
Im Dienst der Sonne: Anja Wittling arbeitet für eine Berliner Firma, die Fabriken zur Produktion von Photovoltaik-Modulen plant und baut.
Job für gutes Klima
Die Berufsfachschule Aucoteam bietet eine praxisnahe Ausbildung zum Technischen Assistenten für regenerative Energien und Energie-Management.
Die Assistenten
entwickeln Lösungen für eine umweltschonende Energiegewinnung, helfen zum Beispiel bei der Herstellung und Planung von Anlagen und Komponenten im Bereich der regenerativen Energien, wie etwa Photovoltaikmodule, Getriebe für Windenergieanlagen oder Generatoren für Wasserkraftanlagen.
Weitere Einsatzfelder bestehen in der Wartung und Instandhaltung.
Dazu lernen die Azubis drei Jahre lang die Grundlagen der Elektronik, Digitaltechnik und Informatik sowie Energiemanagement und ökonomische Energiewandlung.
Der nächste Jahrgang startet am 1. März in die Ausbildung. Anmeldungen nimmt die Schule unter Tel.: 42 18 86 62 entgegen.
www.aucoteam.de/ausbildung

Das Ziel, die Energie der Sonne zu nutzen, sorgt für zahlreiche Jobs.

In Berlin verzeichnet die Green-Tech-Industrie hervorragende Wachstumsraten.
Energieeffizienz-Berater, Solaranlagen-Mechaniker oder Windkraftwerk-Konstrukteur: Die erneuerbaren Energien bringen frischen Wind in den Arbeitsmarkt. Von den Wachstumsraten der "Green Economy" von bis zu zwanzig Prozent können andere Branchen nur träumen. Besonders Berlin profitiert vom Boom auf dem Energie-Sektor.
Island, Kanada und jetzt Berlin: Ihr Beruf hat Anja Wittling (32) bereits um die halbe Welt geführt. In Trier hat sie Umwelttechnik studiert, in Reykjavík als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet und in Vancouver für eine Umweltorganisation im Bereich "Erneuerbare Energien" Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Heute arbeitet sie als Key Account Manager für die Firma "ib vogt" in Charlottenburg. Die Diplom-Wirtschaftsingenieurin ist den erneuerbaren Energien treu geblieben und glücklich damit, "da ich dahinter mit gutem Gewissen stehen kann".
Frischer Wind für den Berliner Arbeitsmarkt
Das Unternehmen hat sich auf die Photovoltaik-Industrie spezialisiert, plant und baut unter anderem weltweit Fabriken zur Produktion von Photovoltaik-Modulen. In enger Zusammenarbeit mit Projektmanagern betreut Wittling die Kunden, ermittelt genau, was sie benötigen und handelt die Preise aus. "Dazu muss ich mich sehr gut im Markt auskennen und über die regionalen Anforderungen und Besonderheiten unserer Zielländer Bescheid wissen", sagt die 32-Jährige. Nebenbei erweitert sie so ihr technisches Wissen.
Die erneuerbaren Energien bringen frischen Wind in den Berliner Arbeitsmarkt: Fünfhundert Unternehmen mit rund 42.000 Mitarbeitern arbeiten in der "Green Economy", heißt es beim Senat, und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) verkündet stolz: "Unsere Green-Tech-Industrie verzeichnet hervorragende Wachstumsraten von rund zwanzig Prozent in den vergangenen vier Jahren."
Job-Motor Photovoltaik-Produktion
Allein die Photovoltaik-Produktion brachte rund eintausend Arbeitsplätze an die Spree, inklusive der Stellen in Ingenieurbüros, Handwerksbetrieben, Forschung und Entwicklung, die den Produktionsbetrieben zuarbeiten. Energie-Riesen wie der Stromversorger Vattenfall bieten 5.100 Mitarbeitern Arbeit, der Gasversorger Gasag hat 1.450 Angestellte, und bei der Blockheizkraftwerk-, Träger- und Betreibergesellschaft Berlin (BTB) sind es 125. Laut Senat werden in Zukunft überdies viele neue Arbeitsplätze in den Dienstleistungsbereichen hinzu kommen, beispielsweise für Energieeffizienz-Beratungen, Energie-Contracting sowie Service- und Wartungsarbeiten. Derzeit arbeiten hier bereits mehr als eintausend Beschäftigte.
Die Branche hat sich stark gewandelt
Wie sehr sich die Branche in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gewandelt hat, verdeutlicht die Karriere von Volker Janisch. Der 61-jährige Diplom-Ingenieur ist quasi ein 'alter Hase' in der Energiewirtschaft. Bereits in den Siebzigerjahren grübelte er anlässlich der Ölkrise über alternative Energiequellen, beschäftigte sich mit "solarer Meerwasser-Entsalzung" und entdeckte später das Thema "Blockheizkraftwerke" für sich. Heute arbeitet er als Leiter im Bereich Projektabwicklung der Firma "SES Energiesysteme" in Treptow, die Blockheizkraftwerke und Netzersatzanlagen herstellt und verkauft. Hotels, Krankenhäuser, Schulen, Landwirte und Stadtwerke zählen zu Janischs Kunden. Die Anlagen, um die er sich kümmert, heizen ihre Gebäude, sorgen für warmes Wasser und produzieren Strom.
Janischs Lebenslauf zeigt, wie sehr sich die Energiebranche professionalisiert hat. Die Liberalisierung des Strom- und Gasmarkts mit vielen neuen Anbietern, der Klimawandel, aber auch technologische Innovationen sorgten für Aufwind und vielfältige Job-Möglichkeiten.
Quereinstieg und vielfältige Ausbildungen möglich
Heute halten die Personalabteilungen nicht nur nach Ingenieuren Ausschau. Die Jobmöglichkeiten sind vielfältig, und immer wieder kommen neue Berufsbilder hinzu: Allein im Bereich Ausbildungsberufe reicht das Spektrum vom Anlagenmechaniker, über Elektroanlagenmonteur, Industriemechaniker, die Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, Mechatroniker, Zerspannungsmechaniker bis hin zu Verfahrenstechnikern.
Beim Energiekonzern Vattenfall werden bevorzugt Ingenieure der Fachrichtungen Elektrotechnik, Energietechnik, Kraftwerkstechnik, Maschinenbau, Bergbau, Geologie und Kernenergie gesucht: "Unsere zukünftigen Mitarbeiter sollten über unternehmerisches Denken sowie über eine ausgesprochene Team- und Kommunikationsfähigkeit verfügen", betont Katja Müller aus der Personalabteilung von Vattenfall.
Grundsätzlich finden aber auch viele als Quereinsteiger in die Branche, denn mittlerweile müssen Energie, Energieträger und die dazu gehörenden Anlagen auch erfolgreich betreut, vermarktet und verkauft werden. Volker Janisch von "SES Energiesysteme" zum Beispiel managt den reibungslosen Projektablauf bei "seinen" Blockheizkraftwerken. Er wickelt Aufträge ab, setzt die Wünsche der Kunden um, erarbeitet im Team die Konstruktion der Anlagen mit sämtlichen Zeichnungen, den Aufstellungs-, Rohrleitungs- und Instrumentierungsplänen und der Liste der nötigen Fertigungsteile. Am Ende wird das Blockheizkraftwerk zusammengebaut, im Container geliefert oder vor Ort montiert. "Ein Job, der für den Kunden außerordentlich wichtig ist“, betont Janisch.
Besonders flexibel auf Neuerungen reagieren zu können – das sei die Herausforderung in diesem Beruf. Ebenfalls gefragt sei eine außerordentliche Teamfähigkeit, da neue Dinge stets nur gemeinsam angeschoben werden könnten, sagt der Diplom-Ingenieur: "Dann erwartet einen ein spannendes Feld, das viel Spielraum bietet, die Branche mitzugestalten."
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Autor:
Katja Winckler
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Zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 · Fotos:
colourbox.com (3), Anja Wittling