Verschwiegenheit ist Trumpf
Rund 800 Detekteien sind in Deutschland rund um die Uhr im Einsatz – für Privatpersonen, aber vor allem im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Eine Berliner Detektivschule bildet Nachwuchs aus.
Perry Clifton war unser Held. Ende der siebziger Jahre waren wir zehn und verschlangen bergeweise Wolfgang Eckes Bücher über den Londoner Kaufhausdetektiv. „Die Dame mit dem schwarzen Dackel“, „Spionagering Rosa Nelke“ oder „Der Herr mit den grauen Beinkleidern“, um nur einige zu nennen. Wer rausfinden will, was Perry Cliftons von heute den lieben langen Tag so tun, muss genauso hartnäckig recherchieren wie die Zunft selbst.
Denn wer bei Detekteien anruft, stößt auf verschlossene Türen. Die Branche gibt sich verschwiegen, diskret und vielbeschäftigt. Schließlich sind die 800 Detekteien in Deutschland rund um die Uhr im Einsatz. Für Privatpersonen sind sie hauptsächlich unterwegs, wenn es darum geht, dem Expartner nachzuweisen, dass er sich nicht genügend um die gemeinsamen Kinder kümmert oder sehr wohl Unterhalt zahlen könnte.
Den Großteil der Aufträge hingegen macht Wirtschaftskriminalität aus: Arbeitgeber checken Untergebene, die regelmäßig blau machen, nebenbei schwarz arbeiten oder Firmeneigentum mitgehen lassen. Geprüft wird auch, wer Software unerlaubt nutzt. Ebenso wichtig ist der Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie.
Zum Recherchieren
Bundesverband Deutscher Detektive
www.bdd.de
Bildungsinstitut Brückner (Detektivschule), Landsberger Allee 465a, Berlin, Tel. 93 66 74-0
www.bildung-brueckner.de
Detektiv ist kein Ausbildungsberuf
Jeder, der will, kann sein Gewerbe anmelden. Sehr zum Bedauern des Bundesverbandes Deutscher Detektive (BDD). Zwar haben viele Detektive eine Ausbildung als Fachkraft für Schutz und Sicherheit absolviert und arbeiten als Kaufhausdetektive, bei der Polizei, Bundeswehr oder im Militärischen Abschirmdienst. Aber schwarze Schafe gebe es in dieser Branche genug, sagt BDD-Sprecher Josef Riehl.
Um die auszusortieren, habe der BDD gemeinsam mit der Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD) einen zweijährigen Ausbildungsplan mit anschließendem ZAD-Zertifikat eingeführt (in Berlin gibt es eine Detektivschule mit dreimonatigen Lehrgängen). In Direkt- und Fernunterricht werden Fächer wie Kriminalistik, Rechtskunde und Observation gelehrt. Außerdem würden technische und zwischenmenschliche Fähigkeiten sowie geistige Flexibilität vorausgesetzt, so Riehl. Aber das wichtigste sei, zu sein wie ein Buch: verschwiegen.
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010