Job & Karriere

Titel Netzwerke 692

Bild vergrößernMann Sekretaerin Computer

Kunden aus dem Netz: Über die Präsenz in Business-Netzwerken kommen neue Kontakte zustande.

Von Xing über LinkedIn bis hin zu BusinessLive – Festangestellte, Freiberufler, aber auch Personalchefs nutzen Online-Plattformen, um miteinander in Kontakt zu kommen oder im Gespräch zu bleiben. Aber wie effektiv sind diese Business-Netzwerke wirklich? Und welches Angebot passt zu mir?

Auf Knopfdruck eigene Events wie den „Tag der offenen Tür“ bekannt machen, ein Seminar oder eine Lesung ankündigen: Für Alexandra Schwarz-Schilling ist Xing ein geeignetes Businessnetzwerk, um auf ihre Arbeit als Diplompsychologin und Coach aufmerksam zu machen.

Schnell Kunden gefunden

Seit 2002 bietet sie Coachings für Teams, Paare und Einzelpersonen, insbesondere Führungskräfte, an. Zwei Jahre später stellte sie bei Xing ihr Profil ein. Ihre Erfahrung: Wer auf Xing aktiv wird, sich zum Beispiel an Diskussionen beteiligt, findet schnell die gewünschte Aufmerksamkeit. „Auf diese Weise habe ich beispielsweise meinen Netzwerkadministrator, aber auch Einzelcoaching-Kunden und Seminarteilnehmer gefunden.“

So kamen über die Präsenz im Netz immer mehr Anfragen oder Kontakte zustande, und mittlerweile ist die Berlinerin bei Xing so etabliert, dass sie nur noch reagiert, statt sich selbst virtuell zu engagieren. „Deshalb würde ich das Netzwerk auch nicht mehr wechseln.“

Xing hat schon reichlich Konkurrenz

Internetnutzer haben allerdings zunehmend die Qual der Wahl. Denn dem Marktführer Xing, der in Deutschland rund sieben Millionen Mitglieder hat, machen immer mehr Business-Netzwerke Konkurrenz. LinkedIn, Networx, myCorners oder BusinessLive, Talkbiznow oder e-fellows.net – wer findet da noch durch? Und welches Angebot passt zu mir?

So sind Sie im Netz erfolgreich


Damit Ihr Profil auf Business-Plattformen wie Xing und Co positiv auffällt, geben Jobexperten folgende

Netzwerk-Tipps:


Ein Bild sagt mehr: Ein ansprechendes Foto verleiht dem Profil im anonymen Internet eine persönliche Note und schafft Vertrauen und Sympathie.

Aktiv sein: Wer nur darauf wartet, dass er angeklickt wird, bekommt wenig Resonanz. Nur wer sich aktiv in Foren beteiligt und auf Auftraggeber zugeht, fällt auf.

Präzise sein: Nur mit dem richtigen Stichwort im Profil, wird man gefunden. Daher: Die eigenen Fähigkeiten klar benennen und konkret äußern, was man sucht und was man zu bieten hat.

Persönliches zurückstellen: Auf Business-Plattformen sind persönliche Dinge, wie Urlaubsfotos oder Ausgeh-Präferenzen, an der falschen Stelle. Experten raten, sich von der privaten Seite auf Businessplattformen zurückzunehmen und etwa Hobbys nur dann zu erwähnen, wenn sie auch für das Berufliche nützlich sind.

Xing ist und bleibt die Plattform vor allem für die Kreativ-Branche. Das 2003 in Hamburg gegründete Unternehmen bietet kostenlose Mitgliedschaften. Hier können interessante Kontakte gratis gesucht werden. Doch der Gratis-Service stößt auch schnell an seine Grenzen. Für das Anklicken von Profilen von Selbstständigen und Führungskräften ist bereits die Premium-Mitgliedschaft erforderlich. Rund eine halbe Million Nutzer lassen sich den Service daher monatlich 4,95 Euro kosten.

Interessante Alternativen

Eine zunehmend interessantere Alternative bietet das Netzwerk LinkedIn – mit mehr als 27 Millionen Mitgliedern weltweit (davon 6,5 Millionen in Europa) das größte Karrierenetzwerk und damit besonders attraktiv für Auftrag- oder Arbeitsuchende, die auch außerhalb von Deutschland auf Jobsuche gehen wollen. Seit kurzem ist das Angebot, das es bislang auf Englisch und Spanisch gab, auch auf Deutsch gratis erhältlich.

Weniger bekannt ist hingegen noch BusinessLive, ein Portal für gehobenes Management und Young Professionals, sprich gut ausgebildete Berufseinsteiger. Die Plattform setzt auf Karriere-Coaching und versteht sich als Recruiting-Assistent, Wissensmanager und Auftragsagent.

Kleinere und mittlere Unternehmen im Fokus

Das englischsprachige Talkbiznow möchte hingegen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen und deren Mitarbeiter ansprechen. E-fellows.net richtet sich wiederum primär an Studierende und Doktoranden, vor allem aus dem Bereich der Ingenieurs-, Wirtschafts-, Natur- sowie Rechtswissenschaften und dementsprechende Auftraggeber und Firmen.

Die Plattform networx bietet 14 branchenspezifische Netzwerke und richtet sich mit regelmäßigen Fachveranstaltungen an Entscheider, Experten und Dienstleister. Brandneuer Xing-Konkurrent ist überdies das allgemeine Netzwerk myCorners.

Bild vergrößernMann Hemd Krawatte

Kandidaten im Blick: Auch Personaler suchen mittlerweile in den Online-Portalen nach Mitarbeitern.

Portale locken mit attraktiven Zusatzdiensten

Noch sind die meisten dieser Portale gratis. In der Regel kostet nur die Premium-Mitgliedschaft etwas. Und auch Zusatzdienste machen die Portale attraktiv für den Berufsalltag: Auf Xing beispielsweise können die Teilnehmer ihre Kontaktdaten automatisch mit dem E-Mail-Programm Outlook aktualisieren und zum Beispiel das Telefonbuch stets auf dem neuesten Stand halten - auch mit den Geburtstagen der Geschäftspartner.

Wenn der Headhunter "netzwerkt"

Personalabteilungen und Headhunter nutzen mittlerweile ebenfalls die Möglichkeit, nach Kandidaten Ausschau zu halten. Etwa Hans-Christoph Kürn vom Siemens Recruiting Center München. Für ihn kommt derzeit bestenfalls Xing als Instrument in Frage. Hier finde man zwar wenig Elektro-Techniker, Maschinenbauer und Leute aus dem Bereich Health Care. Dafür sei man sehr erfolgreich im Bereich Marketing, Consulting und Sales gewesen.

„Über Xing haben wir zwar wenige, dafür aber ausgesprochen gute Bewerber gefunden“, sagt Kürn. Portale wie Facebook und StudiVZ indes seien bislang vollkommen ungeeignet. Kürn rät Absolventen und Jobsuchenden, sich gut zu überlegen, welche Statements und Bilder sie ins Web stellen, da diese Daten im Internet in aller Regel unwideruflich gespeichert seien.

Berechtigte Kritik am virtuellen Netzwerk

Es gibt aber auch Nutzer, die von den virtuellen Businessnetzwerken wenig halten, etwa Angela Schulze-Scholpp. Die Inhaberin einer Berliner PR-Agentur hatte eine Schnuppermitgliedschaft bei Xing. „Mit dem Ergebnis, dass ich von allen möglichen Leuten kontaktiert wurde. Unbekannte erwarteten von mir, private Daten zu offerieren. Und Freunde sowie Bekannte, die meine Daten haben, fingen plötzlich an, über Xing mit mir zu kommunizieren.“

Auch von der Rekrutierung neuer Mitarbeiter über Internetnetzwerke hält die PR-Frau nichts. Mitarbeiter findet sie in erster Linie über persönliche Empfehlungen genauso wie eigene Aufträge.

Dank Xing Aufträge im Wert von 12.000 Euro

Doch neben berechtigter Kritik gibt es die Erfolgserlebnisse von Freunden, Bekannten und Kollegen, die letztlich doch für das virtuelle Anbahnen sprechen. So verdiente die Videojournalistin und Texterin Martina Becker über Xing mehr als 12.000 Euro.

Für BerlinerAkzente legt sie ihre Einnahmen detailliert offen, dafür haben wir ihr einen anderen Namen gegeben: "Denn wer will schon, dass jeder die eigenen Finanzen kennt?", sagt Becker. Im Bereich Konzeption kam sie zum Beispiel an einen Job für 400 Euro, im Bereich Text an einen, der ihr 1.500 Euro einbrachte. Und nach einer Weiterbildung im Bereich Buchhaltung gelangte sie an einen längerfristigen Auftrag, mit dem sie zirka 10.000 Euro verdiente. Und für den Videojournalismus läuft gerade ein kleinerer Auftrag von 250 Euro, der sogar noch Folgeaufträge nach sich ziehen wird.

„Vor allem Spezialisten eines Fachgebiets haben beste Chancen, lukrative Aufträge oder gar Festanstellungen zu bekommen“, sagt sie. Ein Freund von ihr – Physiker – hatte nur wenige Tage bei Xing sein Profil eingestellt, und schon hagelte es Jobanfragen.

Kontakt zum Autor: Katja Winckler ()