Job & Karriere

Vorstellen ohne sich zu verstellen

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Die meisten Personaler achten auf einen authentischen Auftritt.

Coaching für Bewerber


Claudia Lehmann, www.double2L.com

Björn Elvers, www.coachhochdrei.de

Jessica Wahl, www.jessicawahl.de


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Vom Handschlag bis zur Körpersprache: Kleinigkeiten, die mitentscheiden.

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Auch bei stressigen Situationen Ruhe bewahren: Eine beruhigende Geste kann helfen.

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Im Coaching lernen Bewerber, die Angst zu überwinden und dem Chef gegenüber sicher aufzutreten.

Starthilfe für den Job: BerlinerAkzente verrät, wie Sie sich im Bewerbungsgespräch souverän vorstellen, ohne sich zu verstellen. Worauf achten Personalchefs? Und wie lässt sich im entscheidenden Moment Ruhe bewahren?

Um bei einer Stellenausschreibung zum Zug zu kommen, müssen Bewerber mit mehr punkten als mit fehlerfrei formulierten Anschreiben und lückenlosen Lebensläufen. „Eine perfekte Bewerbungsmappe ist nur die Eintrittskarte für das Vorstellungsgespräch oder ein Assessment-Center“, sagt Jessica Wahl. Die Berliner Trainerin bereitet Bewerber in individuellen Coachings auf Gesprächs- und Testsituationen vor. Vom Hochschulabsolventen bis zum Manager.

Bereits Handschlag und Kleidung sind entscheidend

„Die Bewerber lernen, sicher aufzutreten und ihre Persönlichkeit überzeugend zu präsentieren“, sagt die ausgebildete NLP-Trainerin und Sprechtherapeutin. Dazu gehöre beispielsweise auch, was ein Bewerber zum Jobinterview anziehen soll, wie er den Raum betritt, seinem Gegenüber die Hand gibt und wie er auf seine Gesprächspartner mit Mimik und Gestik eingehen muss, um für die Dauer des Bewerbungsgespräch eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Körpersprache bei schwierigen Fragen trainieren

Damit ihre Klienten das alles bis zum „Tag X“ auch wirklich verinnerlichen, filmt die Trainerin sie beim Umgang mit sowohl klassischen als auch provozierenden Interviewfragen. „Die Bewerber lernen so, mit ihrer Körpersprache auch auf schwierige und unerlaubte Fragen, zum Beispiel nach Krankheiten oder Familienplanung, souverän zu reagieren“, betont Wahl. Und da nicht nur Gestik und Mimik mitentscheidend für ein erfolgreiches Jobinterview sind, gehören zu den 20 Sitzungen des Bewerbungs-Coachings auch eine Stimmanalyse und ein kurzes Sprechtraining.

Authentisch auftreten statt auswendig lernen

Die meisten Personalchefs achten neben Fachkenntnissen vor allem auf einen authentischen Auftritt. Diesen Eindruck zu vermitteln dürfte schwer fallen, wenn Antworten auswendig gelernt klingen und nicht im Einklang stehen mit der eigenen Persönlichkeit. „90 Prozent der Bewerber nennen Perfektionismus als ihre Schwäche – wahrscheinlich weil das auch positiv klingt. Wenn dann aber die Bewerbungsmappe Eselsohren hat, Unterlagen fehlen oder die Bluse ungebügelt ist, fällt es schwer, das zu glauben“, sagt die Berliner Psychologin Claudia Lehmann, die sowohl Bewerbungs-Coachings anbietet als auch Einstellungsgespräche im Auftrag großer Firmen führt.

Ihre Beratung für die Bewerbungssituation beginnt Lehmann mit einer Potenzialanalyse. „Zunächst sollen sich die Bewerber darüber klar werden, was sie für die Aufgabe mitbringen und was sie sonst noch gerne tun und besonders gut können“, sagt sie. Die Beschäftigung mit den Stärken unterstütze das Selbstbewusstsein. Daher sei es besonders wichtig, sie schriftlich festzuhalten, meint Lehmann.

Gut über Stärken und Schwächen Bescheid wissen

Außerdem rege sie ihre Klienten dazu an, sich gedanklich in Situationen zu versetzen, in denen die geforderten Eigenschaften besonders stark hervortreten. Das können auch Situationen aus nicht-beruflichen Kontexten sein. Wenn sich zum Beispiel eine begeisterte Reiterin auf eine Stelle bewerbe, in der die Fähigkeit, andere zu motivieren, gefragt ist, könnte die Aufgabe lauten: „Stellen Sie sich bitte so genau wie möglich vor, wie Sie ein unwilliges Pferd dazu bringen, ein Hindernis zu überspringen!“

Aber auch das, was für den Job an Kompetenzen fehlt, müsse erkannt und benannt werden. „Sich selber zu beschummeln hilft da wenig, deshalb frage ich oft danach, welche Schwächen andere Menschen bei den Bewerbern erkennen“, sagt Claudia Lehmann. Manchmal gehe es nur darum, die Schwächen in ein anderes Licht zu rücken und die positiven Seiten eines Verhaltens zu erkennen.

Wie sich Prüfungsangst vermeiden lässt

Mit anderen Bewerbern müsste sie an konkreten Entwicklungszielen arbeiten. Das kann zum Beispiel die Überwindung von Prüfungsangst sein – ein Thema mit dem sich zum Beispiel auch der Coach Björn Elvers intensiv beschäftigt. „Einige Menschen erleben ihre Prüfungsangst als unüberwindlichen Stolperstein. Sie bekommen dann Angst vor der Angst und meiden alle Situationen, in denen sie gefordert sind“ sagt Elvers. Selbst Profis würden manchmal durch negative Erfahrungen unsicher und litten plötzlich unter Redeblockaden.

Wenn Klienten mit solchen Anliegen zu ihm kommen, führt er sie nach einem Vorgespräch in einen leichten Trancezustand. „Das hat aber nichts mit Show-Hypnose zu tun, sondern bedeutet nur, das Unterbewusstsein in den Vordergrund treten zu lassen, eventuell die Augen zu schließen und in die innere Welt zu sinken“, sagt Elvers. Auf diesem Weg können die meisten Menschen Situationen mit allen Sinnen ganz einfach wieder erleben, in denen sie sich in der Vergangenheit zum Beispiel selbstbewusst oder gelassen gefühlt haben.

Innere Ruhe durch positive Erinnerungen

Für die Bewerber sei es wichtig, vor und während des Vorstellungsgesprächs diese Zustände bewusst hervorrufen zu können, um Panik zu verhindern und wieder zu einer inneren Ruhe zu kommen. „In der Regel reichen dafür ein bis drei Sitzungen. Das kann jeder für sich üben, indem er immer wieder die gewünschten positiven Erinnerungen mit einem bestimmten, inneren Bild, oder einer – für andere unauffälligen – Berührung am eigenen Körper verknüpft“, erläutert er.

In der Prüfungs- oder Bewerbungssituation müsse die aufgeregte Person dann das Bild in sich entstehen lassen, oder die Berührung ausführen und die hilfreichen Zustände stellten sich quasi von alleine ein.

Kontakt zum Autor: Christian Kersten und Anja Köhler


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010