
Von Pitchern und Mixern: DJ-Lehrer Frankie Flowerz (links) führt Gregor in die Geheimnisse des DJings ein.
Fotos: Lydia Leipert
DJ-Unterricht
Noisy Academy, Warschauer Straße 70a, in Friedrichshain, http://noisy-academy.com Tel. 25 93 30 30, Einzelunterricht: 45 Minuten/Woche: 85 Euro im Monat
Weitere DJ-Schulen
Vibra School of DJing, Modern Music School Berlin, Eberswalder Straße 30 in Prenzlauer Berg, www.vibra.dj, Tel.: 69 20 40 15, Einzelunterricht: 30 Minuten/Woche: 69 Euro im Monat
DJ Schule Berlin, Kaiserin-Augusta-Allee 101 in Tiergarten, http://www.dj-schule-berlin.de, Tel. 97 86 48 69, Einzelunterricht:
45 Minuten/Woche: 80 Euro im Monat
Drumfactory School, Warschauer Str. 58 a in Friedrichshain, und Solmsstr. 16 in Kreuzberg, http://www.drumfactory-school.de, Tel. 21 23 85 32, Einzelunterricht: 45 Minuten/Woche: 92,50 Euro

"Schüler" am Plattenteller: Tarik (rechts) und Gregor.
Hier heißen die Lehrer Frankie Flowerz und kommen aus Malaysia: An der Noisy Academy werden aus coolen Jungs und Mädels die DJs von morgen.
Tarik (14) hat viel vor. Eine Hand auf dem Plattenteller, eine auf dem Regler scratcht der Schüler die ersten Beats. Seit einem Monat geht er zur Noisy Academy in Friedrichshain, nimmt dort DJ-Unterricht. Sein Ziel: einer der besten DJs in Berlin zu werden. Für diesen Traum hat er sich sogar mit seinen Eltern angelegt.
DJ Frankie Flowerz erklärt die Details
Denn die wollten, dass Tarik Gitarre lernt: „So richtig klassisch, so wie die Spanier spielen“, sagt der 14-Jährige. „Aber ich wollte was Neues, was Elektronisches, und deshalb bin ich jetzt hier.“
DJ Frankie Flowerz ist Tariks Lehrer und erklärt ihm in dem kleinen, schalldichten Raum in der Warschauer Straße erstmal viele technische Details: Wie funktionieren die Turntables und der Mixer? Was muss man tun, damit die Schallplattennadel nicht kaputt geht?
Wie der perfekte Übergang gelingt
„Das ist der Pitcher. Er bestimmt die Geschwindigkeit des Liedes, macht es schneller oder langsamer“, sagt Frankie Flowerz und schiebt langsam einen Regler hoch und runter. Das Pitchen, das Angleichen des Musiktempos ist wichtig, um Übergänge von einem Lied zum nächsten nicht holpern zu lassen.
Frankie Flowerz ist ein bekannter DJ aus Malaysia, der überall in der Welt seine Platten auflegt. Seinen Schülern zeigt er die Grundlagen, die er in vielen Nächten vor tanzendem Publikum perfektioniert hat.
Nicht zu viel scratchen
Für 85 Euro im Monat bekommen Nachwuchs-DJs hier jede Woche eine Dreiviertelstunde Einzelunterricht. Und natürlich lernen sie auch Scratchen. „Das darf man aber nicht zu oft machen“, sagt Tarik, der Hip-Hop-Klamotten und ein Palästinenser-Tuch trägt. „Denn die Leute im Club dürfen ja nicht aus dem Takt kommen. Wenn man zu viel scratcht, wird man vielleicht mit Tomaten beschmissen“, sagt er und lacht.
Für ihn ist das DJing mehr als nur ein Hobby. Es ist sein Traum, einmal als Profi-DJ zu arbeiten. Deshalb hat er sich auch gegen den Willen seiner Eltern durchgesetzt. „Die waren erstmal nicht so begeistert, als ich ihnen vom DJ-Lernen erzählt habe“, sagt Tarik.
Coolness trotz DJ-Diplom
Zwar ist der Unterricht nicht so teuer, aber die Ausrüstung, also ein Soundsystem für zu Hause, lässt sich nicht aus der Portokasse bezahlen. Deshalb übt Tarik in den Proberäumen der Schule.
Ruiniert ein DJ-Diplom vom Lehrer nicht den Coolness-Faktor? „Also ich erzähle schon davon, wenn man mich darauf anspricht, was ich so in meiner Freizeit mache“, antwortet Tarik. „Aber ich sage jetzt nicht: ‚Hey, ich habe heute DJ-Unterricht gehabt und was krasses Neues gelernt.’“ Man hat ja ein Image zu verlieren.
Der DJ als Star und Frauenschwarm
Gregor (29), der auch Unterricht in der DJ-Schule hat, findet das Getue um den DJ, den alle anhimmeln, sowieso übertrieben. „Es geht mir ja nicht darum, jeden Abend mit zehn Telefonnummern in der Tasche nach Hause zu gehen“, sagt der gelernte Veranstaltungskaufmann.
Er hat seinen eigenen Laptop dabei, auf dem seine Lieder gespeichert sind. Ein Kabel führt zu den beiden Plattenspielern, die nun Gregors Lieblingsmusik abspielen und auch ohne Schallplatten für ein klassisches Aufleg-Gefühl sorgen.
Richtig abrocken und gute Party machen
Der junge Mann in Jeans und Baumwolljacke hat zunächst gezweifelt, ob es sinnvoll ist, eine DJ-Schule zu besuchen. „Kann man ja eigentlich alles aus Büchern oder von Freunden lernen“, sagt er. Wäre da nicht der innere Schweinehund, den es zu überwinden gilt.
„Ich will besser werden, aber allein zu Hause bekomme ich das nicht hin. Wenn ich mir mit dem Lehrer zusammen ein Ziel stecke und dann auch kleine Hausaufgaben bekomme, setze ich mich auch wirklich hin.“ Alles was er will, ist den Besuchern einen tollen Abend zu schenken: „Ich möchte einfach eine richtig gute Party machen, bei der die Leute Spaß haben und so richtig abrocken können.“
Konzentration ist das Wichtigste
Gregor legt schon lange auf Partys von Freunden oder Weihnachtsfeiern auf. Und trotz all des Spaßes: „Das Wichtigste beim DJing ist die Konzentration“, sagt DJ-Lehrer Frankie Flowerz. „Bei den ersten paar Liedern hört man noch ganz klar die Beats und Rhythmen. Aber je mehr Songs man auflegt, umso mehr verschwimmen sie alle zu einem großen Klangbrei.
Deshalb ist es richtig anstrengend, einen ganzen Abend lang aufzulegen“. Und nicht umsonst trichtert Flowerz seinen Schülern immer wieder ein: Üben, üben, üben!
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Autor:
Lydia Leipert
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010