnis. „Erst stehen, dann gehen, dann leicht hüpfen. Und danach kann man auch mal rennen, sonst landet man ziemlich schnell auf dem Boden der Tatsachen.“ Recht hat er. Habe ich bei den ersten Gehversuchen so manches Mal hilflos mit den Armen gerudert, weil ich viel zu ungeduldig war und zu schnell loshüpfen wollte, klappt es mit dem lockeren Gehen ein paar Minuten später schon ganz gut. „Gute Körperhaltung ist das A und O, sonst fällt man um“, hat Sebastian erklärt. Das merke ich. Also: Po rein, Brust raus. Wenn ich mich absolut gerade halte, komme ich ganz gut voran – mit dem Trampolin unter meinen Füßen.
Fünf-Meter-Sprünge sollen möglich sein
Die Möglichkeiten des Sportgerätes ausreizen werde ich bei meinem ersten Stelzenausflug dennoch nicht. Sprünge von bis zu zwei Metern Höhe und fünf Metern Weite sollen möglich sein dank strapazierfähiger High-Tech-Materialien – ursprünglich entwickelt übrigens in der Luftfahrtindustrie. Je nach Körpergewicht gibt es vier verschiedene Stelzenmodelle. Vom kleinen Hüpfer ab 30 Kilogramm bis zum Schwergewicht von 120 Kilo sind dem Sprungspaß keine Grenzen gesetzt.
Auf keinen Fall wie Charlie-Chaplin gehen
Ziemlich schnell lernt man, den Fuß richtig anzuheben. Und parallel zu laufen. Verfällt man doch mal in den Charlie-Chaplin-Gang, kommt man sich mit den Federn nämlich selbst ins Gehege. Also: Konzentration ist angesagt. Und ein bisschen Vorabtraining im Fitness-Studio ist auch nicht verkehrt. Muskelkater gibt’s dennoch. „Beim Hüpfen mit den Sprungschuhen werden 98 Prozent der Muskeln beansprucht von den Beinen über Po, Rücken und Bauch bis zu den Armen“, erläutert Sebastian. Mehr noch als beim Nordic Walking, bei dem mit 95-prozentiger Muskelbelastung schon fast das Optimum erreicht wird.
"Das ist ein echtes Fitnessgerät"
„Die Stelzen sind die ideale Ergänzung zu anderen Outdoor-Aktivitäten“, meint Sebastian. Gerade für Sportler, die ihre Kondition steigern wollen. „Nach 500 Metern Sprint mit den Sprungschuhen geht so manchem erfahrenen Inlineskater die Puste aus“, sagt er: „Das ist ein echtes Fitnessgerät.“ Für ihn auch der Grund, warum das „Bouncen“ – das englische Wort für Hüpfen, Springen – keine allzu großen Chancen habe, ein Massensport zu werden. Zwar weiß Sebastian von einigen Leuten, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Hüpfspaß treffen. Aber eine echte Community gebe es in Berlin noch nicht.
Weich fallen im Tiergarten
Vielleicht liegt’s aber auch nur daran, dass Sebastian Hartmann bislang wenig Werbung gemacht hat: Bei ihm kann man die Stelzen nicht nur kaufen (gut 400 Euro kostet der Spaß), sondern auch leihen. Oder eine Trainingseinheit buchen. Der vierstündige Ausflug beginnt im Tiergarten – „auf dem Rasen fällt es sich weicher“ – und führt anschließend quer durch die City. Voraussetzung: Mindestens sechs Leute müssen mitmachen.
Ultimative Herausforderung nach Skates und Snowboards
In Berlin ist MallivatorSports nach eigenen Angaben der einzige größere Anbieter, der gezielt auf Sprungschuhe setzt. Seit drei Jahren vertreibt Hartmann mit seinem Kompagnon Alexander Gobel die Stelzen, 400 Paar hat er über seinen Internet-Versand deutschlandweit verkauft. Die Klientel: „25 plus“, schätzt Sebastian, „sportliche Typen, die nach Skates und Snowboards die ultimative Herausforderung suchen. Jogger ebenso wie Artisten.“ Freizeitsportler sollten Handgelenk-, Knie- und Ellenbogenschützer tragen. Und möglichst einen Helm. Denn nicht immer ist ein Laternenmast, ein Straßenschild oder ein Baum in greifbarer Nähe, wenn man ins Schwanken gerät.
Dass ich – aus Angst, mich zu verletzen - bei meinem ersten Ausflug noch keine großen Sprünge gewagt habe, wurmt mich ja nun doch. Als ich es Sebastian bei der Rückgabe der Stelzen kleinlaut gestehe, schmunzelt er und sagt: „Dazu habe ich 14 Tage gebraucht.“
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Autor:
Katrin Starke
Wie sportlich Berlin ist, erfahren Sie auf unserer Sammelseite Olympia alternativ – Berliner Sommerspiele. Ob Hüpfstelzen, Jugger, Kubb, Slacklining oder Parkour: Wir verraten, warum Berlin ein Paradies für außergewöhnliche Sportarten ist.
Fotos: Poweriser (3), Mallivator (1), Starke (1)
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010