Job & Karriere

Hey Boss, lern vom Ross!

Ungewöhnliche Führungskräftetrainings: Was das Pferd dem Chef erzählen kann, warum Bosse beim Kampfsport öfters auf die Matte fallen sollten und wie Führungskräfte ausgerechnet nach dem Chorsingen im Arbeitsalltag besser den Ton angeben. Unsere Autorin Julia Leiditz hat den Selbstversuch gemacht.

Bild vergrößernEsther Huyer Florian Koch

Lerneffekt beim Führungskräfte-Training mit Prerden: Führen ist vor allem eine Frage der Körperhaltung.

Eben noch ist mir der braune Wallach durch die Halle gefolgt. Gemeinsam sind wir ohne Zögern den Parcours gelaufen. Im Slalom vorbei an Kegeln, durch enge Gassen, sogar über eine knisternde Plastikfolie.

Pferde als Spiegel für das eigene Verhalten

Bei der nächsten Übung, in der ich mit einer gelben Fahne hin und her wedle, scheitere ich: Mein Pferd Bruno rennt wie aufgescheucht davon, wechselt irritiert die Richtung, verharrt ratlos in einer Ecke. Scheinbar kann das Tier die Situation nicht einschätzen. Ich zucke mit den Schultern, schaue hilflos zu Coach Florian Koch, der die Übung als Teil des Seminars "Klar kommunizieren – erfolgreich managen" anbietet. Der Diplom-Kommunikationswirt ist zertifizierter Business-Coach und Trainer.

Koch & Pferde
Teilnehmer: Projektmanager und Führungskräfte
Teilnehmerzahl: 3-6
Dauer: 1-2 Tage
Seminare sind auch als Teamtraining mit Pferden möglich, als internes Firmenseminar und Kunden-Incentive buchbar
www.kochundpferde.de

Aikido for Business
Hauptstraße 26
10827 Berlin-Schöneberg
Tel. 284 78 613
www.tomosei-aikido.de

LeaderChor
Anmeldung und Information für Interessenten bei:
Maike Theuerkauf
info@rundfunkchor-berlin.de
Tel. (030) 202987 - 560
www.rundfunkchor-berlin.de

Der 44-Jährige erklärt: "Pferde können unsere Worte nicht verstehen. Sie reagieren ausschließlich auf die Signale, die wir durch Gestik, Mimik, Stimme und Körperhaltung senden. Die Pferde dienen uns als Spiegel des eigenen Verhaltens und zeigen uns so, was wir wirklich meinen, wenn wir etwas sagen." Kurz: Verändern wir unser Verhalten – verändert sich auch die Reaktion der Pferde.

80 Prozent der Kommunikation läuft non-verbal

Eine wichtige Lektion gerade für Führungskräfte, denn 80 Prozent der Kommunikation läuft non-verbal. Durch die unmittelbare Reaktion der Tiere auf unsere Körpersprache kommen wertvolle Erkenntnisse über das eigene Verhalten zu Tage, die sich direkt ins Berufsleben und den Umgang mit Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern übertragen lassen.

Bild vergrößernFlorian Koch

Denn stimmt die nicht, akzeptiert das Tier auch keine Befehle, lehrt Coach Florian Koch.

Wer beispielsweise immer nur nett und freundlich agiert, wird womöglich von anderen nicht ernst genommen. Tritt jemand immer nur autoritär und streng in Erscheinung, trauen sich Mitarbeiter vielleicht nicht, wichtige Kritik zu äußern oder auch mal kreative Vorschläge zu machen. Und genau darin liegt der Reiz des Trainings mit Pferden.

Wie eine schlechte Kommunikation Unternehmen lähmt

Eine klassische Schwachstelle im Unternehmen ist meistens eine nicht funktionierende Kommunikation, die zu Missverständnissen und Konflikten führt. Dies beeinträchtigt nicht nur das Klima in der Zusammenarbeit, sondern verursacht auch Störungen und Reibungsverluste in den Arbeitsabläufen.

Viele Teilnehmer kommen zwar mit einem konkreten Anliegen oder Schwierigkeiten in der beruflichen Situation zu Florian Koch, wissen aber oft nicht, was sie bei ihm erwartet. So ging es auch einer Marketing-Direktorin aus Hamburg, die ihren Namen allerdings nicht nennen möchte. "Ich war zunächst skeptisch – noch ein Führungsseminar und dann mit Pferden?! Das klang ein wenig esoterisch in meinen Ohren. Doch in diesem Seminar habe ich sehr viel über mich selbst, meine Stärken und meinen persönlichen Führungsstil gelernt."

Lernen von der Rangordnung der Herde

Für die Teilnahme braucht es keine bestimmten Voraussetzungen, wie etwa Erfahrung mit Pferden, wohl aber eine gehörige Portion Neugier und Lust, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Das Training eignet sich daher für die unterschiedlichsten beruflichen Ausgangssituationen: für Konflikte mit Mitarbeitern, bei einem Wechsel in eine neue Leitungsposition oder bei einem neu zusammengestellten Team.

"Am Anfang eines Seminars starte ich mit einer Beobachtungsrunde auf der Koppel. Mindestens zehn Minuten lang geht es nur darum zu gucken, wie sich die Pferde untereinander verhalten, wie die Rangordnung in der Herde ist", erklärt Koch. Auch bei den späteren praktischen Übungen sollen die Teilnehmer ihre Sinne für Details schärfen. Dafür hält Koch die Eindrücke auf Video fest und wertet sie gemeinsam mit den bis zu sechs Teilnehmern aus.

Kampfkunst fürs Business

Ein weiterer Pluspunkt des Seminars mit Pferden: Der Lerneffekt aus einer emotional erlebten Situation ist deutlich intensiver, nachhaltiger und wirkungsvoller als bei anderen Lernstrategien. Beim Training mit Pferden sind die Teilnehmer mitten drin in der Realität. Mit dem Jagdhaus Paaren und dem Pferdehof Papke nicht weit von Berlin entfernt hat Florian Koch zwei Kooperationspartner gewonnen, die die Seminarteilnahme auch atmosphärisch bereichern.

Bild vergrößernKampfsport

Auch beim Aikido lernen Manager die nötige Schlagfähigkeit für den Job.

Eine ganz andere Art des Trainings für die aktive Geschäftswelt lässt sich im Stadtteil Schöneberg finden. Das Team von Aikido-Dojo TomoSei überträgt im Seminar "Aikido for Business" die Grundprinzipien der japanischen Kampfkunst auf das Berufsleben und den Umgang miteinander.

Selbst präsent sein und den Mitarbeiter wertschätzen

Seminarleiter Peter Saager trainiert seit 40 Jahren Kampfsport, war 20 Jahre in Führungspositionen in zwei großen Unternehmen. Er kennt also die Parallelen in der Kunst des Kampfes und des Führens: Präsenz, Klarheit, Zentriertheit, der Einsatz von Atemkraft sowie natürliche und damit effiziente Bewegungen führen in beiden Fällen zum Erfolg.

Doch keineswegs werden hier Chefs zur bloßen Ich-Bezogenheit ermuntert. Genauso kommt es Saager auf die Prinzipien des Miteinanders an: den Mitarbeiter wahrnehmen, achten und wertschätzen. So wie es der Samurai mit seinem Gegner tat, wovon die Verbeugung vor und nach dem Kampf noch heute kündet.

Wenn Alleinverantwortliche gemeinsam singen

Neue Wege fernab der gewohnten Umgangsformen beschreiten auch die Berufstätigen in Leitungspositionen, die einmal im Jahr im LeaderChor Berlin singen. Mal nicht alleinverantwortlich zu sein, auf andere hören und mit Musik gemeinsam voneinander lernen – Eigenschaften, die sich sehr gut ins Arbeitsleben übertragen lassen, wie ein Mitarbeiter eines Berliner Finanzunternehmens bestätigt: "In diesem Chor müssen wir in einem knappen Zeitrahmen unter großem Druck etwas Großartiges zustande bringen. Das ist schon mal eine Gemeinsamkeit mit dem Job."

Bild vergrößernLeader Chor Berlin

Oder beim Chorsingen, wie sie gegenüber den Mitarbeitern den richtigen Umgangston finden.

Dabei steht der Spaß im Vordergrund, aber nicht nur, wie eine Teilnehmerin erläutert: "Natürlich ist unser Chor aus Managern, die ähnlich ticken, für mich auch eine Kontaktbörse, von der ich beruflich profitiere." Seit fünf Jahren erarbeitet Initiator Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchores Berlin, zusammen mit Gastsängern ein anspruchsvolles Programm, das abschließend als Live-Konzert präsentiert wird.

Der Erfolg solcher ungewöhnlicher Führungskräfte-Trainings ist schon nach kurzer Zeit spürbar: Eben noch versuchte ich erfolglos, ein Pferd mit Worten zum Laufen zu überreden. Doch nun verändere ich meine starre Position, laufe mit schnellen Schritten schräg hinter dem Wallach her. Und siehe da: Nun gelingt es mir spielend leicht, das Pferd zu führen. Als ich stehen bleibe, tut das auch Pferd Bruno. Respekt und Vertrauen. Es geht also beides zusammen.

Kontakt zum Autor: Julia Leiditz


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Zuletzt aktualisiert: 30.04.2012 · Fotos: Monic Johanna Wollschläger (3), shutterstock, Gundula Friese

 

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