
"Schwache" Netzwerke haben ihre Stärken: zum Beispiel bei der Auftrags- oder Jobvergabe.

"Kontakte knüpft man am besten von Angesicht zu Angesicht", sagt Amir Sehhi aus Erfahrung.
Erfolgsrezept
Wie Sie beim nächsten Business-Smalltalk überzeugen, den Kontakt halten und ihn bei Gelegenheit aktivieren können.
Fünf Tipps fürs erfolgreiche Netzwerken
• Gemeinsamkeiten finden: Der beste Einstieg zu einem beruflichen Smalltalk sind geschäftliche Gemeinsamkeiten oder der Austausch von Wissen zu beruflich relevanten Themen.
• Charmant statt direkt: Bei einem ersten Gespräch sollte man sich nicht zu forsch und zu offensichtlich interessiert an dem Gegenüber zeigen.
• Beständigkeit: Um neu entstandene Kontakte aufrecht zu erhalten, ist es ratsam, innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Kennenlernen eine E-Mail zu schicken, mit der man sich noch einmal in Erinnerung bringt. Bereits bestehende Kontakte sollte man immer wieder auffrischen, beispielsweise durch regelmäßigen E-Mail-Kontakt oder durch das Versenden von Weihnachtskarten.
• Sich gut vorbereiten: Trifft man sich mit einem neuen Bekannten, beispielsweise zum Mittagessen, ist es empfehlenswert, sich zumindest ein paar Themen zu überlegen, die man bei dem Treffen ansprechen möchte.
• Sich trauen: Auf die Dauer nützen Kontakte und berufliche Beziehungen vor allem denjenigen, die sich auch trauen, sie bei Gelegenheit zu aktivieren. Entfernte Bekannte aus eigennützigen Gründen anzurufen, fällt jedoch vielen sehr schwer. Karriere-Experten wie Carolin Fischer raten, in solch einem Fall nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Wer eine neue Stelle sucht, sollte lieber nicht fragen: "Haben Sie vielleicht einen neuen Job für mich?", sondern eher bitten: "Ich schreibe gerade Bewerbungen. Könnten Sie mal einen Blick darauf werfen und mir sagen, ob Anschreiben und Lebenslauf den Standards Ihrer Branche entsprechen?"

Die Moderatorin Amir Sehhi gibt unter anderem Medientraining für Laien, die vor der TV-Kamera stehen.

Karriere-Experten raten, sich auf Tagungen und Fortbildungen den anderen Teilnehmern vorzustellen.
Gute Netzwerke beschleunigen die Karriere. Nicht nur für Selbstständige sind sie entscheidend, wie Forschungen ergeben. Jeder dritte Arbeitslose kommt über Kontakte zu seiner neuen Stelle. Doch wie 'netzwerkt' man richtig? Was spricht gegen Internetplattformen, und was bringen "Service Clubs"?
Ohne ihr rotes Visitenkarten-Etui geht die Berlinerin Minou Amir-Sehhi nie aus dem Haus. Stehen ein Empfang oder eine Abendveranstaltung an, packt sie zusätzlich auch einen Stapel Postkarten in ihre Handtasche. Mit ihnen wirbt sie für ihre Dienste als Medientrainerin und Veranstaltungsmoderatorin.
Den Bekanntheitsgrad erhöhen
Bei Gelegenheit berichtet sie aus ihrem Berufsalltag und steckt Gesprächspartnern, für die ihre Leistungen interessant sein könnten, eine der Karten zu. "Da ich bundesweit tätig bin, ist es für mich enorm wichtig, Kontakte zu knüpfen und dafür zu sorgen, dass sich mein Bekanntheitsgrad erhöht", meint die studierte Kommunikationswissenschaftlerin, die in Mitte lebt.
"Ich versuche ständig, Kontakte zu knüpfen", sagt auch Peter Schmidt, freiberuflicher Sachverständiger für Unfallrekonstruktion. Seine Dienstleistung ist begehrt, wenn sich der Ablauf eines Verkehrs- oder Arbeitsunfalls nicht mehr nachvollziehen lässt, und wenn Versicherungen und Anwälte um Kostenübernahmen und Entschädigungen streiten. "Ein Unfall ist ein unerwünschtes und unvorhersehbares Ereignis. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, dass ich abgesehen von einigen Verkehrsrecht-Anwälten kaum regelmäßige Auftraggeber habe", berichtet der 44-Jährige.
Mit möglichst vielen ins Gespräch kommen
Berufliche oder private Einladungen nutzt er daher ganz bewusst, um sein Netzwerk zu vergrößern: "Ich habe es mir angewöhnt, Menschenansammlungen auf Kontaktmöglichkeiten zu untersuchen, die von gegenseitigem Nutzen sein können und versuche deshalb stets, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen."
"Klappern gehört zum Handwerk", heißt es im Volksmund. In Zeiten, in denen die Zahl der Freiberufler und Selbstständigen kontinuierlich steigt, ist dieser Spruch aktueller denn je. Glücklich dürfen sich diejenigen schätzen, die von Natur aus gesellige Gemüter sind oder über einen großen Bekanntenkreis verfügen. Alle anderen, die ebenfalls die Kraft des viel beschworenen Vitamin B nutzen möchten, müssen selbst aktiv werden und versuchen, ihren Einflusskreis zu vergrößern.
Warum auch lockere Kontakte nützen
"Menschen, die über vielfältige berufliche Kontakte verfügen, sind erfolgreicher als andere. Diese Aussage stimmt für Freiberufler genau wie für Angestellte und lässt sich auf jede Hierarchie-Ebene übertragen", bestätigt Carolin Fischer, Leiterin der Abteilung "New Placement" bei der Unternehmensberatung Kienbaum. "Es lohnt deshalb in jedem Fall, Zeit und Energie in den Aufbau und die Pflege von beruflichen Beziehungen zu stecken."
Das beweist auch eine neue Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), nach der ungefähr 30 bis 40 Prozent aller Arbeitslosen über persönliche Kontakte zu einem neuen Job kommen. Dass es relativ egal ist, ob es sich dabei um enge oder um lockere Kontakte handelt, zeigt eine Studie des US-Soziologen Mark Granovetter, der soziale Netzwerke untersuchte: Er fand heraus, dass mehr als die Hälfte aller Ingenieure einen neuen Arbeitsplatz über eine persönliche Verbindung fanden – doch nur 16 Prozent der Befragten beschrieben die Intensität der Verbindung als "regelmäßig". Masse geht in diesem Fall offenbar vor Klasse.
Was am meisten bringt
Sinnvoll ist nach Einschätzung von Karriere-Experten die regelmäßige Teilnahme an Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen. Bei der Suche und der Aufrechterhaltung von neuen Verbindungen setzen erfolgreiche Freiberufler seit Jahren zudem verstärkt auf berufliche Netzwerke.
Der Unfall-Sachverständige Peter Schmidt zum Beispiel ist Mitglied beim Unternehmerverband Berlin und bei der Vereinigung "Business Network International" (BNI), deren Mitglieder sich untereinander bei der Suche nach neuen Aufträgen unterstützen. "Gerade die Mitgliedschaft in diesen beiden Vereinigungen hat mir beruflich sehr viel gebracht", berichtet der Sachverständige.
Noch nie einen Auftrag über ein Internet-Netzwerk
Medientrainerin Minou Amir-Sehhi ist aktiv bei "nettwerk", einem Verband für Frauen in Kommunikationsberufen. "Kontakte knüpft man am besten von Angesicht zu Angesicht", meint sie. "Über ein Internet-Netzwerk habe ich persönlich jedenfalls noch nie einen Auftrag bekommen."
Als elitäre und damit als besonders wirksame Karriere-Sprungbretter gelten die so genannten "Service Clubs" wie Lions, Rotary oder Kiwanis. Dennoch unterscheiden sich die Clubs grundsätzlich von anderen gemeinnützigen Verbindungen. So wird in jedem Club nur jeweils ein Mitglied eines Berufsstandes aufgenommen. Ein Arzt, ein Anwalt, ein Steuerberater – so lautet die Vorgabe, die insoweit gelockert wurde, dass auch ein Scheidungsanwalt und ein Experte für Mietrecht Mitglieder eines Clubs sein könnten, da sie sich beruflich vermutlich kaum in die Quere kommen.
Strenge Auswahlverfahren bei Lions oder Rotary
Vor den Eintritt in einen der prestigeträchtigen Clubs haben deren Gründerväter zudem Auswahlverfahren gesetzt, die allzu karriereversessene Emporkömmlinge von vorne herein ausbremsen: Niemand darf sich für eine Mitgliedschaft bewerben, nur nach der persönlichen Einladung eines anderen Club-Mitglieds darf man vorstellig werden.
Peter Schmidt hat die Erfahrung gemacht, dass auch ehrenamtliches Engagement berufliche Vorteile nach sich ziehen kann. Durch sein jahrelanges Engagement als Landeselternsprecher in Berlin, bekam er Kontakt zu verschiedenen Schulleitungen und entwickelte Seminare und Vorträge rund um das Thema Verkehrssicherheit, die er bis heute an Berliner Schulen anbietet.
Auf diesem Weg wurde sein Name im Zusammenhang mit den Begriffen Unfall und Verkehrssicherheit berlinweit bekannt. "Man sollte Kontakte und berufliche Beziehungen nicht nur knüpfen, wenn man den möglichen Nutzen und die strategische Karriereplanung direkt vor Augen hat", sagt er dennoch. "Die hohe Schule besteht darin, dass man nicht nur an sich denkt, sondern auch mal uneigennützig zwei Bekannte zusammenbringt."
Kontakt zum
Autor:
Kirsten Schiekiera
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Fotos:
colourbox (3), Dietmar Gust, Karsten Thielker