
Arbeiten am Limit: Mittlerweile fühlt sich jeder dritte Deutsche im Dauerstress.
Symptome des Ausbrennens
Das Burn-out-Syndrom ist ein Leiden ohne eigenständiges Krankheitsbild, das heißt ohne typische Symptome. Alle Beschwerden können auch andere Krankheiten zur Ursache haben. Treten aber folgende Anzeichen gemeinsam auf, deuten sie möglicherweise auf Burnout hin.
Burnout-Anzeichen
Körper: Chronische Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden, Engegefühl in der Brust, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, erhöhter Blutdruck, Verdauungsstörungen, Gewichtsveränderungen.
Psyche: Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Gleichgültigkeit, Selbstzweifel, Motivationsverlust, Gefühl der inneren Leere, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle, Nervosität, Ängste.
Verhalten: Vermehrter Genuss von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen, Vernachlässigung von Hobbys, sozialer Rückzug, erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität.

Ausgelaugt: Mit der Arbeitsbelastung wächst auch die Angst um den eigenen Arbeitsplatz.
Das "test Spezial Karriere" hat 96 Seiten und kostet 7,50 Euro. Auf der Homepage der Stiftung Warentest kann es online bestellt werden.
Ob Lehrer, Abteilungsleiter, Hausfrau oder Manager – immer mehr Menschen arbeiten bis zur Erschöpfung. Wer dauernd erreichbar ist und auf sein Privatleben verzichtet, ist besonders Burnout-gefährdet.
Der Hilferuf kam ausgerechnet in der Osterzeit: Noch nie war die Zahl der ausgebrannten katholischen Priester so hoch wie in diesem Jahr, klagte Wunibald Müller, der das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach leitet. Die Einrichtung hilft Priestern, Ordensleuten und Kirchenmitarbeitern, die in der Krise stecken, und führt mittlerweile Wartelisten.
Alle sind gefährdet – unabhängig von Position und Aufgaben
Spätestens seit Müllers Alarm ist endgültig klar: Die totale körperliche und seelische Erschöpfung durch massive Überarbeitung und berufliche Krisen, ist kein Schicksal, das nur Manager und Führungskräfte erleiden. „Das Phänomen, das heute landläufig als Burnout bezeichnet wird, kann jeden treffen und zu psychischen oder aber psychosomatischen Erkrankungen führen“, sagt Andreas Hillert, Chefarzt an der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Ob Vorstand, Lehrer, Polizist, Hausfrau oder Priester – alle sind gefährdet, unabhängig von Position, Aufgabenbereich oder der Verantwortung, die sie tragen.
Zwar ist Burnout mittlerweile in aller Munde, ein eigenständiges Krankheitsbild ist das von dem New Yorker Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger 1974 erstmals beschriebene Phänomen nicht – zu unterschiedlich sind die Betroffenen.
Ständig über dem Limit
„Viele zunächst sehr engagierte und kompetente Menschen entwickeln einen Burnout, oft weil sie an Kränkungen durch das System verzweifeln“, sagt Andreas Hillert. „Andere wollen es einfach immer allen recht machen, ziehen ihre gesamte Bestätigung nur aus der Arbeit und scheitern schließlich, weil sie ständig über dem Limit arbeiten.“ Wieder andere seien von ihren Aufgaben eigentlich schon von Anfang an überfordert.
Hinter dem, was Betroffene als Burnout erleben, können ganz unterschiedliche Probleme stehen. Nicht selten sind es psychische Erkrankungen, meist Depressionen, mitunter auch Angststörungen oder als körperlich erlebte Erkrankungen, für die sich aber keine Ursachen finden lassen. Das medizinische Vorgehen ist so vielseitig wie es die einzelnen Krankheitsbilder erfordern und reicht von Gesprächstherapien bis zum Einsatz von Medikamenten.
Jeder Dritte klagt über Dauerstress
Hilfe scheint dringend nötig, denn mittlerweile fühlt sich jeder dritte Deutsche im Dauerstress, hat eine Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse (TK) ergeben. Überforderung, Erschöpfung, Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, Depression – Diagnosen wie diese nehmen zu. Nach der Studie fehlten Arbeitnehmer wegen entsprechender Symptome im Jahr 2008 fast zehn Millionen Tage. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre stieg die Zahl der Burnout-Krankschreibungen um 17 Prozent.
Die Angst vor Jobverlust wächst
Die moderne Arbeitswelt befördert die Zusammenbrüche. „Immer weniger Mitarbeiter müssen heute immer mehr leisten“, sagt Hanns Pauli, beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zuständig für nationale Arbeitsschutzpolitik: „Gleichzeitig wächst die Angst um den eigenen Arbeitsplatz.“ Gerade in solchen Phasen träten psychische Belastungsphänomene verstärkt auf. Hoher Druck, Hetze und ständige Erreichbarkeit via Handy, Laptop und Blackberry sorgen für ein (Arbeits-)Leben am Limit. Obendrein fehlen häufig Gestaltungsmöglichkeiten im Job und die Anerkennung durch Vorgesetzte und Chefs.
Der Weg in die als Burnout empfundene Sackgasse verläuft ganz unterschiedlich, mal schnell, mal über viele Jahre. Die Arbeit wächst über den Kopf, Fehler häufen sich, selbst einfachste Tätigkeiten werden zum Problem, und auch an den Wochenenden dreht sich alles nur noch um den Job. Meist werden soziale Kontakte irgendwann immer seltener, lieb gewonnene Hobbys werden aufgegeben.
Die Symptome, unter denen Betroffene leiden, sind vielfältig. Sie reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Verspannungen, über Nervosität, Stimmungstiefs und Infekte bis hin zu psychischen Problemen.
Auch die Unternehmen sind gefordert
Besonders gefährdet sind laut TK-Studie Menschen in sozialen Berufen, Beschäftigte zwischen zwei Hierarchieebenen, Schichtarbeiter und Berufspendler. Auch Eltern, die sich im täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie aufreiben, geraten schnell in die Stressspirale. Zwar lässt sich Stress im Alltag nicht vermeiden, doch kann der Einzelne lernen, seinen Umgang damit zu verbessern. Strategien, um Stress in den Griff zu kriegen, gibt es viele. Hilfestellung geben dabei Seminare und Kurse von Krankenkassen, Kliniken und anderen Institutionen.
Doch auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht – in ihrem eigenen Interesse. Denn auch sie zahlen für den Arbeitsausfall ihrer Mitarbeiter einen hohen Preis. „Angebote zur Kinderbetreuung, Programme zur Work-Life-Balance und angemessene Arbeitszeitmodelle, die auch eingehalten werden, sind Ansätze die Bedingungen zu verbessern“, sagt DGB-Experte Hanns Pauli.
Wichtig ist aber auch eine Wertekultur im Unternehmen, die die Wünsche und Ängste der Beschäftigten respektiert und so auch hilft, dem Burnout sein Stigma zu nehmen. Denn noch immer hat ein Problem, wer offen zugibt, ausgebrannt zu sein. „Viele Arbeitnehmer reden sich deshalb stark und legen lieber noch eine Schippe zu“, hat Pauli beobachtet.
Der Beitrag ist im Magazin "test Spezial Karriere" der Stiftung Warentest erschienen, das auf der Homepage der Stiftung bestellt werden kann.
Das könnte Sie auch interessieren:
• "Zeitmanagement fürs Büro" – über Tricks, die die Büroarbeit erleichtern
• "Clevere Online-Bürohelfer" – über nützliche Programme, die Arbeitsprozesse vereinfachen
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
·
Fotos:
colourbox.com (3)