Job & Karriere

Bevor die erste Klappe fällt

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Meike Schlüter ist Casting-Anspielpartnerin für Schauspieler. Fotos: Andreas Riedel

Infos (Teil 1)


Keinen der im Artikel vorgestellten Berufe kann man auf einer der genannten Schulen lernen, dort werden nur Voraussetzungen für einen solchen Job geschaffen.

Make-up und Ausstattung/Design


Make-up

Maskenbildnerschule Hasso von Hugo GmbH, Lützowstraße 105 (6. OG), 10785 Berlin, 6 13 56 20, www.maskenbildnerschule.de

Twilight Creations, Kopenhagener Straße 35–37, 13407 Berlin, 41 40 30 07, www.tc-effects.com

Allgemeines Netzwerk der Film- und Fernsehbranche www.crew-united.com

Ausstattung/Design

filmyard, Köpenicker Straße 10a, 10997 Berlin, 39 10 18 96, www.filmyard.de

Schein Berlin, Kastanienallee 79, 10435 Berlin, 44 31 78 74, www.schein-berlin.de in Kooperation mit www.design-tourist.de

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Das Team der Firma filmyard hat sich auf Unterwasser-Filmaufnahmen spezialisiert.

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Die Make-up-Künstlerin von Twilight Creations gestaltet eine Fantasie-Gestalt.

Infos (Teil 2)

Schauspiel-/Regie-Schulen


Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin, 25 75 90, www.dffb.de

Filmschauspielschule Berlin, Helmholtzstraße 2–9, 10587 Berlin, 31 01 65 71, www.filmschauspielschule.de

Grundy UFA TV Produktions GmbH, Dianastraße 21, 14482 Potsdam-Babelsberg, 03 31/70 60-0, www.GrundyUFA.de

Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, Marlene-Dietrich-Allee 11, 14482 Potsdam-Babelsberg, 03 31/62 02-0, www.hff-potsdam.de

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Fantasie-Kekse von Schein Berlin.

Damit Filmarbeiten klappen, muss das Team am Drehort aus vielen Spezialisten mit ganz ungewöhnlichen Berufen bestehen. Wir stellen ungewöhnliche Jobs beim Film vor:

Zwei Stunden Urlaub vom Alltag, dazu Popcorn und ein kaltes Getränk – so kann ein perfekter Kinobesuch aussehen. Wenn es dem Film dann noch gelingt, die Zuschauer zu berühren, darf das Produktionsteam mit sich zufrieden sein. Denn gute Unterhaltung ist richtig viel Arbeit. Bevor die erste Klappe fällt, sind Menschen mit oft ungewöhnlichen Jobs sehr lange damit beschäftigt, die Vorbereitungen für die Dreharbeiten zu treffen.

Dass manchmal aber auch alles sehr schnell gehen muss, weiß Uwe Steckhan. Er ist Spezialist für Unterwasser-Filmaufnahmen und hat seine Firma filmyard im Jahr 2001 gegründet. „Von einem Werbeclip auf Malta habe ich erst vier Tage vorher erfahren. 15 Tonnen Sand mussten auf die Insel transportiert, gewaschen und dort frisch gehalten werden. Das war schon eine logistische Herausforderung für mich.“ Die Unterwasserdekoration setzt er je nach Bedarf ins trockene oder geflutete Becken ein. „Manchmal gibt es dabei ein Problem mit Originalpflanzen. Sie vertragen nur Salzwasser, die Schauspieler brauchen aber Süßwasser, sonst bekommen sie rote Augen. Aus hygienischen Gründen geben wir auch noch Chlor ins Wasser. Fische werden deshalb später digital eingespielt.“

Uwe Steckhan war früher Stagemanager beim Musical „Les Misérables“ und kam zufällig zu dem Job, den es so eigentlich gar nicht gibt. Heute bietet er seinen Full Service weltweit an – von der Projektplanung bis zur Realisation mit wasserfestem Profi-Equipment. Die wichtigste Voraussetzung für seine Mitarbeiter? Natürlich ein Tauchschein.

Auch Schauspieler müssen erst beweisen, dass sie etwas können, bevor sie engagiert werden. Beim Casting sprechen sie eine kurze Probeszene meistens allein „gegen die Wand“. Bei der Produktionsfirma Grundy UFA TV in Potsdam-Babelsberg ist das anders. Hier leistet man sich den Luxus des Dialoges. Meike Schlüter ist selbst Schauspielerin und seit zwei Jahren als Casting-Anspielpartnerin beschäftigt. In der RTL-Serie „Hinter Gittern“ war sie die Gefängnisärztin Dr. Kerstin Herzog und half damals schon gelegentlich aus, wenn eine neue Rolle besetzt werden sollte.

„ Für die Schauspieler ist es natürlich viel besser, ein Gegenüber im Spiel zu haben. Die meisten sind ja in der Situation des Castings sehr nervös und können sich so inhaltlich besser auf die Szene konzentrieren, sagt Meike Schlüter.

Textsicherheit ist aber nicht alles, worauf es ankommt, um für eine Rolle besetzt zu werden. Charlotte Siebenrock, seit sechs Jahren Leiterin der Casting-Abteilung bei Grundy UFA TV, wählt nach vielen Kriterien aus: „Natürlich zählt die schauspielerische Leistung. Die Chemie muss aber auch stimmen. Schließlich stelle ich ja ein ganzes Ensemble zusammen. Da muss ich sehen, wie belastbar jemand ist. Als ‚Rampensau‘ oder ‚Kollegenschwein‘ hat man hier keine Chance.“

Gute Schauspieler müssen nicht automatisch immer auch gut aussehen, wie das Beispiel der Sat.1-Produktion „Verliebt in Berlin“ zeigt. Alexandra Neldel spielt darin die Protagonistin mit Hornbrille, Zahnspange und ein paar Pfunden zu viel. Die musste sie glücklicherweise nicht im wirklichen Leben zunehmen, sondern konnte in einen „Body Suit“, eine Art „Strampelanzug“ mit künstlichen Fettpolstern schlüpfen. Die Maskenbildner Tamar Aviv und Jörn Seifert von „Twilight Creations“ passten diesen genau nach Maß für sie an, so wie sie auch die Musiker der Band „Rammstein“ für ihren Videoclip „Keine Lust“ mit Hilfe von Special-Make-up-Effekten und so genannten Prosthetics 100 Kilo schwerer erscheinen ließen.

„Die Recherche ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir arbeiten dafür eng mit Ärzten und Pathologen zusammen und waren auch schon bei Operationen dabei, damit alles so real wie möglich aussieht“, sagt Jörn Seifert. Oft werden er und Tamar Aviv gefragt, ob sie nachts Albträume hätten, schließlich besteht ein Teil ihres Repertoires aus täuschend echt wirkenden einzelnen Körperteilen oder blutverschmierten Leichen, die auf die unterschiedlichsten Arten umgekommen sein könnten.

„Wir haben kein Interesse daran, zu schocken oder Ekel beim Betrachter hervorzurufen“, so Tamar Aviv, die nie einen anderen Beruf ausüben wollte. „Das Realistische fasziniert uns und steht immer im Vordergrund.“

Diesen Anspruch teilen die Make-up-Künstler mit den Grafikdesignern von „Schein Berlin“. Diese drei Berliner entwerfen in ihrem Büro in der Kastanienallee allerlei Fake-Produkte für Filmproduktionen, die es nirgendwo zu kaufen gibt. Für die RTL-Vorabendserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ denken sie sich Woche für Woche neue Zeitschriftencover aus, das Top-Model heißt hier Naomi Cumpel. Fiktive Cola- oder Biersorten sind im Sortiment oder ein Spülmittel namens „Jux“, das „super schnell und trocken“ abwäscht. „Die Leute sollen das Gefühl haben, dass die Sachen, die sie im Fernsehen sehen, auch bei ihnen zuhause im Kühlschrank stehen könnten“, sagt Henning Brehm.

Die Fantasieartikel sind aber nur ein kleiner Teil der Arbeit von „Schein Berlin“ und im Gegensatz zur kompletten grafischen Ausstattung für einen Spielfilm relativ unaufwändig. So nahm beispielsweise Hitlers Dokumentenmappe in „Der Untergang“ als Sonderanfertigung aus Leder mit eingestanztem Reichsadler wesentlich mehr Zeit in Anspruch; genau wie die Arbeiten für „Der rote Kakadu“ oder im vergangenen Jahr für die Hollywood-Produktion „V wie Vendetta“. „Da die Filme oft in einem anderen Jahrzehnt oder Jahrhundert spielen, sind die Ansprüche an uns immer verschieden“, so Henning Brehm, „daher wird die Arbeit eigentlich nie langweilig.“


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010