Flotter Strich für den Alltag
In den USA haben sie sich schon längst zu Stars gemausert. Bei uns hingegen fristet dieser Job noch ein Nischendasein: Doch das dürfte sich bald ändern, denn Illustratoren gestalten immer häufiger Mode- und Musikmagazine mit ihren Zeichnungen.
Brotlose Kunst? Momentan schon. Aber wer sich durchbeißt, hat gute Chancen. Schließlich machen Illustrationen das Leben erst so richtig bunt – nicht nur in Zeitschriften, sondern auch in Büchern, auf Werbeprospekten oder in animierten Filmen.
Die meisten arbeiten als Freie
Eine direkte Ausbildung zum Illustrator gibt es nicht. Die meisten Illustratoren studieren an Fachhochschulen, Berufsfachschulen oder privaten Kunstschulen Grafikdesign, Kommunikationsdesign oder Visuelle Kommunikation, zuweilen mit dem Schwerpunkt Illustration. Das dauert je nach Ausbildung zwei bis vier Jahre. Einige wenige Illustratoren sind gar nicht ausgebildet, sondern haben sich die Fertigkeiten selbst beigebracht. Sie arbeiten meist als Selbstständige von zu Hause aus, in ihrem Atelier oder in Bürogemeinschaften für Verlage, Unternehmen und Werbeagenturen. Nur wenige Agenturen und Firmen beschäftigen ihren hauseigenen Zeichner.
Von Titelbild bis Buchdeckel
Dass der Beruf über Umwege verläuft, beweist der Lebenslauf des Berliner Künstlers Michael Sowa: Jahrzehnte lang hatte er seine skurrilen Ölbilder gemalt, bis er Anfang der 90er Jahre begann, Bücher zu bebildern – und richtig bekannt wurde. Heute zieren seine feinsinnigen Bilder etliche Buchdeckel und Postkarten. Genauso wie Titelbilder der „Titanic“ und der „Zeit“. Sowa schaffte sogar den Weg in die Kinos: Im Film „Amélie“ tauchten seine Figuren als Bilder und Lampen auf.
Bilder im Kopf entwickeln
Wer als Illustrator erfolgreich sein möchte, muss nicht nur gut zeichnen können. Er sollte in der Lage sein, auch unter Termindruck Bilder im Kopf zu entwickeln und davon Ideenskizzen anzufertigen. Diese werden dann dem Kunden – dem Autor, dem Verlag oder dem Unternehmen – vorgestellt. Im nächsten Schritt werden die Zeichnungen modifiziert, bis man eine gemeinsame Sprache gefunden hat. Gearbeitet wird in verschiedenen Zeichentechniken – mit Bleistift, Filzstift, Tusche und Feder. Doch auch mit dem Computer muss der Illustrator umgehen können, denn zur schnelleren Bearbeitung werden die Zeichnungen eingescannt, koloriert und je nach Auftrag verändert. Vertreten werden Illustratoren in der Regel von Agenturen. Eine eigene Homepage mit Arbeitsproben ist Usus.
Reich wird man mit Illustration zurzeit noch nicht. Nur eine Handvoll Illustratoren kann ausschließlich von ihrer Kunst leben. Wer seine eigenen Ideen umsetzen möchte, muss zusehen, dass er lukrative Aufträge beispielsweise aus Werbeagenturen bekommt. Oder er schafft es gleich auf die Cover internationaler Magazine.