Handwerker mit Gefühl für Menschen

Goldschmiedin Astrid Stenzel.
Sägen, feilen, löten, schmieden – Goldschmiede müssen nicht nur beste Fingerfertigkeiten besitzen, um erfolgreich Schmuckstücke zu gestalten. Sie sollten sich auch in Menschen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen einfühlen können und einen Riecher für die gegenwärtigen Trends mitbringen. Schließlich müssen Schmuckstücke zeitgemäß sein und zur aktuellen Mode und dem Zeitgeist passen. Und mancher macht aus dem Goldschmieden gar ein Event.
Schmuck? Trägt sie fast nie. Weil die 46-jährige Goldschmiedin Astrid Stenzel den ganzen Tag für andere Schmuckstücke entwirft, vergisst sie häufig selbst, sich mit schönem Geschmeide zu behängen. „Außerdem wäre das nur hinderlich, wenn ich an den Maschinen säge, feile, bohre und löte.“ Seit acht Jahren betreibt Astrid Stenzel ihren eigenen Laden „Schwermetall“ in der Winterfeldtstraße 50 in Schöneberg.
Auch ein Gespür für Menschen ist wichtig
Die Quereinsteigerin hängte mit 30 ihr Sozialpädagogikstudium an den Nagel und begann ihre zweieinhalbjährige Ausbildung (normalerweise dreieinhalb Jahre) in einem Betrieb (auch in einer Berufsfachschule möglich). Später machte sie sich selbstständig und eröffnete schließlich ihren eigenen Laden. Offensichtlich mit Erfolg: Seit elf Jahren fertigt sie unter anderem die Bronze-Bären für den Teddy-Award, den schwul-lesbischen Berlinale-Filmpreis.
"Vor Verzweiflung habe ich mit dem Hammer drauf gehauen"
Wer Goldschmied werden will, sollte neben viel Geduld eine ruhige Hand und Sinn fürs Tüfteln mitbringen, sagt Stenzel, denn häufig seien sehr kleine Teile zu verarbeiten. „Das gelingt nicht jeden Tag. Einmal habe ich vor Verzweiflung mit dem Hammer drauf gehauen.“ Auch ein Gespür für Menschen sei wichtig, denn schließlich gelte es, herauszufinden, welches Einzelstück der Kunde wünscht. „Vieles lernt man erst im Beruf durchs Ausprobieren“, sagt sie. Etwa Ätztechniken, Schmieden, Tauchieren (ein weiches Metall in ein härteres einzutreiben), Legieren (das Einschmelzen von Silber, Gold und Kupfer) und Emaillieren.
Schmuckstücke von verspielt bis streng
Stilmäßig festgelegt ist Stenzel nicht. „Ich entwerfe Stücke von verspielt bis streng“, sagt sie. Nachdem sie Schmuckstücke mit herausnehmbarem farbigem Filz gefertigt hatte, sind es derzeit Stücke aus auffälligen Edelsteinen – vom Quarzgestein Citrin bis Saphir. Ebenfalls angesagt: längere Edelsteinketten, die von auffälligen Goldschmiedearbeiten zusammengehalten werden. Zeitgemäß ist auch Astrid Stenzels Konzept, ihre Kunden selbst Hand anlegen zu lassen: So bietet die Goldschmiedin Wochenendkurse in der Ruppiner Schweiz in einem Landhotel an, bei denen zukünftige Paare ihre Trauringe selber schmieden können.
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Autor:
Katja Winckler
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010