Geld & Finanzen

Bleiben deutsche Aktien stabil, Herr Richardt?

Bild vergrößernRichardt

Claus-Günther Richardt leitet bei der Berliner Sparkasse den Bereich Vermögensanlagen.

Der Dax hält sich verglichen mit anderen europäischen Aktienindizes stabil. Können deutsche Aktien ihre relative Stärke im Euro-Raum fortsetzen? Claus-Günther Richardt, Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse, gibt wichtige Hinweise zum Thema.

„Die europäische Schuldenkrise hat die Anleger massiv verunsichert und zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen an den Kapitalmärkten der Euro-Zone geführt: Während Wertpapiere aus bonitätsstarken Ländern wie Deutschland von einer höheren Nachfrage profitieren, machen Anleger um Staaten mit schwieriger Haushalts- und Konjunkturlage wie Spanien und Italien zunehmend einen Bogen.

Hohe Schwankungen bei heimischen Börsenbarometern

Dies ist nicht nur an den Renten-, sondern auch an den Aktienmärkten zu beobachten. So weisen die beiden wichtigsten heimischen Börsenbarometer Dax und M-Dax 2012 zwar hohe Schwankungen, im Vergleich zum Vorjahr aber immer noch Zuwächse von sieben beziehungsweise 15 Prozent auf, während die Pendants aus der Euro-Zone zum Teil herbe Verluste verbuchten.

Ein wichtiger Grund für die relative Stärke deutscher Aktien ist die hierzulande günstige wirtschaftliche Entwicklung. Das kräftige deutsche Wachstum im Startquartal 2012 verhinderte, dass Euro-Land – belastet durch die schrumpfende Wirtschaftsleistung in der Peripherie – in eine Rezession rutschte. Die heimischen Konzerne sind im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Nachfragerückgänge in den Schwerpunktmärkten der Euro-Zone konnten durch steigende Absätze in anderen Exportmärkten, vor allem in Asien, kompensiert werden. Die Berichterstattung über das erste Quartal fiel zwar nicht überschwänglich, aber zufriedenstellend aus.

Attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis

Entscheidend ist, dass die Bewertungen seit Mitte März wieder auf moderate bis günstige Niveaus zurückgegangen sind. Der Dax weist ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,8 auf. Analysten prognostizieren trotz Schuldenkrise und unsicherem Konjunkturausblick ein Gewinnplus von durchschnittlich 14 Prozent, so dass für 2013 ein KGV von 8,6 erwartet wird. Der Nebenwerteindex M-Dax, der in den letzten zehn Jahren deutlich besser abschnitt als der Dax, weist zwar höhere, aber immer noch moderate Bewertungsniveaus aus.

Darüber hinaus sprechen die Exportstärke sowie die günstigen Finanzierungsbedingungen für deutsche Aktien. Während die hohe Unsicherheit an den Kapitalmärkten zunächst noch für eine volatile Börsenphase mit möglichen Rückschlägen sorgen dürfte, sehen wir aufgrund der üppigen Liquidität und der günstigen Bewertung deutscher Unternehmen längerfristig durchaus weiteres Kurspotenzial. Insofern eignen sich deutsche Aktien zum langfristigen Vermögensaufbau und zur Risikostreuung.“


Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:
• Das 1x1 der Schuldenkrise: Wie Staatsanleihen, Eurobonds und Co. funktionieren
• Ob Einsteiger, Gelegenheits-Anleger oder Börsenprofi:
Mit dem Depot Direkt flexibel Vermögen aufbauen


Zuletzt aktualisiert: 14.06.2012 · Fotos: Elke A. Jung-Wolff

 

Kommentar abgeben

Hinweis:

Nur höfliche oder konstruktive Kommentare sind erlaubt.
Sittenwidrige oder beleidigende Kommentare werden gelöscht.