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Als Azubi ins Ausland

Bild vergrößernFinger Stadtplan Paris

Mehr Plan vom Ausland: Ein Jahr im anderen Land lohnt sich für Azubis – und Firmen.

Förderprogramme


Zahlreiche staatlich geförderte Programme wie etwa Leonardo da Vinci unterstützen die Unternehmen bei der Finanzierung der Auslandsaufenthalte ihrer Lehrlinge. Mehr Informationen erhalten interessierte Ausbilder und Auszubildende über die regionalen Industrie- und Handelskammern sowie über:

www.wege-ins-ausland.org und
www.rausvonzuhaus.de

Bild vergrößernTouristen London

Mit Auslandserfahrung sind Lehrlinge besser auf den globalisierten Markt vorbereitet.

Viele internationale Konzerne bieten Azubis die Möglichkeit, einige Monate ihrer Ausbildung in anderen Ländern zu verbringen. Auch kleine Unternehmen nutzen zunehmend die Gelegenheit – dank vielfältiger Förderprogramme. Der Nachwuchs profitiert davon nicht nur in Form von besseren Fremdsprachen-Kenntnissen.

Wenn das Wort Dublin fällt, strahlt Nicole Sauer (21). Erst kürzlich hatte ihr Arbeitgeber, der Berliner Internetdienstleister Strato, die Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung für zwei Monate in die Hauptstadt der grünen Insel geschickt.

Die Iren ticken anders

„Anfangs war das nicht ganz einfach, da die Iren mit einem ganz eigentümlichen Akzent sprechen“, erinnert sich Nicole. Sie arbeitete in einem irischen Energieunternehmen, entwickelte Internetseiten und Sicherheitsprogramme für Motoren und Generatoren. „Doch mit der Zeit habe ich meine Arbeitskollegen immer besser verstanden.“

Auch sonst hat die Berlinerin von ihrem Auslandsaufenthalt sehr profitiert. „In Irland sind die Menschen etwas offener, das wirkt sich auch auf die Arbeit aus“, hat sie festgestellt. Alles laufe etwas lockerer ab als in Deutschland.

Millionen Azubis zieht es ins Ausland

Die Zahl der Azubis, die einen Teil ihrer Ausbildung in anderen Ländern verbringen, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Während im Jahr 2000 deutschlandweit nur 0,8 Prozent der Lehrlinge Auslandsluft schnupperten, waren es im vergangenen Jahr bereits 1,8 Prozent. Mehr als 1,5 Millionen deutsche Azubis haben allein 2007 einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolviert.

„Besonders große und international tätige Unternehmen, die im Ausland meist Niederlassungen unterhalten, setzen zunehmend auf Auslandsaufenthalte ihrer Azubis“, sagt Esther Hartwich vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Immer mehr Unternehmen sind international tätig „und wollen ihre Azubis für die Anforderungen eines globalen Marktes gut vorbereiten“, erklärt Hartwich.

Auslandsmonate bringen viele Vorteile

Bessere Fremdsprachen-Kenntnisse, Erfahrungen mit anderen Kulturkreisen, Einblicke in fremde Arbeitswelten – ein solcher Aufenthalt bringt unschätzbare Vorteile.

Petra Römgens (23), Auszubildende im dritten Lehrjahr bei BMW, hat bereits zwei Stationen außerhalb von Deutschland hinter sich. 2007 weilte die angehende Euro-Management-Assistentin gleich für zehn Wochen im südenglischen Goodwood. Im dortigen Rolls-Royce-Werk half sie in der Logistikabteilung mit, verbuchte zum Beispiel im Einkauf Zuliefererteile wie Kotflügel oder Autoreifen. „Im britischen Arbeitsleben öffnet man sich mehr, erzählt auch mal etwas aus seinem Privatleben“, hat Römgens beobachtet.

Rückkehr mit mehr Selbstbewusstsein

Im Jahr darauf arbeitete sie für vier Wochen bei einem französischen BMW-Zulieferer in Valence in Südfrankreich. Ihre beiden Auslandsaufenthalte möchte sie nicht missen: „Nicht nur meine Fremdsprachen sind seitdem besser, ich bin auch selbstbewusster geworden.“

Auch die Deutsche Telekom setzt auf Ausbildung im Ausland. Jedes Jahr entsendet der Weltkonzern rund fünf Prozent seines Nachwuchses in die weltweit etwa 50 ausländischen Niederlassungen. Viele fahren nach England oder Kanada, andere wiederum nach Singapur, Saudi-Arabien oder Argentinien. Einer von ihnen: Benjamin Böling.

Er durfte für sechs Wochen nach Buenos Aires reisen. „Sprachlich war es zwar etwas schwierig, da die meisten Argentinier kein Englisch sprechen und ich erst gerade begann, Spanisch zu lernen“, sagt der angehende Fachinformatiker. Dennoch sei er von der Belegschaft der argentinischen Telekom-Tochter T-Systems toll aufgenommen worden. Jetzt könne er sich gut vorstellen, nach seiner Ausbildung auch „mal im Ausland zu arbeiten“. Genau diese Erkenntnis wollen viele Firmen erreichen.

EU und Bund bieten Förderprogramme

Damit auch kleine Unternehmen ihren Mitarbeitern diese Erfahrung bieten können, hat der Gesetzgeber das Berufsbildungsgesetz 2005 überarbeitet. Jetzt dürfen Azubis ein Viertel ihrer Lehrzeit im Ausland verbringen. Zudem riefen der Bund und die EU eine Vielzahl von Förderprogrammen ins Leben. Das bekannteste und am häufigsten nachgefragte heißt „Leonardo da Vinci“ und „übernimmt die Reise und Unterbringungskosten der Azubis“, weiß Esther Hartwich.

Besonders kleine Unternehmen profitieren

Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen, die über keine Depandancen oder Kontakte im Ausland verfügen, seien die Programme eine gute Chance, ihren Azubis praktische Erfahrungen in anderen Ländern zuteil werden zu lassen.

Um besser an die Fördermittel zu gelangen und den Organisationsaufwand in Grenzen zu halten, schließen sich Unternehmen zunehmend zusammen. So auch im Fall der Berliner Strato AG. Im Verbund mit anderen IT-Unternehmen und dem Oberstufenzentrum für Informations- und Medizintechnik gründete Strato im vergangenen Jahr das von Leonardo geförderte Projekt „Europaerfahrung für Azubis in IT-Berufen“.

Fit für die globalisierte Arbeitswelt

Auf diese Weise konnten neben der Strato-Auszubildenden Nicole Sauer insgesamt 28 weitere Berliner IT-Azubis einen Teil ihrer Ausbildung in Irland verbringen. Die Vermittlung an irische Unternehmen teilten sich das Institut für lebenslanges Lernen in Europa (ILE Berlin) und dessen irischer Partner "Swan Institute".

„Ich wohnte gemeinsam mit fünf anderen deutschen Azubis in einem vom Swan Institute angemieteten Haus in Dublin“, berichtet Nicole Sauer und ist dankbar für die Erfahrungen: „Jetzt habe ich die Gewissheit, auch im Ausland bestehen zu können.“

Kontakt zum Autor: Andreas Voigt ()


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010