Job & Karriere

Ein bisschen Spaß muss sein

Ausrede zwecklos: Jeder hat Humor – und jeder kann ihn trainieren. Auch der Karriere nützt es, sich zum Clown zu machen. Denn Lachen macht sympathisch, schafft Vertrauen und motiviert. Kein Wunder, dass sogar Führungskräfte Humortrainer in die Firma holen. Bleibt noch die Frage: Was macht Menschen witzig?

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Warum sollte das Büro eine humorfreie Zone sein?

Buch-Tipps


Erfolg lacht! Humor als Erfolgsstrategie“ von Jumi Vogler. www.jumivogler.de

Humor im Business – Gewinnen mit Witz und Esprit“ von Eva Ullmann und Albrecht Kresse. www.eva-ullmann.com

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Absurde Gedankensprünge sind oft besonders witzig.

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Erwiesen ist: Wer gemeinsam lacht, arbeitet auch besser zusammen.

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Witze auf Kosten anderer können nach hinten losgehen, wer über sich selbst lachen kann, beweist hingegen Souveränität.

Montagmorgen, Konferenzraum: Verknautschte Gesichter, genervte Blicke. Die gute Laune der Kollegen ist noch im Wochenende hängengeblieben – für Eva Ullmann kein Grund sich klammheimlich davonzustehlen, sondern die ideale Bühne für einen guten Gag.

Humor verbessert in Unternehmen die Kommunikation

Die Gründerin des Humorinstituts Leipzig berät Ärzte, Lehrer, Unternehmer und Büro-Angestellte, wie sie mit Witz ihren Arbeitsalltag meistern. Zum Beispiel mit einem frechen Spruch: „Hier ist ja eine gute Stimmung, wunderbar.“ Das löst Spannungen, bringt andere zum Schmunzeln und weckt selbst grummelige Gemüter.

Ullmanns Einsatz wird immer gefragter. Was sich in den USA längst etabliert hat, beginnt langsam auch in Deutschland: einen Humortrainer in die Firma zu holen. Denn jeder vierte Arbeitnehmer hat laut einer Gallup-Studie innerlich längst gekündigt. Viele Beschäftigte sehen ihre Bedürfnisse von der Firmenleitung zu wenig gewürdigt. Ein Lösungsansatz: eine Prise Humor. Dieser leistet einen wichtigen Beitrag zu einer heiteren und wertschätzenden Kommunikationskultur.

„Ich packe das Paket aus, dass die Teilnehmer mitbringen.“

Aber nicht nur Firmen können Humor als Trumpfkarte für sich entdecken, auch Mitarbeiter geben mit einem Schuss Witzigkeit ihrer Karriere den richtigen Schubs. Grund also, einmal nachzufragen bei Comedy-Autoren, Zirkus-Clowns und Humortrainern. Was macht Menschen eigentlich witzig?

„Wer andere wirklich zum Lachen bringt, erzeugt eine gute Stimmung und Sympathie und bleibt leichter in Erinnerung“, sagt Eva Ullmann. Humor ist eine Kommunikationsstrategie, die eine Verbindung zu Kollegen und Mitarbeitern schafft. Also versucht die 34-Jährige Humorexpertin in ihren Seminaren, die humorvolle Seite ihrer Teilnehmer hervorzukehren. „Ich packe das Paket aus, das Sie mitbringen und dann differenzieren wir Techniken.“ Erwiesen sei nämlich: „Wer miteinander lachen kann, arbeitet besser zusammen.“

Die eigenen Schwächen vortanzen

Wie das geht, zeigt Jumi Vogler, Vortragsrednerin und Trainerin. Von den Teilnehmern ihrer Seminare verlangt Vogler schon mal, die eigenen Schwächen zu tanzen. Da gucken die Teilnehmer zuerst skeptisch auf die Frau mit den wuscheligen blonden Haaren. Sie wollen sich hier schließlich nicht lächerlich machen, haben immerhin hart gearbeitet für ihren Status. Und jetzt das, so eine Albernheit.

„Viele in meinen Workshops haben erst einmal Angst davor. Sie befürchten, sich lächerlich zu machen. Aber Humor macht nicht lächerlich sondern sichtbar“, sagt die 53-Jährige. Wer zum Beispiel einen Witz über einen eigenen Fehler macht, könnte ja an Souveränität verlieren, befürchten viele. Ein Trugschluss. „Menschen, die Humor haben, müssen souverän sein. Es hat etwas mit Stärke zu tun, seine eigenen Schwächen zu kennen und über sich selbst lachen zu können“, sagt Vogler.

Wortspiele und Gegensätze als Stilmittel

Humor ist die persönliche Einstellung zum Leben, die Komik ist dabei das Handwerk. Nützlich für den Lacher sind Wortspiele, die Pointe, Provokation, mit Gegensätzen arbeiten, etwas absichtlich falsch interpretieren. Zum Beispiel: Auf dem Knopf an der Fußgängerampel steht „Fußgänger drücken“ geschrieben. Wer das jetzt wirklich macht, irritiert und bringt andere zum Lachen, weil es so absurd ist.

Jumi Voglers Tipp für Morgenmuffel: sich im Spiegel anschauen, vielleicht sogar eine rote Nase aufsetzen und laut sagen, was man für ein Glück hat, dass so ein toller Mensch jeden Tag im eignen Schlafzimmer liegt. Um sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen und sein Humorgespür zu entdecken und zu trainieren, rät sie, ein Humortagebuch zu führen. Jeden Abend schreibt man auf, was einem komisches passiert ist. Tollpatschige Dinge, Missgeschicke, eine lustige Begegnung.

Alles eine Frage des Timings

Über sich selber lachen – das müsste doch ein Clown am besten können. Bernhard Paul hat den „Circus Roncalli“ 1976 gegründet, noch heute steht er mit 65 Jahren als Clown Zippo selbst in der Manege. Wenn er alleine ist, lache er selten über sich, sagt der gebürtige Österreicher im Interview.

Für ihn ist vielmehr Humor eine Frage des Timings. „Wenn das nicht stimmt, ist alles verloren. Eine Pointe ist eine kleine Pflanze, und ein bisschen zu früh gesetzt oder ein bisschen zu spät – und der Lacher ist weg.“ In 36 Jahren hat Paul da erstaunliche Dinge erlebt – und er hat gelernt: „Komisch sein kann man durch ständiges Anwenden lernen. Es gibt Leute, die sind naturkomisch – und es gibt Leute, die müssen es sich hart erarbeiten.“

Bloß keine Witze auswendig lernen

Wer mit Humor im Büro punkten möchte, sollte hingegen eines auf gar keinen Fall tun: Witze auswendig lernen und vortragen. Denn erstens ist Humor eine Charaktereigenschaft – „wenn ich jemanden zum Lachen bringe, ist das ein Türöffner zum Gegenüber. Das geht aber nur, wenn ich authentisch dabei bin“, sagt Matthias Brandt.

Er arbeitet als Comedy-Schreiber für Radiomoderatoren. Für ihn geht der beste Witz so: „Wenn es zu Lasten von niemandem geht.“ Sein Tipp: „Wenn man Humor richtig genießen will, muss man bei sich anfangen und über sich selbst lachen können.“ Er findet seine Pointen im Alltag, indem er um die Ecke denkt, durch unerwartete Wendungen und Wortspiele.

Eine Pointe nutzt unerwartete Gedankensprünge

Eine unerwartete Wendung kann zum Beispiel im Umgang mit einem Thema funktionieren, dass seit Monaten Berlins Lokalzeitungen beschäftigt – die verschobene Eröffnung des Flughafens. „Mich interessiert dieser Berliner Flughafenquatsch überhaupt nicht. Um ehrlich zu sein, ich habe nicht mal ein Flugzeug.“

Ein Wortspiel hat den Comedy-Schreiber zu einer Winterreifen-Pointe inspiriert, dabei spielt er mit den verschiedenen Bedeutungen des Wortes abgefahren. Ausgangspunkt ist eine Polizeikontrolle: „Die Polizei findet meine Winterreifen voll hip! Der Beamte sagte: Die sind ja total abgefahren!“ Auch mit Klischees und Redewendungen spielt er gern. „Der erste Schritt zu einer Pointe ist, den normalen, logischen oder gewohnten Gedankengang zu verlassen und einen Gedankensprung zu machen, den das Gegenüber nicht erwartet“, sagt Brandt.

Niemals andere mit dem Humor degradieren

Zweitens muss der Humor zur Situation passen, denn daraus entsteht die Komik. „Guter Humor ist auch, eine Situation, die gerade stattfindet, zu konterkarieren“, sagt Eva Ullmann. Es geht also darum aufzunehmen, was vor einem passiert. Also Humor, der eine Relevanz hat und nicht darauf abzielt, andere zu degradieren. Und dafür braucht es nicht nur Scharfsinn, sondern auch Empathie und Wertschätzung. „Im Business empfehle ich immer erstmal einen Humor, der ein bisschen ungefährlich ist, nicht so scharf, nicht so böse“, sagt Eva Ullmann. Eine gute Technik sei etwa, Komplimente an Kollegen humorvoll zu übertreiben.

Bei all den unterschiedlichen Empfehlungen – in einem Punkt sind sich die Humorexperten einig: Üben, üben, üben – am besten privat. Nur so würde es mit der Witzigkeit funktionieren. Na, dann: Die nächste Montagskonferenz kommt bestimmt.


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Kontakt zum Autor: Saskia Weneit


Zuletzt aktualisiert: 02.01.2013 · Fotos: shutterstock (6)

 

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