Job & Karriere

Manager der Nacht

Ihr Arbeitstag beginnt abends um 22 Uhr, sie sind unermüdlich im Einsatz und "stylen" die Schar der Gäste: Fünf von 46 Mitarbeitern des Clubs "Tresor" haben uns einen Einblick in ihren Job gewährt. Vom Nightmanager bis zur Türsteherin. Wie es ist, dort zu arbeiten, wo andere feiern.

Tresor Marco 692


Der den Laden zusammenhält:
Marco, 30 Jahre, Nightmanager

Wenn einer versehentlich den Feueralarm auslöst oder der DJ nach Getränken ruft: Nightmanager Marco sorgt dafür, dass ein Abend im Tresor reibungslos verläuft.

Meine Aufgabe kann man eigentlich in einem Satz zusammenfassen: Ich halte den Laden während der Veranstaltungen am Laufen! Den Kassen fehlt Kleingeld? Die Mitarbeiter haben Probleme? Jemand ist krank geworden, und wir brauchen Ersatz? Ich kümmere mich. Als Nightmanager bin ich eigentlich immer am Rennen.

Tresor
Köpenicker Straße 70
10179 Berlin (Stadtplan)
Tel.: 69 53 77-0
www.tresorberlin.com

Meinen alten Beruf, Verlagskaufmann, vermisse ich gar nicht. Nur ab und zu denke ich etwas wehmütig an die normalen Arbeitszeiten zurück. Bei meinem Job ist es schwierig, soziale Kontakte aufrecht zu halten, denn mein privates Umfeld arbeitet ja tagsüber.

Ich arbeite 40 bis 50 Stunden in der Woche. Um 22 Uhr komme ich als erster in den Club, um mir einen Überblick zu verschaffen, was noch alles erledigt werden muss, bevor wir aufmachen. Ab 23 Uhr kommen die anderen und ab Mitternacht schließlich die Gäste. Nach Hause gehe ich selten vor zwölf Uhr mittags. Manchmal trinken wir dann alle zusammen noch ein Feierabendbier auf unserer Dachterrasse. Ein schönes Gefühl, denn wir Mitarbeiter sind wie eine kleine Familie.

Und das wichtigste: Techno ist meine Profession! In zwanzig Jahren sehe ich mich dennoch nicht mehr im Club. Dafür setzt die Nachtarbeit einfach zu sehr zu. Montags ist daher generell mein Erholungstag. Dann esse ich ganz viel und kümmere mich ein bisschen um meine Schönheit – eben alles, was am stressigen Wochenende zu kurz gekommen ist.

Tresor Marie 692


Die den Abend stylt:
Marie, 24, Selekteurin

Wer in den Tresor hinein will, muss erstmal an Marie vorbei. Im richtigen Leben Fotografin, hat sie einen Blick für Gesichter, und das kommt ihr auch an der Tür zugute.

Vor zweieinhalb Jahren habe ich mich beim Tresor als Selekteurin beworben. Ich musste ein Foto und meine Kommunikationsreferenz einreichen – Letzteres dient dazu zu sehen, ob die Bewerber auch im normalen Leben viel mit Leuten sprechen und sich vernünftig ausdrücken können. Schließlich muss ich dem Gast begründen, warum er nicht rein darf.

Ein schlichtes Nein reicht nicht aus. Im Februar 2009 hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, ein Gefühl, dass sich bis heute übrigens nicht gelegt hat. An der Tür zu stehen, ist immer noch eine spannende Erfahrung für mich. Die Aufregung rührt sicher auch daher, dass man nie weiß, wie der Abend verläuft.

Ich kleide mich sehr schlicht, so wie ich im Alltag auch unterwegs bin. Der Tresor ist kein schicker Club: Wenn jemand in Lackschuhen kommt, sage ich, dass er sich beim nächsten Mal nicht so aufdonnern muss. Falls jemand ein Nein nicht akzeptiert, sind die Türsteher immer an meiner Seite. Die meisten Leute nehmen es aber locker. Mitleid habe ich keines. Niemand muss weinen, es gibt genug Auswahl in Berlin.

Manchmal fragt jemand, was er beim nächsten Mal besser machen kann. Das ist okay, dann gebe ich Tipps. Grundsätzlich zählt der erste Eindruck. Wir mögen es eher schlicht als prollig. Mein Ziel ist es, ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich alle Gäste wohl fühlen. Ich style quasi den Abend. Darum tanzen im Tresor am Ende Teenies neben Touristen und älteren Ehepaaren.

Tresor Basti 692


Der die Gäste versorgt:
Basti, 29 Jahre, Barchef

Tagsüber ist Basti Informatikstudent, nachts macht er die Gäste des Tresors als Barchef glücklich.

Ich war selber oft als Gast im Tresor. Eines Tages wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, für den Tresor bei der Loveparade mitzuarbeiten. Warum gerade ich gefragt wurde? Weil ich an dem Abend der einzige nüchterne Gast im Club war. Danach habe ich im Tresor an der Bar gearbeitet und mich langsam bis zum Barchef hochgearbeitet.

Als Barchef muss ich als erster von allen Barleuten vor Ort sein: Nachsehen, was fehlt, aus dem Lager ordern, Obst schneiden, Getränke bereit stellen. Den ganzen Abend bin ich mit dem Nightmanager und den Türstehern über Funk verbunden.

Wenn ein Gast Ärger macht, rufe ich sie. Aber meistens regele ich das alleine. Eine klare Ansage reicht oft schon aus. Außerdem kümmere ich mich um die Einstellung und Einarbeitung der neuen Barkeeper: Ich überprüfe bei einer Probeschicht, ob jemand ins Team passt.

Nach Schichtende baue ich alles ab und mache die Bar sauber. Anschließend mache ich die Abrechnung für meine Kasse. Um zehn Uhr geht es dann nach Hause. Mein Job ist definitiv Arbeit und kein reines Vergnügen. Aber ich liebe die Musik, die wir spielen, das macht es einfacher. Und mir ist während der Arbeit vor ein paar Jahren etwas sehr Schönes passiert: Ich habe meine Frau kennen gelernt. Sie hat mich einfach angesprochen, als ich hinter der Theke stand. Allein dafür hat sich mein Job schon gelohnt!

Tresor Toschi Tofa 692


Die die Atmosphäre schaffen:
Toschi, 24 Jahre und Tofa, 37 Jahre, Art Direction

Wer die Malereien an den Innenwänden des Tresors betrachtet, sich in der Lounge fläzt oder einen "Tresor"-Flyer in den Händen hält, sieht Tofa und Toschi. Die beiden gehören zum Kreativteam des Tresors und kümmern sich um das visuelle Gesamtkonzept des Clubs.

Tofa: Mein Team und ich kümmern uns um Flyer und Aufkleber. Wir gestalten Printkampagnen, Poster und die Online-Werbung. Sobald feststeht, welcher DJ im kommenden Monat im Tresor auftritt, kümmern wir uns darum, dass die Räume entsprechend ausgestattet und gestaltet sind. Dafür bleibt uns manchmal sehr wenig Zeit. Wenn eine Eventreihe ansteht, haben wir sogar nur drei Tage zum Umdekorieren. Dass wir dann die Nacht durcharbeiten, ist nicht selten. Alles soll perfekt aussehen, schließlich prägt unsere Arbeit auch das Erscheinungsbild des Tresors für den Besucher.

Ursprünglich habe ich Modedesign studiert. Zum Tresor bin ich als externer Innenraumgestalter gekommen. Und nach Ablauf des Vertrags geblieben. Nebenher arbeite ich als Dozent für visuelle Kommunikation an der Beuth-Hochschule. Ich habe immer den Anspruch, das, was wir vorher gemacht haben, noch zu verbessern. Darum muss man in diesem Job sehr viel Drive und Eigeninitiative mitbringen. Nach der Stempeluhr zu arbeiten, gibt es bei uns nicht.

Toschi: Vor eineinhalb Jahren bin ich im Tresor gestrandet. Ich war Gast und habe dem Chef des Hauses meine Malereien gezeigt. Er mochte sie, und so wurde ich Praktikant. Heute arbeite ich in Tofas Team. Ich gestalte zum Beispiel Flyer, die wir dann in der Stadt verteilen. Meine Arbeit ist sehr breit angelegt. Im Tresor werden oft Filme gedreht und Fotoshootings veranstaltet – ich bin dann für die Betreuung der Crews zuständig.

Das Schönste an meinem Job ist, dass es keine Routine gibt. Und dass die Tresor-Mitarbeiter wie eine Familie sind. Dadurch fühlt sich auch jeder verantwortlich, dass alles gut läuft.

Kontakt zum Autor: Marie Maas


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Zuletzt aktualisiert: 21.06.2011 · Fotos: Christoph Schieder (4)