Der Öko-Trend hat die Fast-Food-Szene erreicht – und sorgt für gänzlich neue Geschmackserlebnisse. Vöner statt Döner, Frittiersalon statt Pommesbude: Immer mehr Berliner beißen ohne Reue in ihre Burger, Hot Dogs und Köfte. Das Fleisch kommt aus artgerechter Tierhaltung, das Brötchen vom Bio-Bäcker. Da wird der Döner-Genuss noch schöner.

im "Frittiersalon" brutzeln ausschließlich ökologisch korrekte Kartoffeln in den Ölbottichen.
Für Öko-Fans und Bio-Esser:
Hot Dog & Burger World, Kastanienallee 62, Prenzlauer Berg, So-Do 9.30 - 4 Uhr, Fr-Sa 9.30 – 7 Uhr
Meraba Döner, Greifswalder Straße 32, Prenzlauer Berg
Frittiersalon, Boxhagener Straße 104, Friedrichshain, www.frittiersalon.de
Vöner & Wagenburger, Boxhagener Straße 56, Friedrichshain, Mo-Fr 11.30 – 23 Uhr
Sa, So 13.30 – 23 Uhr, www.voener.de
Maja’s Deli, Pappelallee11, Prenzlauer Berg, Di-Fr 12.20 – 20 Uhr, Sa 12.20 – 18 Uhr

Home of the "Vöner": das "Vöner & Wagenburger" in der Boxhagener Straße.

In "Maja's Deli" kommen keine Tierprodukte auf den Tisch: Vegan ist angesagt.
Es gibt sie klassisch mit Remoulade und Röstzwiebeln oder deftig mit Sauerkraut und Relish. Es gibt sie scharf gemacht mit Chilisauce und frischen Zwiebeln, sanft mit Käsesauce und Gurken oder elegant im Baguette mit süßsaurem Senf. Wer heiße Würstchen liebt, für den bleiben in der "Hot Dog & Burger World" keine Wünsche offen. Acht verschiedene Hot-Dog-Kreationen hat die Mini-Kette auf der Karte – mit Fleisch aus umweltfreundlicher und artgerechter Tierhaltung.
Öko-Schlemmern in der Kastanienallee
Bereits seit 1997 verkauft Fikret Yildiz in Berlin Hot Dogs aus Neuland-Fleisch. Die ersten Würstchen packte er noch in der Bergmannstraße in Kreuzberg in die Brötchentaschen. Inzwischen hat er sein Angebot auf jede Menge Burger-Variationen ausgeweitet und insgesamt drei Imbisse in der Stadt – allesamt in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg. „Hier ist eine Kundschaft unterwegs, die sehr bewusst isst“, sagt Yildiz. „Unser Essen ist zwar etwas teurer, aber dafür bekommen die Leute auch Qualität.“
Mayonnaise aus der Riesenflasche
Und das wissen immer mehr Menschen zu schätzen. Studenten, Berufstätige aus der kreativen Zunft und junge Eltern mit kleinen Kindern warten in der Mittagssonne am oberen Ende der Kastanienallee geduldig auf ihr Burgermenü. Die Straßenbahn rast mit Getöse vorbei, während drinnen würzige Fleischklopse sorgfältig zwischen Salatblätter, frische Tomatenscheiben und knusprige Sesambrötchen drapiert werden. Mayonnaise und Ketchup muss sich anschließend jeder selbst aus riesigen Plastikflaschen auf den Aluteller quetschen. So viel Fast-Food-Flair muss schon sein.
Bio-Pommes bis tief in die Nacht
Yildiz hat den Trend in Berlin als einer der ersten erspürt: die Verbindung von Fast Food und Öko-Essen. Gerade im Prenzlauer Berg und in Friedrichshain sprießen Imbisse mit Bio-Pommes, Neuland-Bratwurst und vegetarischen Burgern seit ein paar Jahren wie die Pilze aus dem Boden. Die Kunden nehmen das Angebot dankbar an: In den in Apfelgrün, Sonnengelb und Kirschrot getünchten Läden der "Hot Dog & Burger World" werden vom späten Vormittag bis tief in die Nacht Würstchen, Pommes und Buletten über die Ladentheke gereicht.
Auch Ilker Halici kann sich über regen Zulauf freuen. 2004 machte er sein Meraba Döner in der Greifswalder Straße auf. Doch mit dem Gammelfleisch-Skandal im vergangenen Sommer blieben plötzlich die Kunden weg. Die Lösung lag ganz nah: Genau gegenüber hat einer der wohl bekanntesten Metzgermeister in Prenzlauer Berg sein Geschäft.
Neue Klientel dank Neuland-Fleisch
Seit einem halben Jahr liefert nun Klaus Gerlach Rindfleisch an Ilker Halici, und der wiederum ist jetzt der erste in Deutschland, der Döner und Köfte aus Neuland-Fleisch herstellt. Mittlerweile kommt nicht nur die alte Kundschaft in seinen Laden zurück, sondern auch eine ganz neue Klientel hinzu.
Ein paar Kilometer weiter östlich brutzeln im Frittiersalon in Friedrichshain ausschließlich ökologisch korrekte Kartoffeln in den Ölbottichen. Seit fast fünf Jahren servieren Cathérine Schmider und Frank Bornemann Bio-Pommes in den verwegensten Kombinationen: als Country Potatoes mit Thymian und Rosmarin zum Beispiel oder als Pommes Poutine mit Mozarella und Bratensoße. Dazu gibt es bodenständige Brat- und Currywurst, raffinierten Walnuss Gorgonzola Burger oder Halloumi-Burger für Vegetarier.
Im Vöner hat Fleisch nichts zu suchen
Für alle, die zwar kein Fleisch essen, aber auf den kräftigen Geschmack von Döner nicht verzichten wollen, gibt es den „Vöner“. Koch Holger hat lange getüftelt, bis er die richtige Rezeptur aus Gemüse, Soja und Weizeneiweiß für seinen veganen Döner zusammenhatte. Wie die täuschend echt aussehende Mixtur am Spieß hält? „Das ist das große Geheimnis“, sagt er mit feinem Lächeln.
Angefangen haben Holger und sein Geschäftspartner Guido in den Neunzigern mit dem „Wagenburger“: Wann immer die beiden ein Rockfestival besuchten, fuhren sie im Imbisswagen vor und kredenzten ihre erste Eigenkreation – einen vegetarischen Burger. Am Anfang war das eine lustige Nebenbeschäftigung, am Ende verkauften sie so viele Gemüseklopse, dass sie sich mit dem Vöner & Wagenburger niederließen.
Gemüse aus dem Garten
Vegan ist ohnehin mächtig in Mode. Maja’s Deli gehört zu den ersten Adressen für Essen ohne Tierprodukte. Das Gemüse bringen Mandy Urner und Jana Banse teils frisch aus dem Garten mit, der Rest kommt aus dem Bio-Großhandel.
Das Ergebnis: gefüllte Gurken mit Thymiansauce und Pecannüssen oder scharfe Dinkelröllchen mit frischem Bohnenkraut. Und natürlich Kuchen, Sandwiches, Pasteten und Pizza. Alles Fast Food, alles gesund. „Wir überlegen uns jeden Morgen, was mittags auf den Tisch kommt“, sagt Mandy Urner. Bei so viel Auswahl sind der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Und auch für die Zukunft haben die beiden noch reichlich Ideen auf Lager, wie Fast Food mal anders schmecken kann.
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Autor:
Marion Meyer-Radtke
Zuletzt aktualisiert: 31.05.2010