Geld & Finanzen

Vorsicht vor dem falschen Enkel

Beim "Enkeltrick" können Betrüger gutgläubige Senioren leicht um Zehntausende Euro prellen. So schützen Sie sich.

So schützen Sie sich


Der "Enkeltrick" ist nur eine von vielen Maschen der Trickbetrüger. Vor welchen Methoden Betrugsexperten außerdem warnen und wie Sie sich schützen, lesen Sie hier.

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"Hallo Oma, ich bin's." Beim Enkeltrick setzen die Betrüger auf die Arglosigkeit von Senioren.

Hilfe von der Polizei


Vorträge der Zentralstelle für Prävention des Berliner Landeskriminalamtes sind kostenfrei und können unter Tel.: 46 64 – 97 94 14 gebucht werden.

Hauptamtliche Ansprechpartner für Seniorensicherheit sind Hans Hoffmann und Dieter Bergmann. Sie werden derzeit von 14 pensionierten Polizeibeamten unterstützt, die diese Beratertätigkeit ehrenamtlich ausüben.

"Hallo Oma, rate mal, wer hier spricht", sagt die freundliche Stimme am Telefon. Die ältere Dame überlegt und fragt schließlich erfreut: "Peter, bist du das?" Und aus lauter Freude über den unerwarteten Anruf ist sie auch allzu schnell bereit, dem vermeintlichen Sohn ihrer ältesten Tochter finanziell unter die Arme zu greifen, als der ihr vom Wunsch nach einem eigenen Auto erzählt.

In kurzer Zeit 10.000 Euro verloren

Zu spät merkt die Seniorin, dass der Mann gar nicht "ihr Peter" war. 10.000 Euro hat sie der netten jungen Frau übergeben, die zwei Stunden nach dem Telefonat vor ihrer Haustür stand – weil "Peter" wegen seines verstauchten Fußes nicht selbst vorbeikommen konnte und deshalb seine "neue Freundin" schickte. So oder ähnlich läuft er meist ab, der sogenannte Enkeltrick.

582 Fälle hat die Berliner Polizei 2009 registriert. 77 Mal fielen ältere Bürger auf diese perfide Art des Betrugs herein und wurden um rund eine Million Euro geprellt. Alarmierend: Die Zahlen steigen explosionsartig. Allein im ersten Quartal dieses Jahres waren Betrüger mit ihrer fiesen Masche in der Hauptstadt bei 642 aktenkundigen Versuchen schon 54 Mal erfolgreich und erbeuteten dabei 726.000 Euro.

Viele Senioren zeigen die Täter aus Scham nicht an

Im Durchschnitt sind das 13.444 Euro – vielfach das gesamte Ersparte der betagten Opfer, nicht selten sogar für die Beerdigung zurückgelegtes Geld, um Kindern und Enkeln bloß nicht finanziell zur Last zu fallen.

"Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen", schätzt Stefan Teller, der beim Berliner Landeskriminalamt für organisierte Kriminalität und Bandendelikte zuständig ist. Oftmals zeigen Senioren aus Scham darüber, dass sie übers Ohr gehauen wurden, die Taten nicht an.

Nicht nur einfach gestrickte Leute sind Opfer

"Dabei sind es nicht nur einfach gestrickte Menschen, die auf die Trickbetrüger hereinfallen", räumt der Kriminaldirektor mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf. "Da ist die Buchhalterin, die von einem vermeintlichen Verwandten gleich um 35.000 Euro ,erleichtert‘ wurde, den Verbrechern ebenso auf den Leim gegangen wie ein Mathematikprofessor", sagt auch Gregor Ott von der 2009 ins Leben gerufenen "Sonderkommission Enkeltrick". Die Opfer gehören einfach zu einer Generation, in der Hilfsbereitschaft noch großgeschrieben wird – und genau das wird ihnen oft zum Verhängnis.

"Die Methode der Täter ist denkbar einfach", sagt Susanne Bauer, Landespräventionsbeauftragte der Berliner Polizei. Aus dem Telefonbuch werden die Opfer nach dem Vornamen ausgesucht. Bei längst aus der Mode gekommenen Namen wie Elfriede, Hermine oder Adolf gehen die Täter davon aus, dass es sich um ältere Menschen handelt.

Das rät die Polizei zur Vorbeugung

Deshalb rät die Polizei dazu, sich nicht mit vollem Namen ins Telefonbuch eintragen zu lassen. Wer da als Martha oder Luise verzeichnet ist, lebt vermutlich ohne Ehemann – alleine. Verrät die Adresse dann noch, dass es sich um eine gut betuchte Gegend handelt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, ins Visier von Trickbetrügern zu geraten.

"Diese sind meist in Banden organisiert", erklärt Kriminaldirektor Teller. Der Leiter des LKA-Dezernats 44 spricht von mafiösen Strukturen. Die Hintermänner agieren vielfach von Osteuropa aus. Für die Telefonate werden Deutsche angeheuert. Zwar konnte die Polizei in diesem Jahr in Berlin bereits sieben Personen festnehmen und gegen vier der Verdächtigen auch Haftbefehl erlassen, doch die Drahtzieher waren bislang nicht dabei. Lediglich die Abholer des Geldes gingen den Ermittlern ins Netz.

Die Beamten setzten vor allem auf Prävention

Für die Berliner Polizei ist das ein Grund mehr, verstärkt auf Prävention zu setzen: mit Vorträgen oder Aufführungen des "Präventionstheaters", bei dem Polizisten Senioren zeigen, wie der Enkeltrick funktioniert und wie sie sich im Fall der Fälle verhalten sollen.

Jeden zweiten Dienstag ab 15 Uhr treten die schauspielernden Beamten im Theater Coupé im Bürgeramt Charlottenburg-Wilmersdorf auf, außerdem machen sie in Seniorenwohn- und -freizeitheimen auf die an Telefon und Haustür lauernden Gefahren aufmerksam. Auch Banken und Sparkassen werden in die Präventionsarbeit einbezogen. Durch freundliches Nachfragen zum Beispiel, wenn ältere Menschen plötzlich unverhältnismäßig hohe Summen in bar abholen – völlig entgegen ihren üblichen Gepflogenheiten. "Mehrfach sind dadurch schon größere Geldbeträge gerettet worden", sagt Stefan Teller.


Mit welchen weiteren Tricks Betrüger versuchen, an das Geld älterer Menschen zu kommen, lesen Sie hier.



Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 · Fotos: Sarah Eick (2)