
Kein Tabu mehr: Jede dritte Ehe in Deutschland bahnt sich inzwischen im Job an.
Heimlich war gestern: Wer sich in einen Kollegen verliebt, braucht heute keine Angst mehr um den Arbeitsplatz zu haben. Viele Chefs sehen in glücklichen Mitarbeitern einen Gewinn für ihr Unternehmen. Auch die Kollegen reagieren meist entspannter als befürchtet.
Liebe am Arbeitsplatz – längst kein Tabu mehr: Jede dritte Ehe in Deutschland bahnt sich inzwischen im Job an, wie eine Umfrage der Online-Jobbörse JobScout 24 bestätigt. Schließlich verbringen wir dort die meiste Zeit am Tag.
Zwei von drei Kollegen würden Romanze tolerieren
Fast 70 Prozent der Befragten fanden es positiv, sich im Job zu verlieben. 58 Prozent sagten, dass sie eine berufliche Romanze tolerieren würden, wenn die Zusammenarbeit mit den Kollegen nicht darunter leidet. Warum will dann trotzdem nur jeder zehnte Befragte offen mit der Büro-Romanze umgehen?
Am Kopierer haben sie sich kennen gelernt
Michaela Henrichfreise (35) und Christian Müller (32) ist es passiert: Sie haben sich am Arbeitsplatz ineinander verliebt. Das erste Mal sahen sich die beiden im Jahr 2006 am Kopierer auf dem Flur ihres gemeinsamen Arbeitgebers, ein Bundesverband.
Christian war damals Praktikant, Michaela Assistentin im Geschäftsbereich Politik. Noch heute schwärmt er: „Ihr Lachen ist mir sofort aufgefallen.“ Zum längeren Gespräch kam es aber erst auf der Mitarbeiterfahrt ein paar Wochen später. Im Bus Richtung Templin stellten sie Gemeinsamkeiten wie die Herkunft aus Nordrhein-Westfalen fest und fanden sich sympathisch.

Treffen am Kopierer: Michaela Henrichfreise und Christian Müller haben sich am Arbeitsplatz ineinander verliebt.
Erst mal nur eine nette Unterhaltung
Viel mehr war nicht. Auch weil Christian dachte, dass Michaela mit einem Kollegen zusammen ist. Michaela empfand die Unterhaltung genau so – nett, aber ohne Hintergedanken: „Ich habe mir keine Hoffnungen gemacht. Eine Freundin von mir hat behauptet, ihm würden Männer besser gefallen als Frauen.“
Ein paar Stunden später konnte sich die Blondine dann aber von dem Gegenteil überzeugen. Nach einem fröhlichen Abend mit verstärktem Herzklopfen kam der neue Kollege aus der Presseabteilung noch mit zu ihr ins Hotelzimmer „um einen Schluck Wasser zu trinken.“
Nur wenig Kollegen wussten Bescheid
Dann ging alles sehr schnell. Wenig später zog Christian bei Michaela ein. Trotzdem wussten nur wenige Kollegen, dass die zwei ein Paar waren. „Auf der Arbeit haben wir versucht, ‚normal’ zu wirken, erinnert sich die Angestellte.
„Wir haben uns nur geküsst, wenn wir alleine im Raum waren.“ Michaela hatte Bedenken wegen des Hierarchie- und Altersunterschiedes und Angst vor lästigem Gerede: „Daher wollte ich erst mal noch niemand etwas sagen, vor allem nicht meinen Chefs.“
Tipps für Liebe im Büro
Wie Sie mit einer Romanze am Arbeitsplatz taktvoll umgehen, ohne Kollegen und dem Chef vor den Kopf zu stoßen...
Die sieben wichtigsten Regeln
1. Solange es noch nichts Festes ist, sagen Sie den Kollegen besser nichts. So vermeiden Sie unnötigen Klatsch und Tratsch.
2. Plaudern Sie niemals intime Details aus, auch wenn Sie offiziell zusammen sind. Das geht schließlich niemand etwas an und lässt Sie nur unseriös wirken.
4. Vermeiden Sie unbedingt, ihre Beziehungsprobleme im Büro auszutragen. Zeigen Sie als Paar im Job, dass Sie Privates und Berufliches voneinander trennen können.
5. Zu viel Geturtel schafft Neid. Gehen Sie nett und kollegial miteinander um, aber raunen Sie sich nicht ständig Liebesschwüre ins Ohr. Ein Küsschen zwischendurch ist erlaubt.
6. Präsentieren Sie sich nicht übertrieben als „Dream-Team“. Suchen Sie nach wie vor das Gespräch und den Austausch mit anderen Kollegen, um niemanden auszuschließen.
7. Wenn einer von beiden verheiratet oder ihr Liebster ihr Vorgesetzter ist, sollten Sie überlegen, den Arbeitsplatz zu wechseln.
Die Geheimhaltung funktionierte mehrere Wochen
Auch Christian befürchtete berufliche Nachteile und ergänzt: „Ich wollte erst mal abwarten, ob ich übernommen werde.“ Die Geheimhaltung funktionierte mehrere Wochen, obwohl Christian im Kopf schon Hochzeitspläne schmiedete. Dass er Michala heiraten wollte, stand für den 32-Jährigen sehr bald fest: „Ich war mir einfach sicher, dass sie die Richtige ist“, verrät er mit einem Schmunzeln.
Bis zum Tag der Hochzeit wussten einige Mitarbeiter immer noch nicht, wen Michaela eigentlich heiraten wollte – und staunten nicht schlecht, als sie den Bräutigam auf dem Fest sahen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Frischvermählten schon keine Kollegen mehr, denn Christian hatte mittlerweile die Arbeitsstelle gewechselt.
Jeden Tag im Job sehen – auf Dauer schwierig
Die Tatsache, sich jetzt nicht mehr jeden Tag im Job zu sehen, ist für beide eher eine Bereicherung. So kann sich das Paar, außer nach Feierabend zu Hause, mindestens einmal in der Woche zum gemeinsamen Mittagessen in der Pause treffen.

Küss die Hand, Schatz: Immer mehr Paare teilen nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch Tisch und Bett.
Auch bei Karina und Kai Seiffert knisterte es am Arbeitsplatz. Seitdem teilen sie nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch Tisch und Bett. Karina traf Kai Ende der Neunzigerjahre in einer Werbeagentur, wo sie damals als Kontakterin arbeitete. Ihr sah man die Schmetterlinge im Bauch an, obwohl sie niemandem erzählt hatte, dass sie ihren Kollegen aus der Marketingabteilung mehr als nur nett fand.
Zwei Jahre vergingen bis zum Liebesgeständnis
Es hat mehr als zwei Jahre gedauert, bis sich die Kreativberufler näher gekommen waren. „Er ist überhaupt nicht mein Typ, so blond und blauäugig“, wundert sich Karina (37) noch heute.
Mit dem Liebes-Outing warteten die zwei solange, bis sie sich ihrer Liebe wirklich sicher waren. Sie wollten die Atmosphäre mit den Kollegen und laufende Projekte nicht durch persönliche Befindlichkeiten gefährden.
Wenn beide in der eigenen Promotions-Firma arbeiten
Inzwischen hat das Ehepaar zweifachen Nachwuchs. Beide strohblond wie ihr Vater. Seit die Kids im Kindergarten sind, arbeiten sie in der eigenen Promotion-Firma wieder zusammen. Karina Seiffert verrät, warum das funktioniert: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, das muss man professionell trennen.“ Wenn also der Haussegen mal schief hängt, geht die Arbeit trotzdem weiter.

Wer sich täglich im Büro sieht, kommt sich oft auch privat näher.
In anderen Branchen ist der Übergang vom Beruflichen zum Privaten und umgekehrt fließender. Susanne Berckhemer (30) ist Schauspielerin und als Darstellerin in der ZDF-Serie „Wege zum Glück“ beschäftigt. „In dem Beruf ist permanent eine erotische Energie zu spüren. Man arbeitet körperlich enger zusammen als woanders.“
Zehn Stunden täglich mit Knutschen beschäftigt
So ist sie manchmal fast zehn Stunden täglich mit Knutschen beschäftigt, wenn eine Kuss-Szene immer wiederholt werden muss. „Da kann die Realität schon mal mit der Rolle verschwimmen“, erklärt sie, „in dem Moment ist man sich sehr nah." Und weil man sich so nahe kommt am Set, ist aus der gespielten Liebe für Berckhemer dann bereits des Öfteren eine echte geworden.
Diese beruhte dann allerdings meistens auf Einseitigkeit. Mehr als ein prickelndes "Strohfeuer" kam nicht heraus. Für Berckhemer kein Wunder: "Mit dem wirklichen Leben hat das ja nicht viel zu tun.“ Ihren 'echten' Freund hat sie daher nicht am Arbeitsplatz kennen gelernt – der ist Lehrer.
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Autor:
Julia Leiditz
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010