Matthias GerschwitzChronik wie ein Krimi
Einer der wirklich alten, wenn nicht sogar ältesten deutschen Markenartikel, das traditionsreiche "BULLRICH-SALZ" hat jetzt seinen 180. Geburtstag gefeiert. Und was seit 180 Jahren gegen Sodbrennen, Magendruck und Völlegefühl hilft, war dem Berliner Kommunikationswirt Matthias Gerschwitz jetzt ein kurzweiliges Buch wert: "BULLRICH-SALZ: Marke - Mythos - Magensäure" heißt das Werk, für das er lange in Kellern, Kisten und Abstellkammern gestöbert, online und offline recherchiert sowie Dokumente und Fotos ausfindig gemacht - mit dem Untertitel: "Auf den Spuren eines der ältesten deutschen Markenartikel". Seine Chronik lässt die wechselvolle Firmen- und Markengeschichte lebendig werden - von dem Moment, als der Apotheker I. Klasse August Wilhelm Bullrich 1827 bei Selbstversuchen in der Berliner Apotheke "Zum schwarzen Adler" entdeckt, dass Natriumbicarbonat das ihm leidvolle Sodbrennen viel schneller und verträglicher zu stoppen vermag als die bis dahin verordnete Schlämmkreide.
Gerschwitz' Buch liest sich wie ein Krimi. Fast könnte man meinen, der Drehbuchautor einer aktuellen Fernseh-Serie hätte seine Finger mit im Spiel: Familienfehden, Erbstreitigkeiten, Betrug, Mobbing und Beleidigung, Klagen um Patente und Vermögenswerte bis hin zum Mord: Wer hätte dies alles hinter der so unschuldig wirkenden blau-weißen Packung vermutet?
Aber die Chronik ist nicht alles. In den 23 Kapiteln erfährt der Leser teilweise Unglaubliches. Zum Beispiel, dass auch der als "Sudel-Ede" in die Annalen des DDR-Fernsehens eingegangene Karl-Eduard von Schnitzler ("Der schwarze Kanal") zum weiteren Kreise der Bullrich-Familie, wenn auch zu einer anderen Linie, gehört. Umfangreich berichtet das Buch auch von den Reklameversen, von denen viele zu geflügelten Worten wurden: "Ja, schon der Jäger aus Kurpfalz nahm oft und gerne Bullrich-Salz" oder "Seitdem das Bullrich-Salz entdeckt, darf jeder essen, was ihm schmeckt".
Natürlich darf auch eine Zusammenstellung aus dem Kuriositäten-Kabinett (der Stammtisch "Bullrich-Salz" aus Nürnberg oder der "Bullrich-Club" aus Essen) nicht fehlen. Iinteressant ist es auch zu lesen, wie und wo überall sich der Markenname im Alltagsleben etabliert hat. Und wer in alten Zeiten schwelgen will, dem werden die Fotos, Illustrationen, Plakate und Anzeigen gefallen.
Matthias Gerschwitz: "BULLRICH-SALZ: Marke - Mythos - Magensäure", 228 Seiten, mehr als 180 teilweise farbige Abbildungen, 19,90 Euro
Matthias Gerschwitz
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