Arbeiten auf hoher See

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Auf Kreuzfahrtschiffen, hier die Aida, gibt es Jobs für Fachkräfte aus vielen Branchen.
Ferne Länder, Sonne, hohe See und gutes Essen. Das alles können Urlauber genießen, die auf einem Kreuzfahrtschiff durchs Mittelmeer oder durch die Karibik cruisen. Doch um eine Zeit lang an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu verbringen, muss man nicht unbedingt eine teure Reise buchen. Auf den luxuriösen Ozeanriesen gibt es jede Menge Jobmöglichkeiten und dies in unzähligen Berufen.
„Der Job auf dem Schiff ist vielseitiger und erfüllender als in einer Werbeagentur“, sagt Gregor Stute und freut sich schon auf seinen nächsten Einsatz auf der MS Europa. Der 34-Jährige hat als Kommunikationsdesigner ein ganz „normales“ Studium absolviert und auch ganz „normal“ als Juniortexter bei einer großen Hamburger Werbeagentur gearbeitet – bis eine Freundin ihm vor ein paar Jahren von einer „unglaublichen Chance“ auf der MS Europa erzählte. Die Hapag-Lloyd-Reederei suchte einen Art Direktor für die Publikationen an Bord des Ozeanriesen.
Knochenarbeit unter blauem Himmel
„Nach der Bewerbung ging alles ganz schnell. Ich habe mich persönlich vorgestellt und schließlich einen Zeitvertrag unterschrieben“, erzählt Stute. Sein alter Arbeitgeber an Land stellte ihn für ein halbes Jahr frei. „Auf dem Schiff war ich für die Herstellung inklusive Layout der täglichen Bordzeitung, der Speisekarten und der Infoblätter zu den einzelnen Häfen zuständig“, so Stute. Was sich nach einem lockeren Job unter blauem Himmel anhört, ist in Wirklichkeit eine Knochenarbeit. „Fast alle, die auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten, haben eine Sieben-Tage-Woche“, sagt der 34-Jährige. Da bleibt keine Zeit für Partys oder spannende Landgänge.
Service rund um die Uhr
Und dies gilt nicht nur für Angestellte wie Gregor Stute mit einem an Bord doch eher exotischen Job.
„Vor allem das Service- und Hotelpersonal ist praktisch rund um die Uhr gefordert“, sagt Matthias Rauhut von der an die Bundesagentur für Arbeit angegliederten „Zentrale und Internationale Management- und Fachvermittlung für Hotel- und Gaststättenpersonal (ZIHOGA)“. Rauhut weiß, wovon er spricht: Er hat selber jahrelang als Koch an Bord von Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Jetzt vermittelt er Fachkräfte auf die Schiffe.
Nachfrage nach Personal steigt
„Seit rund anderthalb Jahren steigt die Nachfrage nach gut ausgebildetem Servicepersonal stark an“, sagt er. Die Reedereien suchen neben nautischem Personal vor allem Hotel- und Restaurantpersonal. „Wir vermitteln zurzeit vor allem Köche, ausgebildete Servicekräfte und auch Sommeliers auf die Schiffe“, so Rauhut. In der Regel erwarten die Reedereien von ihrem Kreuzfahrtpersonal eine mindestens zweijährige Berufserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse.

Viel zu tun: Das Servicepersonal arbeitet täglich zehn bis 14 Stunden – an sieben Tagen in der Woche.

Auch professionelle Musiker werden von Personalagenturen für Kreuzfahrten angeheuert.
Täglich zehn bis 14 Stunden im Einsatz
Die Anforderungen an das Personal sind hoch. „Die Service-Mitarbeiter müssen bereit sein, täglich zehn bis 14 Stunden an sieben Tagen in der Woche zu arbeiten“, sagt Rauhut. Auch müssten sich die Mitarbeiter darauf einstellen, sich eine Kabine mit ein bis zwei Kollegen zu teilen. Das alles erfordert eine hohe Belastbarkeit und Teamfähigkeit.
Agenturen übernehmen die Personalauswahl
Die meisten Kreuzfahrtunternehmen arbeiten außer mit der ZIHOGA auch mit Service-Agenturen zusammen, die für sie das sogenannte Crewing, also die Zusammenstellung und Verwaltung des Personals an Bord, übernehmen. So rekrutiert zum Beispiel die Firma CSM für die Schiffe der Hapag-Lloyd-Reederei das gesamte Hotel- und Servicepersonal – von Küchengehilfen und House Keeping über Bäcker, Köche und Schneider bis hin zu den Führungspositionen im Hotelmanagement.
Zum Sommer hin geht's richtig los
Bevor es dann aufs Meer hinausgeht, müssen die Bewerber bei Ärzten ihre Seediensttauglichkeit unter Beweis stellen und natürlich einen gültigen Reisepass besitzen. „Wir stellen das ganze Jahr über Personal ein, verstärkt zum Sommer hin“, so Kerstin Marschhausen von CSM. Die Verträge laufen in der Regel über sechs Monate. „Die Mitarbeiter unterschreiben durchschnittlich drei Verträge hintereinander und suchen sich danach wieder eine Arbeitsstelle mit festem Boden unter den Füßen, oder sie bewerben sich für Führungspositionen an Bord, die wir auch gerne aus den eigenen Reihen besetzen“, so Kerstin Marschhausen.
Gute Chancen auf einen Job an Land
Die Zeiten auf See seien durchaus von Vorteil für die Karriere an Land, sind sich alle Personalverantwortlichen der Agenturen sicher. Denn die Arbeitgeber wüssten zu schätzen, dass diese Bewerber besonders belastbar und kompromissbereit seien.
Im Unterhaltungsbereich gibt es nicht nur für Musiker Arbeitsmöglichkeiten: Auch Croupiers werden oft an Bord beschäftigt.
Jobs für Profi-Zauberer und Musiker
Gäste auf Kreuzfahrtschiffen erwarten auch Unterhaltung in Form von Gala-Shows, Live-Musik, Comedy, Zauberei und Tanzvorführungen. Damit jeden Abend ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm geboten werden kann, engagiert die Agentur Künstlermanagement Uwe Kanthak im Auftrag der Hansa Kreuzfahrten die entsprechenden Künstler, manchmal nur für ein paar Tage, meistens aber für die gesamte Reisedauer. „Wir suchen aber nur absolute Show-Profis, die schon viel Bühnenerfahrung haben, und Musiker, die notenfest sind“, so eine Mitarbeiterin der Agentur. Deshalb müssten dem Bewerbungsschreiben auch in jedem Fall CD/DVDs mit Aufzeichnungen von Auftritten beiliegen, beziehungsweise müssten diese auf der Homepage der Künstler zu finden sein. Die Gagen sind Verhandlungssache und richten sich nach der Anzahl der auf See verbrachten Tage und natürlich dem Bekanntheitsgrad der Künstler.
Brutto gleich netto
Die Arbeitsverträge richten sich grundsätzlich nach dem Land, unter dessen Flagge das Schiff fährt. „Das muss aber kein Nachteil sein, denn mit einem Arbeitsvertrag aus Zypern haben die Beschäftigten viel weniger Abzüge als hierzulande“, sagt Matthias Rauhut von der Bundesagentur für Arbeit. Auch dass die Verdienstmöglichkeiten nicht mit denen an Land vergleichbar seien, sollte serviceorientierte Bewerber nicht abschrecken. Durch Trinkgelder, eventuelle Umsatzbeteiligungen sowie freie Unterkunft und Verpflegung an Bord können die Mitarbeiter viel Geld sparen – zum Ausgeben haben sie eh keine Zeit und Gelegenheit.
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Autor:
Christian Kersten und Anja Köhler