Eine Initiativbewerbung – kann sie gut gehen in Zeiten von Wirtschaftskrise und Kurzarbeit? Jobexperten sagen: ja. Denn die meisten Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben.

Das Anschreiben für eine Bewerbung sollte passgenau formuliert sein – und es sollte erklären, warum sich der Bewerber für einen geeigneten Mitarbeiter hält.
Thomas Selaskowski kennt alle Fehler, die Bewerber bei einer Initiativbewerbung machen können. Der größte: "Wer sich für eine Initiativbewerbung entscheidet, sollte auf keinen Fall Serienbriefe verfassen, sondern die angeschriebene Firma individuell ansprechen", betont der Bewerbungscoach.
Je konkreter die Bewerbung, desto besser die Chancen
Sein oberstes Gebot: Sich vorher genau über die Firma informieren, zum Beispiel ausführlich die Internetseite zu studieren. Und dann? "Schreiben Sie so genau wie möglich, in welche Abteilung und auf welche Position Sie sich bewerben." Schließlich mache jede Initiativbewerbung einer Personalabteilung zusätzliche Arbeit. Je konkreter das Anschreiben – desto einfacher ist es für den Personaler, innerhalb der Firma nachzufragen, wo Bedarf nach einem Mitarbeiter besteht.
Dass sich eine Initiativbewerbung auch in der jetzigen wirtschaftlich angespannten Lage durchaus lohnen kann, weiß Bewerbungscoach Gabriele Lindner. "70 Prozent aller Stellen werden nicht über reguläre Medien wie Stellenanzeigen bei Zeitungen oder Jobbörsen veröffentlicht", betont sie. Deshalb sei die Chance, mit Hilfe einer Initiativbewerbung einen Arbeitsplatz zu finden, außerordentlich groß.
Einstellungswelle nach der Kurzarbeit
"Denn dabei haben Jobsuchende viel weniger Konkurrenz als bei einer Bewerbung um eine ausgeschriebene Stelle", sagt Lindner. Außerdem brauchten viele Unternehmen nach der Kurzarbeit jetzt Mitarbeiter. Und auch diese Arbeitsplätze werden, so Lindner, nicht unbedingt ausgeschrieben.
Doch nach der ersten Internetlektüre sollten sich Bewerber nicht gleich aufs Anschreiben stürzen, rät Bewerbungscoach Eva Hönnecke. "Zuvor sollten Sie telefonisch mit der Firma in Kontakt treten und wichtige Informationen erfragen." Das ist allerdings leichter gesagt als getan. So mancher gerät im entscheidenden Telefonat mit seinem Wunsch-Vorgesetzten ins Stottern und hat ein Blackout.

Gute Vorbereitung ist alles: Vor dem Bewerbungsschreiben können am Telefon wichtige Informationen über die Wunsch-Firma erfragt werden.
Vor Telefonkontakten gut vorbereiten
Daher rät Hönnecke zu einer guten Vorbereitung: "Üben Sie, sich am Telefon vorzustellen und in zwei oder drei Sätzen Ihr Profil zu schildern." Solch eine erste Vorstellung sei ein guter Einstieg ins Gespräch, zumal das Gegenüber schon ein paar wichtige Informationen erhalte. Ein paar Stichworte auf dem Zettel geben Halt und Struktur und klingen im Gegensatz zu ganzen Sätzen nicht zu abgelesen.
"Versuchen Sie dann im Laufe des Telefonats herauszufinden, ob ein prinzipielles Interesse an Ihrer Person besteht oder ob eine Bewerbung momentan keinen Sinn macht", sagt Hönnecke. Außerdem sollten sich Bewerber nach dem richtigen Ansprechpartner erkundigen, rät die Expertin: "Denn so können sie Anschreiben direkt adressieren." Somit lohnt sich das Telefonat in jedem Fall – es spart vergeudete Arbeitszeit für ein sinnloses Anschreiben.
Der Königsweg: Persönlich vorbeikommen
Auch für Gabriele Lindner, die Bewerber bei der Jobsuche unterstützt, steht der persönliche Kontakt zu der Wunsch-Firma ganz oben. "Fragen Sie dabei nach dem zuständigen Ansprechpartner für die jeweilige Fachabteilung." Denn diese kenne künftigen Personalbedarf schon, auch wenn die Personalabteilung davon noch keinen Schimmer habe: "Wenn Sie erst einmal im Gespräch sind, fragen Sie nach, ob und wann Sie sich gegebenenfalls noch mal melden können."
Eine Alternative zum Anruf sieht Lindner im persönlichen "Vorbeikommen" des Bewerbers. Zugegeben, eine Strategie die Bewerber wohl am meisten Überwindung kostet – die sich aber auch sehr lohnen kann: "Selbst wenn Sie nicht die Möglichkeit haben, mit dem zuständigen Personaler oder Abteilungsleiter vor Ort zu sprechen, können Sie dennoch mit seiner Sekretärin oder Assistentin reden." Wer dabei durch einen netten Small Talk einen guten Eindruck hinterlässt, hat gleich viel bessere Karten. Denn oft bereiten gerade diese Mitarbeiterinnen die Entscheidungen vor.

Assistentinnen sind wichtige Ansprechpartner: Oft bereiten sie Einstellungsentscheidungen vor.
Dem Arbeitgeber Argumente liefern
Ob auf Kongressen, Messen oder Fortbildungen: Grundsätzlich sollten Bewerber jede Möglichkeit zum Netzwerken nutzen und auf diesem Wege eine Beziehung zu potenziellen Arbeitgebern herstellen. Doch Achtung: Damit eine Initiativbewerbung zum Erfolg führt, muss das berufliche Profil der Bewerber auch zur Wunschfirma passen. Schließlich wollen die Unternehmen nicht irgendeinen Bewerber, sondern jemanden, der genau die Arbeit erledigen kann, die bei ihnen zu tun ist.
"Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber Argumente liefern, warum er Sie zum Vorstellungsgespräch einladen sollte", betont Thomas Selaskowski. Um solche Argumente auch gut formulieren zu können, empfiehlt der Coach, sich vorher über sein eigenes Profil Gedanken zu machen: Welche Fachkompetenzen und Soft Skills habe ich? Welche beruflichen Erfahrungen bringe ich mit?
Hat sich der Bewerber diese Fragen beantwortet, geht es darum, das Anschreiben passgenau zu formulieren. "Versetzen Sie sich in die Lage des Personalers, und fragen Sie sich, welche Ihrer Fähigkeiten für ihn interessant sein dürften", rät Selaskowski. "Schildern Sie dann, warum Sie sich für einen geeigneten Mitarbeiter halten."
Wie das Anschreiben zündet
Wer Schwierigkeiten damit hat, weil er sich nicht vorstellen kann, welche Fähigkeiten und Kompetenzen für die von ihm angestrebte Stelle notwendig sind, der sollte sich von Ausschreibungen mit vergleichbarem Stellenprofil inspirieren lassen: "Recherchieren Sie im Internet oder in Tageszeitungen, welche Kompetenzen und Erfahrungen andere Unternehmen bei einer vergleichbaren Funktion erwarten. Und nutzen Sie diese Stellenangebote, um Ihr Profil noch besser herauszuarbeiten“, empfiehlt Gabriele Lindner. Denn wer keine guten Gründe nennen kann, warum er mit seinem Profil in die Firma passt, bekomme schnell eine Absage.
Kontakt zum
Autor:
Anja Schreiber
Das könnte Sie ebenfalls interessieren:
• Wie Netzwerken die Karriere beschleunigt: Mehr Kontakte - mehr Erfolg
• Xing, LinkedIn & Co: Was Internet-Netzwerke taugen
Fotos:
colourbox.com (4)