Geld & Finanzen

Schlummernde Schätze

Die verstaubten Möbel vom Dachboden oder der Schmuck aus Omas Schatulle: In der "Ding-Sprechstunde" und auf Online-Portalen können Finder alte Gemälde, Porzellan und Antiquitäten schätzen lassen und anschließend zu Geld machen. Laut einer Umfrage bunkern die Bundesbürger ungenutzte Gegenstände im Gesamtwert von knapp 36 Milliarden Euro.

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Noch wertvoll? Bei der "Ding-Sprechstunde" schätzt ein Gutachter alte Möbel.

Als Anita und Anton Kämpf aus Reinickendorf vor einem Jahr in ihr neues Haus zogen, fanden sie auf dem Dachboden einen alten Sekretär. Die alte Dame, die zuvor in dem Haus gewohnt hatte, war verstorben und hatte keine Familie hinterlassen, die sich um das Erbe hätte kümmern können. Dass sich auf dem Dachboden noch Gegenstände befanden, hatte wohl niemand bemerkt.

Vor dem Verkauf unabhängige Meinung einholen

Das junge Ehepaar widerstand dem ersten Impuls, das Gefundene sofort zu entsorgen. Stattdessen beschlossen die Kämpfs, die Gegenstände von einem Experten in Augenschein nehmen zu lassen. Vielleicht hatten sie ja einen kleinen Schatz gefunden.

Doch in solchen Fällen ist guter Rat teuer – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht selten landen Finder bei der Suche nach einem Experten bei unseriösen Firmen, die für ihre Einschätzung horrende Preise verlangen. Oder die ahnungslosen Neubesitzer verkaufen umgekehrt den Fund zu einem viel zu niedrigen Preis an zwielichtige Antiquitätenhändler. Für solche Fälle hat die promovierte Kunsthistorikerin Silke Köhn einen guten Tipp parat: "Grundsätzlich rate ich dazu, sich erst an anderer Stelle, zum Beispiel bei einem unabhängigen Gutachter, darüber zu informieren, was der Gegenstand wert ist." Erst mit dieser Einschätzung im Gepäck sollte dann der Händler angesteuert werden.

Geschätzte Schätze


Hier können Sie Ihre Funde schätzen lassen:

Experten und Gutachter


"Kunstsprechstunde" von Silke Köhn: www.kunstdienstleistungen.de

Online-Plattform "Schätze24": www.schaetze24.de

Museum der Dinge, "Ding-Sprechstunde" von Heide Rezepa-Zabel: www.museumderdinge.de

Eine Sprechstunde für Möbel

Silke Köhn bietet daher seit einigen Jahren "Kunstsprechstunden" an, in denen Privatleute ihre Funde kostenlos schätzen lassen können. Alternativ können sie zur Begutachtung auch in Auktionshäuser gehen. Allerdings rät Köhn hier ebenfalls, eine zweite Meinung einzuholen, da den Mitarbeitern der Auktionshäuser oftmals nur Zeit für eine oberflächliche Betrachtung des Gegenstandes bleibt.

Ein lukrativer Markt: Laut einer Umfrage von TNS Infratest von 2008 bunkern die Bundesbürger ungenutzte Gegenstände im Gesamtverkaufswert von 35,5 Milliarden Euro. Beim Blick in Kleinanzeigen ist allerdings generell Vorsicht geboten: "Das sind meistens sehr unseriöse Händler, auf deren Kaufangebote man nicht reagieren sollte", warnt Silke Köhn. Eine gute Möglichkeit ehrliche Interessenten zu finden, sei hingegen das Internetauktionshaus Ebay: "Dort trifft man oft auf wirkliche Antiquitätenliebhaber, die auch bereit sind, einen angemessenen Preis für den Gegenstand zu bezahlen."

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Aus so manchem verstaubtem Möbel kann eine wertvolle Antiquität werden.

Online-Gutachten per Foto

Eine erste seriöse Anlaufstelle ist auch die Onlineplattform "Schätze24", hinter der ein Team von etwa dreißig ausgewählten Experten steht. "Die meisten sind promovierte Kunsthistoriker, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige oder anerkannte Fachleute auf ihrem Gebiet", erklärt Frank Küpping aus Neuss, der die Plattform gegründet hat.

Eine Bewertung der Gegenstände ist bei "Schätze24" zwar nicht kostenlos, aber transparent. Unterschieden wird zwischen einer reinen Preisermittlung, die bereits ab 25 Euro zu bekommen ist, einer Preisermittlung mit Kurzbewertung für 40 Euro und einer Preisermittlung mit Profi-Recherche für 60 Euro. Wie viel Finder bereit sind auszugeben, ist sicherlich auch abhängig vom gefundenen Gegenstand. Am häufigsten lassen die Kunden von "Schätze24" Glas, Porzellan, Keramik, Gemälde und Möbel schätzen – und tatsächlich haben 70 bis 80 Prozent der Gegenstände am Ende einen hohen materiellen Wert.

Die Nachfrage bestimmt den Preis

Letztlich, sagt Kunsthistorikerin Silke Köhn, hänge der Preis natürlich immer von der Nachfrage ab. "Ein gutes Beispiel sind Teppiche. Die wenigsten Leute legen sich heute noch einen teuren Perser ins Wohnzimmer. Deshalb ist ein solches Stück heute nur noch einen Bruchteil von dem wert, was es ursprünglich einmal gekostet hat."

Für eine treffende Bewertung muss dem Experten unbedingt ausreichend Material zur Verfügung stehen: "Wir brauchen gute Fotos der zu bewertenden Gegenstände und eine kurze Beschreibung wie zum Beispiel Größe, Herkunft und mehr", betont Frank Küpping. Seine Kunden können bis zu zehn hochauflösende Fotos auf den Schätze24-Server laden. Routine und Erfahrung reichen den Experten aus, die Gegenstände lediglich per Foto in Augenschein zu nehmen. Liegen die Bilder vor, erfährt der Besitzer häufig schon nach einer Woche, ob der Fund vom Dachboden tatsächlich ein Schatz ist. Wer keinen Internetzugang hat, verschickt die Fotos auf dem Postweg.

Bild vergrößernSchublade

Experten raten, vor dem Verkauf unbedingt eine unabhängige Meinung einzuholen.

Persönliche Beratung im "Museum der Dinge"

Finder, die den persönlichen Kontakt mit einem Experten bevorzugen, sollten in das "Museum der Dinge" gehen. Dort lädt Heide Rezepa-Zabel zur "Ding-Sprechstunde": An jedem zweiten Freitag im Monat begutachtet und bewertet sie eine Stunde lang Kunstwerke und Designobjekte.

Sich vorher anzumelden ist sinnvoll, sagt die Expertin: "Gerne kann man mir auch schon vorab ein Foto des Gegenstandes schicken, so kann ich mich intensiver vorbereiten." Die meisten Menschen, die in die Ding-Sprechstunde kommen, wollen einfach wissen, was sie in der Wohnung haben und wie pfleglich sie mit dem Gegenstand umzugehen haben, erklärt Heide Rezepa-Zabel: "Der Verkauf ist eher zweitrangig. Aber natürlich hoffen sie schon, dass ein größerer Wert dahinter steckt."

Der Fund der Kämpfs entpuppte sich nicht als großer Wert. Statt ihn zu verkaufen, ließen sie den Sekretär restaurieren. Er erhielt einen Ehrenplatz im neuen Haus. Denn auch wenn er kein wirklich wertvoller Schatz war – schön war er allemal.

Unverhofftes Erbe des Onkels

Dass sich ein Gutachten dennoch sehr lohnen kann, zeigt das Kundenbeispiel der Onlineplattform von Frank Küpping: Der Neffe eines verstorbenen älteren Herrn ließ dessen Wohnung von einer "Entrümpelungsfirma" leeren. Als die ihm anbot, eines der Gemälde aus der Wohnung für 500 Euro zu kaufen, machte sich der Neffe zunächst im Internet auf die Suche nach einer Bewertungsplattform und ließ dann bei "Schätze24" eine Preisermittlung erstellen. Der zuständige Experte traute seinen Augen nicht: Bei dem Gemälde handelte es sich um eine Ansicht Venedigs um 1760 von einem weltberühmten italienischen Maler. Das Gemälde kam schließlich in einer Auktion unter den Hammer. Für 227.000 Euro.

Kontakt zum Autor: Marie Maas


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Zuletzt aktualisiert: 14.03.2011 · Fotos: colourbox.com (3), shutterstock