6 Berliner und ihre Bekenntnisse

Für sie ist ein Sonntag ohne "Tatort" kein richtiger Sonntag, sie halten ihr Auto stets pikobello sauber und fühlen sich in ihrer Gartenlaube so richtig wohl. Hier bekennen sich vier Berliner zu ihren ganz persönlichen Marotten und verraten auch gleich noch, was sie selbst für "richtig spießig" halten.


Die Plüschtier-Sammlerin
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Die Plüschtier-Sammlerin

"Mein Liebling ist ein großes rosa Viech, das gerne ein Tiger sein möchte", sagt Doris Schmidt, (zeitlebens Anfang 20) aus Kreuzberg-Friedrichshain, Schlagzeugerin bei „Die Kusinen“: "Das Viech ist ein Geschenk von einem Fan. Auf Reisen sitzt es immer vorne im Tourbus und guckt durch die Windschutzscheibe. Das mit der Sammlerei geht jetzt seit acht Jahren so, da ist einiges zusammengekommen: Igel, Giraffe, Teddy, Schildkröte und eine Puppe, die Marianne-Rosenberg-Lieder singt, wenn man ihr auf den Bauch drückt. Dass Plüschtiere eigentlich ziemlich kitschig sind, finde ich gerade gut. Spießig sind für mich umhäkelte Klorollen und Deckchen aller Art. Außerdem finde ich es oberspießig, wenn man sonntags pünktlich nach Hause rennt, weil der bekloppte Tatort läuft."

 
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  • Die Plüschtier-Sammlerin

    "Mein Liebling ist ein großes rosa Viech, das gerne ein Tiger sein möchte", sagt Doris Schmidt, (zeitlebens Anfang 20) aus Kreuzberg-Friedrichshain, Schlagzeugerin bei „Die Kusinen“: "Das Viech ist ein Geschenk von einem Fan. Auf Reisen sitzt es immer vorne im Tourbus und guckt durch die Windschutzscheibe. Das mit der Sammlerei geht jetzt seit acht Jahren so, da ist einiges zusammengekommen: Igel, Giraffe, Teddy, Schildkröte und eine Puppe, die Marianne-Rosenberg-Lieder singt, wenn man ihr auf den Bauch drückt. Dass Plüschtiere eigentlich ziemlich kitschig sind, finde ich gerade gut. Spießig sind für mich umhäkelte Klorollen und Deckchen aller Art. Außerdem finde ich es oberspießig, wenn man sonntags pünktlich nach Hause rennt, weil der bekloppte Tatort läuft."

  • Die Laubenpieper

    „Wir haben eine Laube“, bekennen Felix Breitkreuz (39), Studiendirektor einer Sprachenschule, und Jeanne Cordebard (35), Verlagsangestellte aus Schöneberg, zwei Söhne (3 und 1): "Gekauft haben wir sie vor allem wegen der Kinder. Klar hatten wir zuvor alle die üblichen Vorurteile im Kopf und waren dann ganz positiv überrascht. Der Verein besteht aus vielen Familien mit Kindern, und der Rasen wird auch nicht mit der Nagelschere geschnitten. Überhaupt ist das Schrebergartentum in Berlin nicht so spießig wie anderswo. Natürlich haben die Freunde anfangs Sprüche gemacht, aber inzwischen finden es alle toll. Die Laube ist ganz einfach, und wir wollen auch nichts großartig einrichten. Spießigkeit? Das lässt sich nicht an Äußerlichkeiten festmachen, das wäre zu oberflächlich. Spießig ist jemand, der nicht über seinen Tellerrand guckt, in Gewohnheiten verharrt, intolerant ist und nicht bereit ist, sich zu bewegen.

  • Der Tatort-Fan

    „Sonntag ist Fernsehtag, denn ich steh auf Tatort“, erklärt Felix Neubauer aus Steglitz. Der 20-Jährige studiert International Business an der FHW: "Ich liebe Tatort und bleibe deswegen Sonntagabend am liebsten zu Hause. Wenn's gar nicht anders geht, muss der Videorecorder herhalten. Tatort ist ein Klassiker, allein die Titelmelodie ist einfach klasse. Am witzigsten finde ich die Tatorte aus Berlin, Köln und Münster. Spießig finde ich Leute, die sagen: So war das immer, und so bleibt es! Menschen, die nicht progressiv sind, sondern altbacken und vor allem humorlos. Aber Spießigkeit ist auch Ansichtssache: Meine Eltern finden es z.B. total spießig, dass ich zu Hause Plastikbadelatschen trage, dabei sind die doch absolut cool."

  • Der Aufräumer

    „Mein Polo muss immer aufgeräumt sein“, erklärt Tobias Beck (20), Zeitsoldat aus Lankwitz: "Wenn in Autos unnötiger Ramsch rumliegt, krieg ich 'ne Krise. Ein versifftes Auto kann ich überhaupt nicht leiden. Ich fahre jede Woche rund 1000 Kilometer, da will ich es einfach ordentlich haben, und alles muss einwandfrei funktionieren. Früher als ich noch keine eigene Wohnung hatte, bin ich sogar jedes Wochenende zur Waschanlage und habe meinen Polo gründlich ausgesaugt. Was ist spießig? Meinen Vater finde ich spießig, der hätte es am liebsten gehabt, wenn ich schon im Kindergarten mit Anzug rumgelaufen wäre. Grundsätzlich ist ein Spießer für mich jemand, der extrem konservativ, nicht spontan ist und nie über die Strenge schlägt.

  • Der Grand-Prix-Freak

    „Ich liebe den Grand Prix“, sagt Markus Risser (34), Kaufmann aus Wilmersdorf. 1976 habe ich zum ersten Mal den Grand Prix d´Eurovision geguckt und ihn seither nur einmal verpasst. Ich liebe diesen Song Contest, weniger wegen der Musik, das war ja oft schon akustische Körperverletzung. Es ist eben ein Event, ich lade Freunde ein, und wir punkten bei Salzstangen und Raclette. Früher habe ich das lieber verschwiegen, vor allem bei knallharten Metall-Fans. Heute stehe ich dazu. Aber ich hab' ja noch einen Tick. Ich liebe schlechte Filme und habe ungefähr 1300 im Original zu Hause. Das ist vielleicht ein bisschen bescheuert, aber nicht spießig. Was für mich spießig ist? Eine Eichenschrankwand, Hirschgeweih überm Sofa. Vor allem aber, wenn man kein Interesse hat, seinen Horizont zu erweitern. Selbst unter Punkern gibt es Spießer."

  • Die Stickerin

    „Ich finde Sticken total entspannend“, verrät Ida Gutmann (40), Krankenschwester aus Friedenau. "In den 80er Jahren habe ich wie die meisten Frauen Socken und Norwegerpullis gestrickt, Sticken fand ich spießig. Vor ein paar Jahren habe ich eine Stickvorlage für ein Janosch-Bild für meine Nichte gekauft, das lag aber ewig rum. Letzten Sommer habe ich in einem Stickladen in Mitte eine Kuhtrilogie entdeckt, die sah einfach toll aus. Seitdem liebe ich das Sticken, es ist Fummelarbeit, aber ungeheuer entspannend. Für mich hat es fast meditative Wirkung. Außer meiner spießigen schwäbischen Verwandtschaft
    stickt keiner, den ich kenne. Meine Freunde fanden es alle befremdlich, bis sie die Kühe gesehen haben. Inzwischen bin ich bei Schweinchen und Engeln gelandet. Spießig hat für mich mit Lebensanschauung zu tun. Und zum Beispiel typischen Rollenverteilungen bei Mann und Frau. Dem Mann Pantoffeln zu bringen zum Beispiel. Spießig sind auch Leute, die ihr Allerweltsauto permanent hegen, pflegen und polieren oder Wohnungseinrichtungen in Eiche rustikal haben.

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