Job & Karriere

Politik backstage

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Gesittet streiten: Im Debattierclub lernen die Teilnehmer...

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... neben dem Debattieren zum Beispiel auch Kompromissfähigkeit.

Anlaufstellen


Ob CDU, Grüne oder SPD: Wie Berufsstarter in die Politik kommen

Parteien, Clubs & Agenturen


Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
www.bundestag.de
Tel.: 227-0

Im Informationsblatt "Praktikum im Deutschen Bundestag" lassen sich auch die Adressen von Fraktionen sowie Bundesministerien, Bundesrat, Landtagen etc. recherchieren.

CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Wilhelmstraße 68, 10117 Berlin
Tel.: 22 75 30 15

SPD-Bundestagsfraktion
Platz der Republik 1, 10557 Berlin
Tel.: 22 75 74 68

FDP-Bundestagsfraktion
Dorotheenstraße 101, 10117 Berlin
Tel.: 22 75 23 88

Bündnis90/Die Grünen-Bundestagsfraktion
Dorotheenstraße 101, 10117 Berlin
Tel.: 22 75 72 11

Die Linke.Bundestagsfraktion
Platz der Republik 1, 10557 Berlin
Tel.: 22 75 28 00

Agenturen:

Scholz & Friends Agenda
Wöhlertstraße 12/13, 10115 Berlin
www.s-f.com
Tel.: 28 53 55 00

Publicis Berlin GmbH
Chausseestraße 8, 10115 Berlin
www.publicis-berlin.de
Tel.: 82 08 20

c-zwei communication : coaching
Kantstraße 139, 10623 Berlin
www.c-zwei.de
Tel.: 88 67 88 37

Debattierclub:

Berlin Debating Union e.V.
jeden Dienstag im Orbis Humboldtianus
über dem Audimax der Humboldt-Universität
Unter den Linden 6 (Mitte)
www.debating.de
Ab 18 Uhr wird in englischer Sprache, ab 20 Uhr auf Deutsch debattiert.

Wer einen politiknahen Beruf anpeilt, kann als Berater das lädierte Image der Politik aufpolieren helfen, für Abgeordnete oder Fraktionen Projekte und Kampagnen vorbereiten – oder sich selbst in Parteien, Parlamenten und Verbänden engagieren. Unerlässlich für den Einstieg sind Praktika oder auch das Engagement an einem Debattierclub. Dabei lässt sich Politik backstage hautnah miterleben.

Ist der Euro schuld daran, dass das Leben immer teurer wird? Ist allgemeine Schulpflicht noch zeitgemäß? Über Fragen wie diese reden sich Studenten in Debattierclubs die Köpfe heiß. In England und den USA längst Kult, wird dieser sportliche Überzeugungswettkampf in Deutschland erst jetzt immer beliebter, beispielsweise an der Humboldt-Uni.

Im Debattierclub richtig argumentieren lernen

"Ich mag die Möglichkeit des gesitteten Streitens, da werden Ideen klar", sagt Debattierer Bastian Laubner. Der 27-Jährige, der in Theoretischer Informatik promoviert, betreibt seit zwei Jahren das organisierte Pro und Contra in der "Berlin Debating Union", dem Verein der Humboldtianer.

Reizt ihn am simulierten Wettstreit von Regierung und Opposition eher, "dass man Argumente begründen muss", so sind andere Debattierer auch parteipolitisch aktiv. "Zum Erfolg in der Politik gehört aber mehr, als gut debattieren zu können." Beispielsweise Kompromissfähigkeit, sagt Hans-Wilhelm Dünn. Der Verwaltungswissenschaftler in Diensten der brandenburgischen Landesregierung ist seit seiner Schulzeit in Köln politisch aktiv. Lange vor dem Abitur trat er in die Junge Union ein. "Nicht etwa, um mal Kanzler zu werden, sondern um etwas zu bewegen", betont der 30-Jährige.

Im Abgeordnetenbüro Bundestag-Luft schnuppern

Seit September 2008 ist er CDU-Stadtverordneter in Potsdam. Auf was es in der Politik ankommt, hat Dünn nicht zuletzt in Praktika erfahren. Im Büro der CDU-Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche blickte er hinter die Politkulissen. Für den Potsdamer Landtagsabgeordneten Wieland Niekisch bereitete er Veranstaltungen vor, hielt Kontakt zu Institutionen und Verbänden. Als "Mädchen für alles" habe er dort eine gute Chance gehabt, sein Profil zu entwickeln.

Das Vorzimmer eines Politikers als Sprungbrett für eine eigene politische Karriere zu nutzen, sei eher ungewöhnlich, meint Michael Schwan, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten Detlef Dzembritzki. Jobs wie der von Schwan sind begehrt. Allein um ein Praktikum in Dzembritzkis Büro bewerben sich rund 200 Studenten pro Jahr.

Voraussetzungen für den Karrierestart

"Wer gute politische Allgemeinbildung mitbringt, bekommt eigene Projekte." Mehr als "ein Taschengeld" springt dabei zwar nicht raus, aber mit etwas Glück eine Berufsperspektive: "Wird ein fester Mitarbeiter gesucht, greifen Abgeordnete gern auf ehemalige Praktikanten zurück", sagt Schwan.

Auch in Parteizentralen und Fraktionen sind Praktikanten gern gesehen. "Im Jahr 2010 werden uns voraussichtlich 70 Plätze zur Verfügung stehen", sagt Andrea Franzen von der SPD-Bundestagsfraktion. "Politikkompetenz erwirbt man am besten in der Praxis", sagt Wigan Salazar, Managing Partner der Agentur Publicis Consultants. Die "härteste und zugleich effektivste praktische Schule" für einen Job als Politikberater sei die Parteiarbeit. Aus seiner Sicht ist Erfahrung mit Medienarbeit die Schlüsselqualifikation.

Nicht von ungefähr vergeben Agenturen wie "Scholz & Friends Agenda" oder "c-zwei" ihre Praktikumsplätze deshalb gerne an Studenten der Kommunikationswissenschaft, aber auch an angehende Wirtschafts- und Politikwissenschaftler. Und damit haben die Politikberatungsagenturen offensichtlich gute Erfahrungen gemacht. Bei "Scholz & Friends" ist eine Übernahme als Volontär oder Juniorberater möglich, und auch bei "c-zwei" werden Praktikanten nicht selten weiter beschäftigt.

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 · Fotos: Sarah Eick (3)