Mit seiner mobilen Fahrradwerkstatt ist Norbert Winkelmann seit Frühjahr 2003 im Reparatureinsatz.
Mobile Radwerkstätten in Berlin
RadAmbulanz
Norbert Winkelmann (westliches Berlin)
Tel.: 966 10 110
Mobil: 0162 / 801 01 22
Verrücktritt
Maxfield Gassmann (Ost-Berlin, Kreuzberg, Neukölln)
Mobil: 0151 / 592 676 81
DienstRad
Ullrich Christ
Mobil: 0170 / 966 99 77
Fax/AB: 742 21 28 (Abruf täglich ca. 22 Uhr)
Mit seiner "RadAmbulanz" ist Norbert Winkelmann der Retter vieler Berliner Radler: Der 46-Jährige repariert die Drahtesel dort, wo seine Kunden wollen. Und 99 Prozent "seiner Fälle" bekommt er vor Ort wieder flott.
"Sind Sie so 'was wie der ADAC für Fahrräder?" Diese Frage hört Norbert Winkelmann oft, wenn er mit seiner mobilen Fahrradwerkstatt unterwegs ist. "Ja, irgendwie schon", antwortet der Gründer und Betreiber der "RadAmbulanz" dann: "Aber meine Quote ist besser." Die "Gelben Engel" bekämen weniger als 80 Prozent der Autos wieder flott. Dagegen ist Winkelmanns "ambulante Behandlung" fast immer erfolgreich: In 96 Prozent der Fälle gelinge ihm die Komplettreparatur vor Ort, sagt "Dr. Plattfuß". Auf stolze 99 Prozent erhöht sich die Quote, wenn nur Fahrtauglichkeit das Kriterium ist. Zufallstreffer sind die Zahlen nicht: Immerhin ist Winkelmann mit seinem Transportrad seit Frühjahr 2003 im mobilen Reparatureinsatz.
Rad-Doktor auf Hausbesuch
Kurz nach 8 Uhr klingelt er bei seinem ersten Kunden. Dem ist am Abend zuvor die Hinterradfelge gerissen. Um 9 Uhr muss der Mann zur Arbeit, da machen die normalen Fahrradwerkstätten erst auf. Er hätte sich extra freinehmen müssen, um sein Rad reparieren zu lassen. Winkelmann dagegen ist zeitlich flexibel. Wichtig ist dem zweifachen Vater nur, dass er morgens erst seinen Nachwuchs zur Schule bringen kann. Der Liebe wegen sei er nach Berlin gezogen, erzählt der 46-Jährige. Ein Umzug samt beruflichem Neustart: "Irgendwas mit Fahrrädern" wollte er machen, denn Räder hatten seinen Berufsweg schon lange begleitet. In den 80er-Jahren hatte Winkelmann eine eigene Hinterhofwerkstatt in Bielefeld, restaurierte und verkaufte gebrauchte Räder. In den 90er-Jahren, als er Slawistik und Informatik studierte, gehörte er zu den Gründern der FahrradSelbsthilfeWerkstatt an der Bielefelder Uni. Sich in Berlin als Schrauber anstellen zu lassen, habe er sich nicht vorstellen können, doch mit den Kosten für ein Ladengeschäft habe er sich auch nicht belasten wollen. So entstand die Idee der RadAmbulanz.
Ein Drittel seiner Fälle sind "Plattfüße"
Unterdessen baut Winkelmann seine mobile Werkstatt vor einem Bürogebäude in der City auf und verarztet einen "Plattfuß". Platte Reifen machen bis zu einem Drittel seiner Einsätze aus. Hinzu kommen gerissene Züge, defekte Lichtanlagen. Oder verschlissene Bremsklötze. "Das sind meist weniger akute Fälle. Dennoch ist es für die Kunden bequemer, mich zu ihrer Arbeitsstelle zu rufen, als das Rad nach Dienstschluss noch in die Werkstatt zu bringen und am nächsten Tag wieder abholen zu müssen", sagt Winkelmann. Teurer sei er auch nicht, trotz der Anfahrtpauschale von fünf Euro. Dafür sei sein Stundenlohn mit 36 Euro fair kalkuliert. "Ich hab' ja weniger Fixkosten als eine stationäre Werkstatt."
Ersatzteillager im Transportrad
Der neue Schlauch ist schnell eingesetzt, die 19 Euro für Anfahrt, Material und Arbeitszeit zahlt der Kunde gern. Winkelmann nimmt Kurs aufs ARD-Hauptstadtstudio. Hier kennt man den Mann mit dem langen Transportrad bereits und weiß, dass die eingebaute orange-farbene Kiste zwischen Sattel und Hinterrad Werkzeugkoffer ebenso wie ein Ersatzteillager beherbergt. Schläuche, Mäntel, Ketten oder Bremsklötze hat Winkelmann immer dabei. Für den abgebrochenen Scheinwerfer hat er ebenfalls Ersatz in der Kiste. "Einige der Sender hier im Studio haben Dienstfahrräder", erzählt Winkelmann, und der 46-Jährige legt regelmäßig Hand an.
Kettenwechsel vor dem Reichstag
Der Reichstag ist Winkelmanns nächstes Ziel. Einem Mitarbeiter des Bundestages ist die Kette vom Rad gesprungen und hat sich zwischen den Zahnrädern verklemmt. Der Rad-Doktor zieht die Stirn in Falten: Die Kette habe ein paar Jährchen auf dem Buckel, diagnostiziert er und rät zum Austausch. Ob er die Zahnräder gleich mit wechseln könne, fragt der Kunde. Winkelmann nickt. Kaum zu glauben, was der Fahrrad-Doktor alles in seiner "Behandlungskiste" durch die Stadt fährt. Nicht jeden Tag hat Winkelmann so viele Kunden, im Durchschnitt kommt er auf 15 Arbeitsstunden pro Woche. Wie er davon leben kann? "Meine Frau arbeitet mehr", sagt er lachend: "Und ich hab' genug Zeit für die Kinder und den Haushalt."
Kontakt zum
Autor:
Katrin Starke
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
• Aus guten Gründen ganz nach oben – wie Existenzgründern der erfolgreiche Start in die Selbstständigkeit glückt.
• Immer schön die Kurve kriegen – über ungewöhnliche Fahrradverleiher in Berlin
Zuletzt aktualisiert: 20.10.2011
·
Fotos:
Katrin Starke