
Von Vögeln bis zu Elefanten: Tierpfleger durchlaufen in ihrer Ausbildung alle Stationen.
Mehr zur Ausbildung
Tierarzt, Pfleger und Co.

Bei Tierärzten ist die Arbeit mit Haustieren beliebt, während es an Experten für Nutztiere mangelt.

Auch als Hundefriseur ist Fingerspitzengefühl im Umgang mit Tieren gefragt. Foto: Schieder

Bereits als Jugendlicher hat Tino Blumenstein Tiere gezüchtet. Das hilft dem 18-Jährigen bei seiner Ausbildung im Zoo.
Für viele ein Traumberuf: die Arbeit mit Tieren. Bewerber sollten sich allerdings frühzeitig um Praktika bemühen und nachher im Beruf spezialisieren.
„Tierpfleger oder Tierarzt“ – das antworten Kinder oft, wenn sie nach ihrem Traumberuf gefragt werden. Auch im Erwachsenenalter bleibt der Beruf für viele attraktiv, denn die Arbeitsgebiete mit Tieren sind vielfältig. Ob Reitlehrer, Pferdewirt, Film-Tiertrainer, Hundefriseur oder Tierpsychologe: Viele Ausbildungen führen zum Ziel. Deren Bezeichnungen sind allerdings oft nicht geschützt. Eine einheitliche Ausbildung fehlt.
Wer sich spezialisiert, ist im Vorteil
Hinter dem „Filmtiertrainer“ verbirgt sich zum Beispiel oft ein ausgebildeter Tierpfleger. Pferdewirte oder Tierpsychologen entpuppen sich zumeist als studierte Biologen, Veterinäre oder Verhaltensforscher. Meist zeigt die neue Bezeichnung eine Spezialisierung an.
Wenig Studienmöglichkeiten für Veterinäre
Freie Stellen sind sehr begehrt. Entsprechend haarig ist der Weg zum gewünschten Beruf. Das gilt sowohl für Studiengänge als auch für Ausbildungen. So kann der Studiengang „Veterinärmedizin“ bundesweit lediglich an fünf Universitäten studiert werden, wie der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT) informiert. Darunter auch an der Freien Universität Berlin.
Bis zu fünf Bewerber pro Studienplatz
Die Bewerbungen laufen über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Auf jeden der 1000 Studienplätze, die einmal jährlich zum Wintersemester vergeben werden, kommen zwei bis fünf Bewerber. Mindestens 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Regelstudienzeit beträgt elf Semester. Zum Lehrplan gehören unter anderem Präparierkunde und Pathologie, Futtermittelkunde und sehr viel Biologie, Chemie und Physik.
Derzeit praktizieren in Deutschland 34.000 Tierärzte. Tendenz steigend. Vor allem die Zahl der Kleintierpraxen wächst, laut BPT. Nachwuchs fehlt hingegen im Nutztierbereich, also bei Ärzten für Schweine, Kühe, Pferde oder Schafe. Grund: Viele Veterinäre lassen sich von den unregelmäßigen Arbeitszeiten abschrecken. „Man kann den Bauern ja schlecht sagen, dass sie nach 20 Uhr nicht mehr anrufen sollen“, sagt BPT-Sprecherin Astrid Behr.
Ein Arzt ausschließlich für Zierfische
Außerdem werden Veterinäre, die sich um Nutztiere kümmern, eher auf dem Lande gebraucht, während Kleintierpraxen in den Städten florieren. Dort ist die Konkurrenz zum Teil so groß, dass sich Tierärzte notgedrungen spezialisieren müssen. So gibt es in Charlottenburg etwa einen Veterinär, der ausschließlich Zierfische behandelt.
Viele Bewerber, die noch keinen Studienplatz erhalten haben, weichen in der Wartezeit auf eine Ausbildung zum Tierarzthelfer aus. Zwar gibt es auch hier nur wenige Stellen – nach Angaben des Berufsverbandes der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen sind es etwa 1500 pro Jahr –, doch wer durch Schul- und Ferienpraktika bereits Kontakte zu Tierärzten habe, verbessere deutlich seine Chancen, sagt Silke Agus, Referatsleiterin für Tiermedizinische Fachangestellte.
Ängstliche Patienten und sensible Besitzer
Bewerber sollten sich auf jeden Fall vorher genaue Vorstellungen vom Berufsalltag verschaffen, zum Beispiel durch Praktika. Tierarzthelfer seien Allround-Kräfte, die oft viel mehr mit den Besitzern als mit den Tieren selbst zu tun hätten und zahlreiche Verwaltungsaufgaben übernehmen müssten. „Auch die Tiere sind ganz andere als die, die ich im normalen Leben streichle“, meint Agus. Die tierischen Patienten seien meist ängstlich und müssten vor allem beruhigt werden. Bewerber dürften nicht zu großen Ekel vor Blut, Eiter oder Kot empfinden.
Tierpfleger im Zoo durchlaufen alle Stationen
Gleiches gilt für Zootierpfleger wie Tino Blumenstein. Der 18-Jährige ist im Zoologischen Garten Berlin im zweiten Lehrjahr, säubert Ställe, beobachtet die Tiere und bereitet das Futter zu. Tino hat bereits als Jugendlicher Fische in einem 500-Liter-Aquarium zu Hause gezüchtet. Die Erfahrungen von damals halfen ihm bei seiner Bewerbung, ebenso wie sein guter Realschulabschluss.
Auf dem Lehrplan stehen nun neben der richtigen Haltung auch Ernährung und Tierschutz. „Es ist genau wie Bauer zu sein“, sagt Ragnar Kühne, verantwortlich für die Ausbildung im Zoologischen Garten Berlin.
Tierpfleger im Raubtiergehege
Unbedingte Voraussetzung für den Beruf: Tierpfleger müssen bei Wind und Wetter draußen sein können und eine gute Fitness mitbringen. Während der dreijährigen Lehrzeit durchlaufen die Azubis fast 25 Stationen – mit steigender Gefährlichkeit. Von den Vögeln bis hin zu den Raubkatzen und Elefanten: je gefährlicher das Tier, desto später steht es auf dem Lehrplan.
Dabei muss auch mal hin und wieder eine Maus getötet und an die Schlangen verfüttert werden. Pro Jahr beginnen fünf bis sechs Azubis ihre Lehrzeit im Berliner Zoo. Noch einmal die gleiche Zahl fängt im Tierpark Friedrichsfelde an, und weitere Plätze gibt es im Aquarium, wo der Schwerpunkt der Tierpflegerausbildung bei den Fischen liegt.
1000 Bewerber für die Lehre im Zoo
Allein für die Plätze im Zoo bewerben sich laut Kühne rund 1000 Mädchen und Jungen mit mindestens mittlerem Schulabschluss. 90 Prozent der Bewerber seien weiblich. Bei der Auswahl achtet der Zoo besonders auf Noten in Biologie, Sport, Deutsch und Mathematik. Die Bewerber müssen aber auch nachweisen, dass sie sich für Tiere engagiert haben, etwa durch Praktika oder Arbeiten auf einem Reiterhof.
Kontakt zum
Autor:
Jörn Käsebier