
In der Werbebranche ist Teamwork besonders wichtig.

David Unger, Schüler an der Miami Ad School: "Über allem steht die Idee."
Nützliche Verbände
Netzwerke und Ausbildungsmöglichkeiten
im Überblick:
GWA-Gesamtverband Werbeagenturen:
Kommunikationsplattform und Interessenvertretung der Agenturbranche gegenüber Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit. Informationen zu Trends, Rankings, Ausbildung, aktuellen Branchenmeldungen etc. www.gwa.de
Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW)
www.zaw.de
Art Directors Club Deutschland (ADC): www.adc.de
Kommunikationsverband Club Berlin-Brandenburg
Gemeinsame Plattform, Interessenvertretung und Servicestelle für alle in der Kommunikationsarbeit tätigen Personen,
www.kommunikationsverband.de
Ausbildungsmöglichkeiten:
• Berlin School of Creative Leadership, www.berlin-school.com
• Design Akademie Berlin, www.design-akademie-berlin.de
• Hochschule für Technik und Wirtschaft, www.htw-berlin.de
• Institut für Marketing und Kommunikation (IMK), www.imk.de
• Miami Ad School (MAS), www.miamiadschool.com/de
• Universität der Künste (UdK), www.udk-berlin.de
Praktika:
"join media", www.joinmedia.eu

Zorica Micic will einmal Art Direktorin werden: "Die Messlatte ist hoch gesteckt."

Gute Ideen sind harte Arbeit. So mancher Einfall landet zerknüllt in der Tonne.
Der Beruf des Werbers ist anspruchsvoll. Gerade in Zeiten der Krise. In Berlin – mittlerweile Werbehauptstadt – tummeln sich viele renommierte Agenturen. Und auch die Ausbildungsmöglichkeiten sind bestens.
Champagner schlürfen, dabei lässig ein paar Werbezeilen aus dem Ärmel schütteln und im Handumdrehen einen Haufen Geld verdienen – von ihren einst goldenen Zeiten ist die Werbebranche mittlerweile weit entfernt. Wer sich heute in den Agenturen umschaut, erkennt schnell, wie die Branche in Zeiten der Werbeflaute tickt: Hohe Kundenanforderungen, niedrige Preise und viel harte Arbeit bestimmen den Alltag. Und trotzdem zieht der Beruf des Werbers noch immer viele junge Leute in den Bann.
Traum: Texter in einer renommierten Agentur
Einer von ihnen ist David Unger. Schon als Schüler wollte der Mannheimer später einmal in der Werbung arbeiten. Der 24-Jährige besucht die im Juli 2009 eröffnete Miami Ad School (MAS) in Schöneberg, die weltweit fünf Dependancen und eine Zweigstelle in Hamburg hat. Sein Traum: In zwei Jahren eine Stelle als Texter in einer renommierten Agentur in der Tasche zu haben.
Für Werbung ist Berlin trotz der Krise eine gute Wahl. Hier arbeiten mehr als 2.000 Unternehmen mit über 17.000 Mitarbeitern, rund 8.000 Festangestellten und mehr als 9.300 Freien. Das Spektrum reicht vom Ein-Mann-Unternehmen bis hin zu weltweit agierenden Networks. Zehn der größten 20 deutschen Werbeagenturen – etwa DDB, TBWA, BBDO oder Jung von Matt – haben sich in den vergangenen zehn Jahren hier niedergelassen. Zudem kamen viele die Werbewirtschaft betreffende Verbände an die Spree, beispielsweise der Art Directors Club (ADC) und der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW).
Beste Job-Chancen für angehende Werber
Dadurch bietet Berlin mittlerweile beste Möglichkeiten für angehende Werber, sich auf hohem Niveau ausbilden zu lassen. Die Berufe sind facettenreich: Wer kreativ-schöpferisch tätig sein möchte, arbeitet als Grafikdesigner, Texter, Fotograf, Werbefilmer oder komponiert und produziert Musik. Wer gut vermitteln kann, bietet sich als Kontakter oder PR-Berater an.
David Unger absolviert derzeit in der Berliner Dependance der in Miami gegründeten Talentschmiede das zweijährige Texterprogramm. Doch auch Grafik-Designer oder Art Directoren bildet die Schule aus. Die abgespeckte Version für Texter dauert ein Jahr. Nach ihrem Abschluss, meint der Leiter der Berliner und Hamburger Schule, Niklas Frings-Rupp, könnten die Absolventen sofort am nächsten Tag in einer Agentur anfangen.
Wenn der Kunde die Idee verreißt
Doch bis es wirklich soweit ist, hat Unger noch einige Hürden zu nehmen: Täglich rund sechs Stunden Unterricht durch bekannte kreative Branchengrößen, danach Briefings bearbeiten, brainstormen, "Head- und Taglines" sowie "Longcopys" schreiben. Oder Radiospots entwickeln. Zudem unterrichten Dozenten Basiswissen über Fotografie oder Bildbearbeitungs- und Grafikprogramme, etwa Photoshop oder Indesign.
Genauso lernen die jungen Leute, wie sie sich verhalten, wenn der Kunde ihr mühsam ausgetüfteltes Konzept in der Luft zerreißt. "Über allem steht aber immer die Idee. Deshalb lernen wir seit dem ersten Quartal Techniken und Methoden, wie man gute Ideen produziert", sagt Unger.
"Die Messlatte ist hoch gesteckt"
Seine Kollegin Zorica Micic (26) nimmt am Art-Direktoren-Programm der MAS teil. Genau wie David Unger ist sie rund um die Uhr für ihre Ausbildung im Einsatz, lässt sich ins Basiswissen des Textes und Konzeptes einweihen, sucht unermüdlich Bilder für ihre Entwürfe, scribbelt Ideen an, macht Fotos und stellt sich regelmäßig der Kritik ihrer Mitkollegen und Lehrer. "Es wird von uns sehr viel abverlangt, die Messlatte ist hoch gesteckt. Aber es ist spannend zu sehen, welche Fortschritte jeder Einzelne macht", sagt Micic begeistert.
Viel gefordert wird aber auch in anderen Berliner Fortbildungsinstitutionen oder Studiengängen. So bietet beispielsweise die Universität der Künste (UdK) die Studiengänge Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, Visuelle Kommunikation sowie Kunst und Medien an. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wartet mit Kommunikationsdesign und Wirtschaftskommunikation auf. Des Weiteren gibt es das Institut für Marketing und Kommunikation (IMK), die Werbeakademie Berlins. Die "design akademie berlin" bildet privat seit 1995 Werbeprofis für Marketing- und Werbeberufe aus, etwa durch Kommunikationsdesign oder Marketingkommunikation.
Arbeitsmarktlage in der Krise halbwegs stabil
Die Berlin School of Creative Leadership, die der ADC mit der Steinbeis-Hochschule Berlin gegründet hat, bietet Führungskräften in kreativen Bereichen den MBA-Aufbaustudiengang "Creative Leadership" an. Zudem gibt es das firmenübergreifende Praktikums-Angebot "join media", das eng mit Unternehmen wie dem Verlag Axel Springer, Universal Music, UFA, myspace und WE DO zusammenarbeitet.
Auch wenn die Jobchancen wegen der wirtschaftlichen Krise momentan nicht die besten sind, konstatiert Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW): "Nimmt man alles zusammen, ist die Arbeitsmarktlage der Werbebranche vorerst noch halbwegs stabil. Wie immer in werberezessiven Phasen sind die freien Mitarbeiter allerdings besonders betroffen. Um das Stammpersonal vor allem in Agenturen zu halten, wurden viele Verträge mit externen Zuarbeitern auf Eis gelegt." Chancen sieht Nickel für Generalisten wie Spezialisten. Beide müssen allerdings breites und tiefes sowie aktuell gehaltenes Wissen mitbringen und sehr anpassungsfähig sein, so Nickel.
David Unger und Zorica Micic lassen sich nicht beirren. Sie arbeiten mit Fleiß ihre von der MAS gestellten Hausaufgaben ab und nehmen regelmäßig an Kreativwettbewerben teil. Zwar mag beständiges Champagnerschlürfen endgültig passé sein, aber wenn doch mal ein Wettbewerb oder ein Kunde gewonnen wird – dann knallen sie selbstverständlich noch, die Korken.
Kontakt zum
Autor:
Katja Winckler
(Website)
Zuletzt aktualisiert: 12.02.2010 · Fotos:
colourbox.com (3), Privat (2)