Für ihn arbeiten zweieinhalb Millionen: Frank Hinrichs ist einer von 700 Berliner Imkern. Sogar im Schloss Bellevue stehen seine Bienenwaben. Von Volksarbeit, einem Fleck, wo Honig in Strömen fließt, und warum immer mehr Berliner nach einem Kompaktkurs einen ganzen Bienenstaat beaufsichtigen wollen.

50 Völker leben in Gatow, gleich neben dem Landschaftsfriedhof. Ihr Chef: Frank Hinrichs.
Fünf Fakten über Bienen
- Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier.
- Zu einem Bienenstock gehören 40 000 bis 45 000 Bienen, 1500 Drohnen und eine Königin. Ein Bio-Volk kostet ca. 120 €.
- Es gibt hauptberufliche Imker mit 120 Völkern, doch generell sind 300 bis 400 Völker die Mindestbasis.
Wussten Sie außerdem?
- Berlin ist Europas grünste Großstadt mit 18 Prozent Waldfläche und vielen Parks und Gärten. Von den 416.000 Bäumen sind 80.000 Linden. Vor ein paar Jahren lebten in Berlin noch 3.000 Bienenvölker, inzwischen sind einige hundert dazugekommen.
- Für ein kleines Glas Honig müssen die Bienen 300.000 Blüten besuchen und dafür 16.800 Kilometer zurücklegen. Dabei umrunden sie fast die halbe Erde.

An den Bienen und den Waben ist erkennbar, ob die Bienen gesund sind.

Beim Honigkauf immer aufs Etikett achten, rät Hinrichs. Ein Glas mit Name, Adresse und Herkunft steht für Qualität.
Kontakt und Ausbildung
Frank Hinrichs ist über www.berlinerstadtimkerei.de erreichbar.
Im Juni/Juli gibt er einen Kompaktkurs mit vier Lerneinheiten in seiner Gatower Imkerei und im Vierfelderhof, wo er gerade einen Bienenstand aufgebaut hat. Kosten ca. 100 €. Außerdem steht er jederzeit für Ratschläge parat.
„Berliner Honig“ gibt es unter www.berlinerhonig.de und inzwischen in vielen Edeka- und Kaiser`s-Filialen, im KaDeWe und in einigen kleineren Spezialläden.
Ausbildung:
In Deutschland darf jeder imkern, aber er sollte vorher mindestens ein Jahr mit einem erfahrenen Imker zusammengearbeitet haben, ehe er sich eigene Völker anschafft.
Der Imker ist auch ein Lehrberuf, „Tierwirt, Fachrichtung Imkerei“, zu dem man einen Meisterbrief erwerben kann. Es gibt in und um Berlin mehrere Ausbildungsbetriebe in großen Imkereien.
Informationen: Institut für Allgemeine Zoologie und Experimentelle Morphologie der FU Berlin / AG Bienenforschung, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf
Er liebt das entspannende Summen der Bienen und so findet es Frank Hinrichs wunderbar, derzeit wenigstens einmal wöchentlich nach seinen Völkern zu sehen.
Sechs Völker leben am Schloss Bellevue
Gelegentliche schmerzhafte Stiche nimmt er gelassen, wenn er neue Honigräume aufsetzt. In diesen leeren Waben wird gerade emsig der köstliche Frühjahrsblütenhonig abgelegt. In jedem Volk kontrolliert er, ob die Königin fleißig „stiftet“, um mit ihren Eiern ihr Volk zu vermehren. Haben sich Schwarmzellen gebildet, bricht er sie aus. Sonst würde sich ein Teil seiner Bienen mit einer neuen Königin davonmachen.
Das wäre sehr schade um den guten, sortenreinen Rapshonig, den die 50 Gatower Völker gerade auf den ertragreichen Feldern sammeln. Den sechs Völkern am Schloss Bellevue steht währenddessen nicht nur der dazugehörige Garten, sondern auch der ganze Tiergarten zur Verfügung. Die kleinen Brummer danken dies mit einem hervorragenden Blütenhonig.
Schnell war sein Interesse geweckt
Vor knapp vier Jahren verfiel Frank Hinrichs dem süßen Hobby. Er war gerade von Schöneberg nach Gatow gezogen. Am Lehrbienenstand des dortigen Forsthauses sah er eine Einladung des Spandauer Imkervereins zu einem Einführungstag. Sechs Wochen später hatte er sein erstes eigenes Volk. Sein so schnell gewecktes Interesse scheint ein Erbe fortzusetzen: Fotos seines Förster-Urgroßvaters als Imker in abenteuerlicher Schutzkleidung haben ihn schon als kleiner Junge fasziniert.
Inzwischen sieht sich Hinrichs als Imker im Nebenerwerb. Doch bevor es so weit kam, entwickelte der studierte Architekt Projekte für Hotelneubauten, ehe er das Fach wechselte und 2005 das Citystay Hostel in der Rosenstraße am Hackeschen Markt als Geschäftsführer übernahm und Herr über 250 Betten für vorwiegend junge Berlin-Besucher wurde.
Ein Kompaktkurs lehrt die Imkerei
Es war aber weniger das Verlangen dieser Gäste nach leckerem Frühstückhonig aus der Region als sein Wunsch, der Natur wieder etwas näher zu kommen. „Das Imkern ist für mich ein perfekter Ausgleich zu Beruf und Alltag“, schwärmt er. „Da ich viel mit Menschen zu tun habe, genieße ich die Ruhe im Grünen und den angenehmen Duft nach Wachs und Honig in vollen Zügen.“ Also belegte er Kurse, arbeitete eine Weile gemeinsam mit einem erfahreneren Imker, der ihn in sämtliche Geheimnisse einweihte, ihn lehrte, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und wirksam darauf zu reagieren.
Sein Lehrer wirkte so ansteckend und nachhaltig, dass der einstige Newcomer inzwischen selbst Kurse gibt. Für die Kollegen in Großimkereien ist es ein regelrechter Lehrberuf, der mit einem Meisterbrief gekrönt werden kann. Doch wer für sich selbst und gute Freunde und gelegentlich für einen Marktstand guten Honig produzieren möchte, kann die wichtigsten Grundlagen dafür in Kompaktkursen bei Frank Hinrichs erlernen – und natürlich auch bei anderen Könnern ihres Fachs.
Zahl der Imker hat sich fast verdoppelt
So ist es der Erfolg des Berliner Imkerverbandes mit seinen Vereinen in den Stadtbezirken, dass statt der nur noch 500 vor einigen Jahren inzwischen etwa 700 Berliner imkern. „Die Bienen sind sehr wichtig für die Bestäubung der Pflanzen“, weiß Frank Hinrichs. „Dadurch wird Erbgut vermischt und Monokulturen werden vermieden.“ Die Erneuerung des Berufsstandes führt der Gatower darauf zurück, dass das Bewusstsein für Lebensmittel gestiegen ist: „Die Leute wollen wissen, woher ihr Essen kommt“.
Einige der Nachwuchs-Imker begnügen sich mit drei Völkern, andere haben im wahrsten Sinne des Wortes aufgestockt und haben einen so großen Honigertrag, dass wieder mehr Berliner Honigmäuler damit gefüttert werden können. Der Berliner vernascht so um die 4000 Tonnen im Jahr, doch nur 150 Tonnen werden in der Hauptstadt erzeugt. Da nicht jeder Hobby-Imker neben seinem eigentlichen Beruf auch noch die Kraft zur Vermarktung seiner Produkte hat, ist die Initiative „Berliner Honig“ für sie eine segensreiche Einrichtung. Sie wurde vor ein paar Jahren von einigen jungen Honigenthusiasten gegründet, die durch fairen und innovativen Handel helfen möchten, die Zahl der Imker und Bienen zu erhöhen. Außerdem soll die Berliner der Genuss von lokalem Honig, der selbst ausgewiesene Kenner durch seine Intensität überzeugt, sensibler und aufmerksamer für die Natur und ihre Produkte machen.
Üppige Erträge für dieses Jahr prognostiziert
Auch Frank Hinrichs hat seine ersten 300 Kilogramm an „Berliner Honig“ geliefert. In diesem Jahr werden es entschieden mehr, denn sein Honig-Ertrag wird durch seine neuen Völker ziemlich üppig ausfallen. Da freuen sich nicht nur die Käufer im Forsthaus Gatow, bei „Berliner Honig“ und auf Märkten, nicht nur die frühstückenden Gäste im Citystay und im „Café Montalis“ gleich neben dem Sitz seiner Imkerei, sondern auch seine Familie.
Deren Honigkonsum stieg in der Vergangenheit sowieso schon enorm und wird wohl nun noch weiter wachsen. Neben dem zweieinhalbjährigen Sohn komplettieren seit acht Monaten auch noch Zwillinge die Familie.
Kontakt zum
Autor:
Hanne Walter
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Zuletzt aktualisiert: 15.05.2012
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