Sie stehen lächelnd in VIP-Lounges, werben mit charmantem Lächeln für Nobelkarossen, ziehen durch Kneipen und Discos, um coole Sommerdrinks anzupreisen: Hostessen. Viele junge Frauen können sich keinen schöneren Nebenjob vorstellen. Obwohl sie dafür oft acht Stunden auf einer Stelle stehen müssen, permanentes Dauergrinsen Pflicht ist und strenge Regeln gelten.

Job mit Promi-Kontakt: Phyllis Lübke (rechts) – hier mit Nena – wurde schon mit vielen deutschen Promis abgelichtet.
Einstieg als Hostess
Der Personaldienstleister der Messe Berlin, der Hostessen für alle Events der Messe Berlin und teilweise auch für Veranstaltungen im ICC vermittelt:
MB Capital Services GmbH
Thüringer Allee 12A (Charlottenburg)
www.mb-capital-services.de
Eine der großen Berliner Fullservice-Agenturen für Eventmanagement:
Famous Network GmbH
Heerstraße 2 (Charlottenburg)
www.famousnetwork.de
Auf der Plattform...
... www.promotionbasis.de werden junge Leute fündig, die einen Hostessen- oder Promoter-Job suchen.
Dort bieten Unternehmen aus ganz Deutschland Jobs an. Darüber hinaus haben an einem Nebenjob Interessierte die Möglichkeit, selbst ein Bewerberprofil – eine sogenannte Setcard – ins Netz zu stellen.
Außerdem gibt es Infos über Verdienstmöglichkeiten und notwendige Voraussetzungen. So arbeiten Promoter üblicherweise nicht "auf Steuerkarte", sondern brauchen einen Gewerbeschein, sie gelten als selbstständige Kleinunternehmer und sind als solche von der Mehrwertsteuer befreit.

Von Beruf cool: Hostess und Host bei einer Präsentation für Breil-Brillen.
"Internationale Tourismusbörse", "Grüne Woche" – da weht ein Hauch der weiten Welt durch die Messehallen unterm Funkturm. Doch die freundlichen Hostessen, die hier eine Info-Broschüre überreichen und dort ein Häppchen der italienischen Salami anbieten, spüren davon wenig. "Bewerber müssen schon ziemlich belastbar sein", sagt Simone Brunner, und erklärt auch, wie sie das meint.
Weiß ich nicht, gibt’s nicht
"Acht Stunden an einer Stelle zu stehen, ist total anstrengend. Das unterschätzen viele", sagt die 21-jährige Studentin. Dennoch könnte sich die angehende Musikwissenschaftlerin keinen schöneren Nebenjob vorstellen: "Ich lerne neue Menschen, neue Produkte und die verschiedensten Firmenphilosophien kennen."
Dass eine Hostess sich auch ständig auf neue Situationen einstellen muss, hat Simone schnell erfahren, als sie nach dem Abitur ins Business einstieg. Um ihren ersten Einsatz bei der IAA, der Internationalen Automobil-Ausstellung in ihrer damaligen Heimatstadt Frankfurt am Main, haben sie manche Freunde beneidet. "Diese chromblitzenden Flitzer präsentierst du, wow", schwärmten sie.
Keine Piercings, kein Kaugummi
"Dabei fand ich es genauso spannend, am Infocounter zu stehen", erzählt die junge Frau mit dem gewinnenden Lächeln. Dass eine Frage dort auf keinen Fall mit einem Achselzucken beantwortet werden darf, musste ihr niemand mehr erläutern, als sie nach Berlin umzog und bei der Eventagentur "Famous" anheuerte. "Einen Satz wie 'Das weiß ich nicht' gibt’s bei uns nicht", sagt Vivica Seybold, Projektleiterin bei Famous, und kennt da kein Pardon. Stattdessen erfordert der Hostessen-Job ein souveränes "Ich kümmere mich darum".
Doch damit sind noch längst nicht alle Verhaltensvorschriften abgehakt: "Piercings müssen entfernt, Tattoos überschminkt werden", sagt Felicia Guarini, Leiterin des Hostessendienstes bei der Berliner Messe-Tochtergesellschaft "MB Capital Services". Außerdem dürfen die Mädels in Dienstkleidung nicht rauchen. Solange sie als Hostessen zu erkennen seien, hätten sie sich neutral zu verhalten.
Oberstes Gebot: Immer freundlich bleiben
"Keine privaten Unterhaltungen zwischen den Hostessen, kein Handygeklingel, keine Kaugummis", listet Vivica Seybold weitere Verhaltensvorschriften auf. Und als oberstes Gebot gilt: immer freundlich bleiben. Ob das nicht manchmal schwer falle, wenn ein Messebesucher allzu gierig nach dem zehnten kostenlosen Kugelschreiber greife? "Inzwischen nicht mehr", sagt Phyllis Lübke und lacht. Die 24-jährige Marketingstudentin ist ein alter Hase im Hostessengeschäft und schätzt daran insbesondere die freie Zeiteinteilung. Läuft’s im Studium ganz relaxt, ist sie häufiger im Promo-Einsatz. Stehen Klausuren an, tritt sie in ihrem Nebenjob kürzer.
Die Liste der deutschen Promis, mit denen Phyllis schon abgelichtet wurde, ist lang. Ist sie doch seit Jahren zur Berlinale oder bei der Echo-Verleihung im Einsatz: Till Schweiger, Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu, Nena oder diverse Fernsehmoderatoren – Phyllis kennt sie alle.
Mitfeiern ist tabu
Dem "Echo" fiebere sie das ganze Jahr über entgegen, gesteht sie. "Das ist schon toll, die Stars feiern zu sehen." Wenn sie auch selbst nicht mitfeiern kann. "Der Einsatz unserer Hostessen endet dort um zwei Uhr früh – dann geht die Aftershow-Party erst richtig los", sagt Vivica Seybold. Aber die Regeln der Agentur sind streng: "Mit Arbeitsende müssen unsere Hostessen die Veranstaltung verlassen." Schließlich habe eine Hostess eine Marke zu vertreten. Ausgelassenes Feiern vertrage sich damit nicht.
Phyllis kommt diese Haltung ihrer Auftraggeberin entgegen. Sie trennt den Job ganz klar von ihrem Privatleben. Dass sie bei Empfängen mal jemand auf einen Kaffee einladen möchte, kommt vor: "Aber ich lehne Treffen grundsätzlich ab. Man kann während der Veranstaltung nett plaudern – aber dabei bleibt es auch."
"Hostessen als Bienen – mit uns nicht"
Um da erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird beim Dienstleister der Messe Berlin ein möglicherweise zweideutig wirkendes Outfit der Hostessen strikt abgelehnt. Sind sie direkt für die Messegesellschaft im Einsatz, tragen sie blaue Uniformen oder einen schlichten grauen Anzug. "Die Messe ist ein eher konservatives Unternehmen", sagt Felicia Guarini.
Werden Kräfte von Ausstellern gebucht, können die zwar Wünsche äußern. Aber "knappe Bekleidung oder Bodypainting – das gibt es bei uns nicht". Und auch keine Kostümierung. "Hostessen als Bienen bei der Grünen Woche – da sagen wir nein, wir sind nicht im Entertainment-Bereich unterwegs", betont Guarini. Werden Hostessen für Abendeinsätze gebucht, wird lieber noch einmal ganz genau nachgefragt, welche Aufgaben sie dort zu erfüllen haben.
Selbstbewusste Visitenkarten mit Format
Generell gilt bei Guarini: Nicht das Äußere einer Hostess ist entscheidend, sondern ihre Persönlichkeit. "Die Hostessen sind die Visitenkarte unseres Unternehmens. Deswegen legen wir auf deren Auftreten höchsten Wert – selbstbewusst, extrovertiert, aber niemals arrogant. Das Format eines Menschen erkennt man daran, dass jemand sich nicht zu fein ist, auch simple Aufgaben – wie schlichtes Dastehen und Lächeln – dienstleistungsorientiert zu erfüllen."
Bei "MB Capital Services" wird daher auf intensives Training gesetzt. Info-Hostessen am Counter werden zwei Tage lang geschult. Denn sie müssen nicht nur wissen, wo der Aussteller einen neuen Teppich für seinen Messestand findet, sondern auch, woher die Geschäftsführerin eines ausstellenden Unternehmens rasch eine neue Strumpfhose bekommt, damit sie die internationale Delegation nicht mit Laufmasche empfangen muss.
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Autor:
Katrin Starke
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
Agentur Famous (3)