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Titel Coach 692

Reisebegleiter auf neuen Wegen

Wer weiß, was er will (oder nicht mehr will), aber nicht, wie er das erreichen kann, sucht sich professionelle Hilfe – beim Coach. Doch welcher Berater passt zu mir?

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Ein Coach regt den Klienten an, eigene Ziele zu formulieren.

Gute Adressen


Infos zum Thema Coaching gibt es im Internet u. a. hier:

www.dbvc.de (Deutscher Bundesverband Coaching e. V.)
www.dvct.de (Deutscher Verband für Coaching und Training e. V.)
www.rauen.de
www.artop.de

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Ziele = Glück?: Coaching kann Klärung und Stütze bedeuten.

Kurz erklärt


Wie genau lautet eigentlich die Definition für

Coaching:


Während Christopher Rauen Coaching als "eine Form der Beratung für Personen mit Managementaufgaben" definiert, geht das Coaching für Alexandra Schwarz-Schilling über den beruflichen Bereich hinaus. Sie mag ihre Klienten nicht "in eine Privatperson und einen Berufsmenschen" unterteilen.

Der Deutsche Bundesverband Coaching fokussiert auf Business Coaching. Seine Definition: "Coaching ist eine professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs-/Steuerungsfunktionen und von Experten in Unternehmen/Organisationen. Zielsetzung von Coaching ist die Weiterentwicklung von individuellen oder kollektiven Lern- und Leistungsprozessen bezüglich primär beruflicher Anliegen. Als ergebnis- und lösungsorientierte Beratungsform dient Coaching der Steigerung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit. […] Inhaltlich ist Coaching eine Kombination aus individueller Unterstützung zur Bewältigung verschiedener Anliegen und persönlicher Beratung. In einer solchen Beratung wird der Klient angeregt, eigene Lösungen zu entwickeln."

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Coaching gibt es für alle Lebenslagen, auch für Beziehungsglück.

Die Aktenberge werden immer höher. Längst wäre es an der Zeit, Aufgaben an Mitarbeiter zu delegieren. Aber würden die auch mit der gleichen Sorgfalt ans Werk gehen?

Dann sind da noch die Sorgen, mit der neuen Chefposition nicht zurechtzukommen. Reibereien im Team und die Angst im Nacken, dass sich das ständige Leben am Limit rächt. Dazu kommen vielleicht die Trümmer einer Ehe – und irgendwann die Erkenntnis: So kann es nicht weitergehen. Wer weiß, was er will (oder nicht mehr will), aber nicht weiß, wie er das erreichen kann, sucht sich professionelle Hilfe – beim Coach. Doch den richtigen Berater zu finden, ist nicht einfach.

Begriff ist nicht juristisch geschützt

Denn jeder kann sich "Coach" nennen. Die Palette derer, die sich auf dem unübersichtlichen Markt tummeln, reicht vom Fitness- bis zum Stimmcoach, vom Finanz- bis zum Kunstcoach. Nahezu 40.000 Coachs bieten deutschlandweit ihre Dienste an. Nur jeder zehnte ist Expertenschätzungen zufolge qualifiziert und kompetent.

Selbst die Lösung finden

Ursprünglich kommt der Begriff aus dem Englischen und bedeutet Kutsche. "Ein Coach ist also eine Art Reisebegleiter", erläutert Tanja Madsen, die nach ihrem Psychologiestudium und ihrer Tätigkeit als Psychotherapeutin seit 2006 als freiberuflicher Coach in Prenzlauer Berg arbeitet.

Mit Seelenstriptease und Geständnissen auf der Couch hat Coaching nichts zu tun. "Ich unterstütze meine Klienten darin, eine eigene Lösung zu finden – weil jeder Mensch die Ressourcen, die für eine Veränderung notwenig sind, bereits in sich trägt."

Websites als Visitenkarte

Der sicherste Weg zum seriösen Coach sei die Empfehlung von Kollegen oder Freunden, meint Diplompsychologe Jörg Ashley Petersdorf, zertifizierter Coach durch den Deutschen Verband für Training und Coaching (dvct). Hemmungen müsse da niemand haben. "Keiner wird sagen: Guck mal, der muss zur Nanny."

Die Zeiten, als Coaching als Nachhilfe bei Leistungs- und Verhaltensmängeln angesehen wurde, seien vorbei. Gerade durch die Coaching-Praxis der Geschäftswelt sei die Hilfe zur Selbsthilfe salonfähig geworden. Die meisten der deutschen Großunternehmen bieten ihren Führungskräften heute Unterstützung durch Spezialisten an.

Wer keinen Tipp aus dem Freundeskreis bekommt, solle sich an den Listen der Berufsverbände orientieren, rät Petersdorf. "Die Websites der einzelnen Coachs sind eine gute Visitenkarte. Wenn einem die schon nicht gefällt, sollte man gleich weiterklicken."

Aufwändiges Auswahlverfahren

Diplompsychologe Thomas Bachmann, seit 1993 selbstständiger Coach und Chef des Berliner artop-Instituts, empfiehlt die sogenannte Coach-Datenbank. Christopher Rauen zählt zu den Koryphäen des qualifizierten Coachings in Deutschland und hat unter dem Dach des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC) ein Coachverzeichnis aufgebaut. "Wer da gelistet ist, hat ein aufwändiges Auswahlverfahren hinter sich und einen ganzen Berg von Qualifikationen nachgewiesen."

Auch die Chemie muss stimmen

Aber natürlich komme es auch aufs Bauchgefühl an. "Coaching kann Klärung, Stütze, Entlastung, Entwicklung und Aufarbeitung bedeuten. Das ist Vertrauenssache, da muss die Chemie stimmen", sagt Bachmann. Und der Klient müsse sich der Tatsache bewusst sein, dass er selbst Arbeit zu leisten habe. "Manchmal kommen Leute mit einem Arztmodell im Kopf – nach dem Motto: Gib mir eine Spritze, dann gehe ich wieder." Dabei sei Coaching eher so etwas wie "Suchthilfe". "Es geht darum, eine Betäubung loszuwerden, die nach Jahren im Job vielleicht den Blick dafür verschleiert, was man eigentlich macht", erklärt Bachmann. "Und es muss die Bereitschaft da sein, erst mal durch ein Tal der Tränen zu gehen."

Coaching ist keine Lebensberatung

Angst um das Image seines Berufsstandes hat Bachmann nicht. "Wenn manche meinen, Trommeln am Lagerfeuer sei eine Lösung – bitte." Damit könne die Branche ganz entspannt umgehen. Wer einen seriösen Coach suche, werde darauf achten, dass ihm "keinerlei Lösungs- oder Heilversprechen" gemacht würden. Wichtig sei Transparenz: "Da liegt ein Unterschied zwischen Coaching und Lebensberatung, die manchmal bis in den Bereich der Esoterik hineingeht", sagt Jörg Ashley Petersdorf.

Entscheidung nicht überstürzen

Transparenz ist auch für Alexandra Schwarz-Schilling das A und O. In einem Vorgespräch solle der Coach seine Methoden darstellen. "Die Rahmenbedingungen müssen für beide Seiten klar sein", betont die Psychologin und Chefin der Berliner Coaching Spirale.

Ihr Tipp: Am besten mehrere Vorgespräche bei verschiedenen Coachs führen und erst dann entscheiden. Deswegen lässt es Schwarz-Schilling auch nicht zu, wenn jemand sofort einen Vertrag bei ihr unterschreiben möchte. "Da soll er erst noch mal drüber schlafen."

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


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Zuletzt aktualisiert: 31.01.2013 · Fotos: Andreas Riedel (4)

 

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