Job & Karriere

Auf Fischfang in Havel und Spree

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Früher lebten 2.500 Menschen von der Havelfischerei, heute sind nur noch 30 Berufsfischer in der Region.

Hier gibt's Fisch und Infos


Fischerei Löcknitz
Inhaber: Peter Meng
Alter Fischerweg 1,
Neu Zittau bei Berlin
Tel.: 03362 - 821100
www.fischerei-loecknitz.de

Weitere Adressen


Fluss- und Seenfischerei Jürgen Vaupel

Am Dachsbau 101
Heiligensee
Tel.: 030 - 4315153
www.fischerei-vaupel.de
www.fischerei-vaupel.de

Fischereiamt Berlin
Tel.: 030 - 30069914
www.berlin.de/fischerei

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Fischer Peter Meng mit einem dreieinhalb Kilo schweren Zander.

5.000 Fußballfelder – so groß ist etwa die Wasserfläche, die der Fischer Peter Meng bewirtschaftet. Sein Gebiet reicht von Rüdersdorf bis nach Königs Wusterhausen und vom Müggelsee bis zur Oder. Fast täglich fährt er mit einem seiner drei Boote einen Teil der aufgestellten Netze ab, um den Fang zu sichern.

Ausbildung zum Fischer


Die Ausbildung zum Fischwirt dauert drei Jahre und endet mit einer Gesellenprüfung. Die berufsschulische Ausbildung findet im Blockunterricht in Bautzen statt. Die Ausbildungsvergütung beträgt mindestens 454 Euro im ersten und höchstens 665 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Nach der Ausbildung und drei Jahren praktischer Erfahrung können die Fischwirte die Prüfung zum Fischwirtschaftsmeister ablegen.

Infos zum Beruf beim Bundesinstitut für Berufsbildung

„Diesen Zander haben wir aus der Oder geholt“, sagt er und zeigt stolz seine dreieinhalb Kilo Beute. Der Ingenieur für Binnenfischerei hat bis zur Wende in der Fischereigenossenschaft Berlin gearbeitet und sich danach mit einem eigenen Fischereibetrieb selbstständig gemacht. Etwas anderes sei für ihn nicht in Frage gekommen. „Mein Beruf ist ungeheuer vielseitig. Ich bin jeden Tag in der Natur, habe auch viel mit Menschen zu tun“, so Peter Meng.

Schließlich müsse er die Fische nicht nur aus dem Wasser holen, sondern sie auch verkaufen. Dafür beschäftigt er fünf Mitarbeiter. Einer von ihnen hat im vergangenen Jahr die Ausbildung zum Fischwirt bei ihm abgeschlossen und begleitet ihn aufs Wasser. Die anderen Mitarbeiter kümmern sich hauptsächlich um den Verkauf der Ware auf Berliner Wochenmärkten und im Hofladen in Neu Zittau.

Zum Fische fangen gehört auch Fische essen

„Fischessen ist in. Am beliebtesten sind Zander, Hechte, Schleien und Aale. Aber wir bemühen uns, den Leuten auch andere heimische Fischsorten näherzubringen“, sagt er. Flussbarsche beispielsweise gelten in der Schweiz als Delikatesse, seien bei uns aber kaum nachgefragt. Viele wüssten einfach nicht, wie sie vor- und zubereitet werden müssen. „Manche Kunden beißen beispielsweise in einen Bückling wie in eine Currywurst“, sagt Peter Meng. Er veranstaltet deshalb regelmäßig Themenessen, bei denen er heimische Fischgerichte serviert. Außerdem bietet er Räucherkurse an. Dort lernen die Teilnehmer, wie der frische Fisch durch Rauch veredelt und haltbar gemacht wird. Hobbyangler können bei ihm den Fischereischeinkurs belegen und die entsprechende Prüfung machen.

Zu den vielen Aufgaben des Fischers gehört es auch, Netze, die durch Vandalismus oder durch Sportboote zerstört worden sind, zu reparieren oder zu ersetzen. Neben all dem muss er sich auch um die Hege und Pflege der ihm überlassenen Gewässer kümmern. „In den Netzen finden wir ja nicht nur Edelfische, sondern auch nicht vermarktbare Massenfische wie Plötze, Blei und Güster“, so Peter Meng. Damit das Gleichgewicht in den Flüssen und Seen stimmt, müssen diese sogenannten Weißfische entsorgt werden, beispielsweise als Futter für Pelikane und Eisbären im Tierpark. Wo und wie viele Fische er fängt und was er damit macht, müsse er sorgfältig für die Behörden dokumentieren.

Früher lebten 2500 Menschen von der Havelfischerei

Die Fischerei in Spree, Havel, Dahme mit ihren Seen hat eine lange Tradition, die sich bis in die mittlere Steinzeit nachweisen lässt. Die Fischereirechte in ihrer heutigen Form gehen auf einen Erlass des Kurfürsten Joachim II. aus dem 16. Jahrhundert zurück, der damit Streitereien unter den Fischern verhindern wollte. Gegen Ende des 19. Jahrhundert ernährte alleine die Havelfischerei von Spandau bis zur Mündung noch etwa 2500 Menschen.

Zurzeit gibt es im Berliner Raum noch 30 Berufsfischer, von denen 16 die Fischerei als Nebenerwerb betreiben. Dabei wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben, denn die traditionellen Fischereirechte werden in der Regel vererbt und nur ganz selten verkauft. Nur wer diese Rechte und den Fischereischein für Berufsfischer hat, darf über die Fische in den Gewässern verfügen. „Mit den Rechten sind aber auch Pflichten verbunden. So müssen die Fischer die Fischbestände möglichst konstant halten und gegebenenfalls für Besatz mit Jungfischen sorgen. Außerdem dürfen nur die Fische entnommen werden, die die vorgeschriebenen Mindestmaße erreicht haben“, sagt Susanne Jürgensen vom Fischereiamt Berlin.

Bei Wind und Wetter auf dem Wasser

Jürgen Vaupel hat nach der Wende die Chance ergriffen und die Fischereirechte für die Unterhavel von der Mühlendammschleuse bis zur Stadt Brandenburg erworben. Seitdem ist er bei jedem Wetter – außer bei Eis - ab Sonnenaufgang für vier bis fünf Stunden auf „seinen“ Havelabschnitten unterwegs. „Danach sortieren mein Sohn und ich die Fische und bringen sie in die Hälterbecken zu unserem Haus. Schließlich möchten die Kunden richtig frischen Fisch kaufen“, sagt er. Obwohl die Tage lang sind und er hart arbeiten muss, um ausreichend Geld zu verdienen, sei er auch nach 30 Jahren noch ein begeisterter Fischer. „Das Wasser hat mich als Kind schon magisch angezogen und ich bin immer noch aufgeregt, wenn es aufs Wasser geht, um Beute zu machen. Das ist mein Leben“, so Jürgen Vaupel. Wer diese Passion aber nicht habe, solle sich lieber einen anderen Beruf suchen, in dem man mit weniger Aufwand mehr Geld verdienen kann.

Kontakt zum Autor: Anja Köhler


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Zuletzt aktualisiert: 30.04.2012 · Fotos: shutterstock, Anja Köhler (2)

 

Kommentare

von Max Krüger am 07.05.2012 um 15:08

Ein toller Text - vor allem weiß ich jetzt auch gleich, wo ich frischen heimischen Fisch kaufen und essen kann.

 

von BerlinerAkzente am 09.05.2012 um 10:05

Vielen Dank, es freut uns sehr, dass der Artikel gefallen hat. Viel Spaß beim Fischessen :-)

 

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