Job & Karriere

Titel Fahrradkurier 692

Fahrradkuriere arbeiten lautlos, schnell und gefährlich. Doch was treibt junge Männer und Frauen zu diesem Beruf, und welchen Herausforderungen müssen sie sich dabei täglich stellen? Ein Fahrradkurier berichtet, warum ihn weder Regen noch Sturm bremsen, Kopfhörer auf dem Rad lebensgefährlich sind und warum seine Begegnung mit einem Sattelschlepper ein einschneidendes Erlebnis war.

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"Jede Tour ist ein neues Abenteuer": Kay Bertram (32) aus Leipzig ist seit acht Jahren Fahrradkurier in Berlin und liebt seinen Beruf.

Bild vergrößernFahrradkurier Schnee

Wind und Wetter, Schnee und Eis: Fahrradkuriere kennen kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

Fahrradkuriere in Berlin


Twister Kurierdienst
Am Treptower Park 28
12435 Berlin
Tel.: 29 30 40
www.twisterkuriere.de

Spinning Wheelz Courier Service
Torstraße 70
10119 Berlin
Tel.: 24 03 83 45
www.wheelz.de

Impuls-Radkuriere
Sredzkistraße 62
10405 Berlin
Tel.: 24 61 12 64
www.impuls-radkuriere.de

...weitere Kurierdienste


LRT Kurierdienst
Köpenicker Straße 16
10997 Berlin
Tel.: 61 28 02 47
www.lrtkurier.de

Plischka Per Bike
Raduhner Straße 67
12355 Berlin
Tel.: 0173 - 52 47 407
www.plischka-online.de

Wieland Gähde Transporte
Choriner Straße 57
10435 Berlin
Tel.: 44 04 52 26
www.gaeh.de

Ex-Bo
Mannheimer Straße 33
10713 Berlin
Tel.: 86 20 14 04 0
www.ex-bo.de

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Täglich acht bis zehn Stunden Radeln gehören zum üblichen Pensum eines Fahrradkuriers.

Selbstständig als Fahrradkurier

Ausbildung: Selbstständige Kurierunternehmer mit eigenem Bike müssen lediglich eine kurze Schulung absolvieren, im Regelfall dauert sie 2 bis 3 Tage.

Verdienst: Bei 10 bis 15 Aufträgen pro Tag und einem Durchschnittsumsatz von 9 Euro netto je Auftrag winkt ein monatlicher Netto-Umsatz von 1.800 bis 2.700 Euro, mitunter aber auch mehr - abhängig vom persönlichen Zeit-Management.

Voraussetzungen

Spaß an Sport und Bewegung sind genauso selbstverständliche Voraussetzungen wie Ausdauer und ein Basis-Wissen bzgl. Rad-Technik. Auch Menschen- und Stadtkenntnis sowie ein gewisses Gespür für Zeit und Entfernung sind empfehlenswerte Eigenschaften.

Bild vergrößernKay Bertram2

Kay Bertram bei der Arbeit. Sein schönster Auftrag? Einen schriftlichen Heiratsantrag überbringen. "Sowas vergisst man nie wieder.“

Kay Bertram ist 32 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Leipzig und arbeitet seit acht Jahren als Fahrradkurier hier in Berlin. Wenn es eines gibt, das er nicht missen möchte, dann die täglichen Fahrten auf seinem zweirädrigen Freund. Angefangen hat alles als Teenager: Begeistert von den schnellen Auftritten der Kuriere und ihren sportlichen Bikes, zog es ihn 1998 erstmalig zu einem der drahtigen Transportdienste. Seitdem ist viel passiert. Mittlerweile sprintet er mit einem Lastenrad für „Twister Kurierdienst“ durch die Hauptstadt. „Ziel war für mich schon immer Berlin oder Hamburg“, berichtet Kay. „Weil es sich hier aber nicht nur günstiger sondern auch schöner wohnt, bin ich letztlich in Berlin gelandet – und ich habe es keinen Tag bereut.“

Allein gegen das Wetter

Kay arbeitet, wie die meisten seiner Kollegen, auf selbstständiger Basis, was eine konstante Abrufbereitschaft fast unerlässlich macht. So ist er im Regelfall fünf Tage die Woche mit vollem Körpereinsatz auf den Straßen der Stadt im Einsatz – und das jeweils acht bis zehn Stunden lang. „Anders geht es nicht, wenn man davon leben will“, erklärt er. „Außerdem muss ich auch immer für schlechte Zeiten wie Sommerferien und Wintermonate beiseitelegen.“ Also keine Kurierfahrten bei Schnee und Hagel? „Doch - nur dauert es dann meist länger, bis man am Ziel ist.“

Erst zweimal in seiner Karriere musste Kay aufgrund starken Blitzeises kapitulieren – sonst bremsen ihn weder Regen noch Sturm. „Wetter sollte einem guten Fahrradkurier egal sein. Im schlimmsten Falle fährt man dann eben nur sechs Stunden. Aber von sowas völlig ausbremsen lassen? Das ist allein aus finanzieller Sicht unvorstellbar.“

Bei 60 Kilo hört der Spaß auf

Mit der Perfektionierung von Technik und Internet hat sich im Laufe der letzten 14 Jahre viel getan. Galt es für Kay zu Beginn seiner Karriere noch Disketten zwischen Geschäftspartnern zu transportieren, haben DSL und E-Mail ihm einen Großteil der Dokumenten-Beförderung abgenommen. Dennoch sind es auch heute meist noch Unternehmen, für die er über den Asphalt rast. Nur etwa 10 Prozent seiner Aufträge kommen von Privatpersonen. „Graphiken, Steuergeschichten, wichtige Rechtsanwalt-Schreiben – das sind so die Dinge, die ich am häufigsten für Firmen durch die Gegend fahre. Privat-Personen lassen sich höchstens mal ihren Schlüssel oder das Mittagessen ins Büro bringen.“

Dabei könnte Kay sogar für weitaus Schwereres gebucht werden. In die Kiste seines 2,40 m langen Lastenrads passen bis zu 100 Kilo Transportgut – wenngleich er diese Grenze verständlicherweise nur ungern ausreizt: „Bei 60 Kilo hört der Spaß langsam auf und es wird ordentlich anstrengend“, sagt der 32-jährige und lacht. „Gott sei Dank hab ich diese Herausforderung nicht allzu oft.“

Ohren auf im Straßenverkehr

Wenn es für Kay eine Regel gibt, dann die, dass er nie unaufmerksam fahren darf: „Man muss dem Stadtverkehr immer mit Respekt begegnen. Dabei ist das Gehör das Wichtigste. Jedes Brummen und Hupen hinter einem kann im Zweifelsfall über Leben und Tod entscheiden.“ Nicht zuletzt deshalb käme es für ihn nie in Frage, Musik während der Arbeit zu hören. „Ich sehe viele Radfahrer die das tun und finde es erschreckend. Ihnen ist nicht bewusst, in welche Gefahr sie sich damit begeben.“

LKWs stellen für Kay die größte Herausforderung dar. „Wenn die mich überholen bin ich immer besonders aufmerksam.“ Dabei ist seine Vorsicht nicht unbegründet: Schon einmal entkam er nur knapp den Rädern eines Sattelschleppers. „Das ist bei einem Abbiege-Manöver passiert. Ich konnte grade noch rechtzeitig von meinem Rad springen. Das war danach natürlich Schrott.“

Trotzdem - den Spaß an seiner Arbeit verliert der Wahlberliner auch durch solche Erlebnisse nicht. „Natürlich bleiben diese Dinge an einem haften und man denkt dann kurz über Aufhören nach, doch sowas legt sich auch wieder“, grinst Kay. „Das ist wie beim Bergsteigen: Gibt man nach einem Sturz auf, dann war er ja umsonst. Man muss daraus lernen und weitermachen. Nur so wird man gut in dem was man tut.“

Das tägliche Abenteuer

Dabei ist es nicht nur die frische Luft, die den Job für Kay zu etwas Besonderem macht: „Jede Tour ist ein neues Abenteuer – mit neuen Menschen und neuen Geschichten.“ Die Schönste? Da muss der Kurier nicht lange überlegen: „Einmal habe ich einen Heiratsantrag in schriftlicher Form überbracht. Sowas vergisst man nie wieder.“

Während Kay am Liebsten in Mitte und der City-West seine Runden dreht, weil dort die Vielzahl verschlungener Wege ein gutes Kombinieren mehrerer Aufträge ermöglicht, empfiehlt er Freizeit-Radlern doch viel eher die Berliner Außenbezirke für Ausflugstouren: „Sowohl am Tegeler See als auch rund um den Müggelsee sind die Wege einfach ideal. Wunderbar grüne und weite Flächen, gemütliche Biergärten, günstig-gelegene Badestellen – da hat es fast alles für einen gelungenen Rad-Nachmittag.“

Ein Job für die Zukunft

Die Zukunft der Fahrradkuriere sieht Kay durchaus rosig: „Allein schon aus ökologischer Sicht sind unsere Transportmöglichkeiten nicht mehr wegzudenken für die Zukunft einer Stadt. Wir bieten die umweltfreundlichste und schnellste Alternative, wenn es heutzutage um Austausch geht.“

Wer selber als Fahrradkurier aktiv werden will, der muss jedoch ein paar Dinge beachten: „Man sollte grob die Technik von Rädern verstehen, einigermaßen gut mit Menschen umgehen können und ein gutes Gespür für Zeit und Entfernungen haben, denn Timing ist alles. Nicht die Kilometeranzahl ist entscheidend, sondern wie man seine Touren ein- und verplant.“ Hier gilt Gleiches wie an der Taxi-Front: Ohne Stadtkenntnis kein Erfolg. „Und ach ja, das Wichtigste –“, fügt Kay lachend hinzu, „Duchhaltevermögen! Beine und Hinterteil spürt man schneller als man glaubt.“

Kontakt zum Autor: Manuel Wöpke


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Zuletzt aktualisiert: 12.06.2012 · Fotos: shutterstock (2), I. Woiton (2), wikipedia.org

 

Kommentare

von Jens Regner am 05.06.2012 um 22:11

Wie schön ist es doch so einen Sch... zu schreiben! Die Realität sieht für die Fahrer...egal ob Fahrrad oder Auto-Kurier ganz anders aus. Unter 10 Stunden pro Tag (inkl. Sonnabend 5 h) und einem "Endstundenpreis" von Netto 3,00 - 5,00 € geht gar nichts! Ein Drittel des verdienten Geldes behält das Vermittlungsunternehmen ein. Dem Fahrer bleibt nur ein Hungerlohn! Das ist die Realität!

 

von Max am 06.06.2012 um 12:22

...immerhin sind die Biker an der frischen Luft, machen Sport und arbeiten selbstbestimmter als die meisten Paketzusteller, die für die großen Paketdienstleister arbeiten. Günter Wallraff hat das ja gerade im Zeit-Magazin aufgezeigt: http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller

 

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