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Titel Menschensucherin 692

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Wiedersehen nach vielen Jahren: Viele Geschwister haben sich erst dank der "Menschensucherin" wieder gefunden.

Bild vergrößernTochter Und Vater

Vater gefunden: Susanne Panter wird vor allem beauftragt, um Familienangehörige zu suchen.

Susanne Panter macht von Berufswegen Menschen glücklich: Sie fahndet nach verschollenen Freunden, spürt alte Jugendlieben auf und bringt Verwandte wieder zusammen. Manchmal reichen der Vorname und ein Hobby, um einen Gesuchten zu finden. Panters Erfolgsquote kann sich sehen lassen: Sie liegt bei neunzig Prozent.

Susanne Panter kennt viele Lebensgeschichten. Zum Beispiel die von der Frau, die während des Zweiten Weltkriegs von einer Flüchtlingsfamilie ein kostbares Armband geschenkt bekam. Mehr als fünfzig Jahre später wünschte sie sich, das kostbare Schmuckstück endlich zurückgeben zu können.

Meist geht es um Adoptionen

Oder die Geschichte einer Frau, die als Teenager Zwillinge entbunden hatte und die jahrzehntelang in dem Glauben gelassen wurde, ihre beiden Söhne wären bei der Geburt verstorben.

Und dann war da noch der Junge mit den roten Haaren, der seinen Eltern und Geschwistern überhaupt nicht ähnlich sah. Erst kurz vor seiner eigenen Hochzeit erfuhr er, dass er als Säugling zur Adoption freigegeben wurde. Jahre sollten noch vergehen, bis er seine Mutter und seine Halbschwester kennenlernte. Beide hatten ebenfalls rote Haare.

Der erste Weg führt ins Melderegister

All diese Menschen sind Susanne Panter bei ihrer Arbeit begegnet. Die gelernte Bankkauffrau und studierte Kommunikationswissenschaftlerin betreibt seit zehn Jahren den internationalen Personensuchdienst "Wiedersehen macht Freude" in Berlin. Etwa zwanzig bis vierzig Fälle bearbeitet sie im Monat. Ihre Kunden wollen Eltern, Großeltern, Kinder, Geschwister, aber auch alte Schulfreunde, Kollegen oder ihre Jugendliebe wiederfinden.

Bild vergrößernSchwestern

"Du hast dich aber verändert" – auch alte Schulfreunde spürt die Berliner Expertin auf.

"Den größten Teil unserer Arbeit macht die Suche nach Familienangehörigen aus. In den meisten Fällen geht es um Adoptionen, die lange zurückliegen", sagt Susanne Panter. Wird nach einem verschollenen Menschen aus Berlin gefahndet, führt ihr erster Weg in die Friedrichstraße zum "Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Zentrale Ordnungsaufgaben Einwohnerwesen", wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt. Eingeweihte nennen die Stelle kurz "Labo" oder "Melderegister".

Mit einer nebulösen Idee ging's los

Bis zum Jahr 1975 lassen sich hier die Daten zurückverfolgen. Ist eine gesuchte Person beispielsweise nach München verzogen, wird die nächste Anfrage in München schriftlich gestellt – bis eine aktuelle Melde-Adresse vorliegt. "Sich von einem Melderegister zum anderen zu hangeln, ist eine häufige Vorgehensweise", erklärt Susanne Panter. "Wenn ich jemanden suche, der keinen Aller-Welt-Namen hat und in einem Ort wie Fürstenwalde lebt, dann rufe ich zunächst bei allen an, die den gleichen Namen tragen und einen Telefonanschluss haben."

Am Anfang von "Wiedersehen macht Freude" stand nicht mehr als eine nebulöse Idee. "Ich kam gerade von einem einjährigen Aufenthalt in den USA wieder, als ich mich gemeinsam mit einer Freundin daran machte, ein Treffen unseres ehemaligen Kinderladens auszurichten", erinnert sich Susanne Panter. "Dabei kam mir der Gedanke, dass man die Organisation von Klassentreffen als Gesamtpaket – von der Suche nach den Schulfreunden bis hin zur Durchführung des Events – anbieten könnte."

Durchbruch mit Personensuche

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte sie 1996 gemeinsam mit der alten Freundin aus Kinderladenzeiten, doch der Erfolg blieb aus. "Wir wurden ein halbes Jahr lang vom Arbeitsamt gefördert, konnten es in dieser Zeit aber nicht stemmen", berichtet sie. Anschließend arbeitete sie in der Öffentlichkeitsarbeit und hielt Existenzgründungskurse. Doch "die fixe Idee" ließ sie nicht mehr los.

Sie machte sich alleine selbstständig und stellte diesmal die Personensuche in den Mittelpunkt ihrer Dienstleistungen. Nachdem sie die ersten Familien und alten Freundespaare wieder zusammengeführt hatte, berichteten Tageszeitungen, Magazine und Radiosender über ihre Aktivitäten. Die Anfragen häuften sich.

Vorname und Hobby reichen ihr

Die Berliner Geschäftsfrau hat sich ihr gesamtes berufliches Know-how selbst erarbeitet und ein dichtes Netzwerk an Kontakten aufgebaut. Sie fahndet in Internetsuchmaschinen, in internationalen Datenregistern, sowie in den Datensammlungen der Standesämter, der Bundesagentur für Arbeit oder der Bundeswehr.

Auch bei verzwickten Fällen gibt sie nicht auf. Manchmal hat sie nicht mehr Informationen als den Vornamen oder den Spitznamen der Person, die sie finden soll. So war es auch bei Winfried aus Köln* (Name und Ort geändert, da die Recherche Teil einer Fernsehsendung ist), den sie im Auftrag seiner alten Jugendliebe suchte. An einen Nachnamen oder an seinen Geburtstag konnte sich die alte Dame nicht mehr erinnern, nur dass Winfried ein begeisterter Segler war, das wusste sie noch. Nach diversen Anrufen bei Kölner Segelclubs fand Susanne Panter ihn schließlich wieder. Ein Treffen der beiden steht in den nächsten Wochen an.

"Suchnanny.de" gibt Such-Tipps

In den zehn Jahren seit Start des Personensuchdiensts hat sich viel geändert. Mittlerweile beschäftigt Susanne Panter zwei feste und ein halbes Dutzend freie Mitarbeiter, die ihr bei der Suche, bei der Buchhaltung und bei anfallenden EDV-Arbeiten helfen. Im letzten Dezember hat sie die Website "Die Suchnanny", www.suchnanny.de, ins Leben gerufen, die Menschen bei der Fahndung nach alten Verwandten und Freunden unterstützt.

",Bei Wiedersehen macht Freude' kümmern wir uns um die gesamte Suche, die ,Suchnanny' ist eher eine Art Coach, der einen anleitet", erklärt Susanne Panter. Die Idee zu dem Online-Dienst sei entstanden, weil sie häufiger Anfragen von Menschen bekam, die eine professionelle Recherche nicht bezahlen konnten. Denn wer Susanne Panter und ihr Team mit der Suche eines verschollenen Verwandten oder Bekannten in Deutschland beauftragt, zahlt rund 400 Euro. Mit der "Suchnanny" fallen deutlich weniger Kosten an.

Susanne Panters Erfolgsquote liegt der "Menschensucherin" zufolge bei etwa neunzig Prozent. Dabei räumt sie freimütig ein, dass nicht jede Personensuche von einem Happy-End gekrönt wird. Es gibt immer wieder Väter, die ihre Söhne und Töchter verleugnen, Kinder, die den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, und Klassenkameraden, die kein Interesse an einem neuen Aufleben alter Freundschaften haben. "Der Ausgang einer Suche ist immer ungewiss, das erklären wir unseren Kunden bereits im Vorfeld", sagt Susanne Panter: "Auch wenn sich nach der Suche kein intensiver Kontakt entwickelt – viele unserer Auftraggeber sind dennoch froh, offene Fragen über ihre Herkunft klären zu können."

Kontakt zum Autor: Kirsten Schiekiera


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Fotos: Panter (3), Monkey Business