
Werner Faber schlichtet bei Streits zwischen Fahrgästen und Transportunternehmen.

Heinz Winkler hilft bei nachbarschaftlichen Zänkereien.
Ärger im Alltag?
Diese Schiedsstellen helfen weiter:
Von Auto bis Zivilrecht
Beschwerdestelle
der Berliner Sparkasse
Für Streitigkeiten zwischen der Berliner Sparkasse und ihren Kunden gibt es seit Mitte der 90er Jahre eine Beschwerdestelle beim
Qualitätsmanagement
... der Berliner Sparkasse. In den allermeisten Fällen kann hier eine einvernehmliche Einigung zwischen Kunde und Bank erzielt werden. Für die außergerichtliche Beilegung von Streitigkeiten ist die Berliner Sparkasse zudem dem Ombudsverfahren des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes angeschlossen.
Qualitätsmanagement der Berliner Sparkasse
Beschwerdestelle
Tel: (030) 869 869 66
Fax: (030) 869 830 64
montags bis freitags 7 bis 20 Uhr,
samstags 8 bis 15 Uhr
Schiedsstellen vermitteln außergerichtlich bei Streitigkeiten. Das spart Geld, Zeit und Nerven. Vom Zwist mit dem Nachbarn bis zur Reiseschlichtungsstelle: Die Unabhängigen machen sich in vielen Branchen für eine Lösung stark.
"Wir sehen uns vor Gericht!" Fallen diese Worte, ist es meist schon zu spät. Dann heißt es: Zähne zusammenbeißen und durch. Aber unabhängig davon, ob man als Sieger oder Verlierer aus dem Verfahren hervorgeht, am Ende hat man stets den Verlust von Zeit und Nerven zu beklagen – dabei ist dies ein Zustand, der sich oft hätte vermeiden lassen können.
Annehmbare Lösung für alle Beteiligten
Schiedsstellen bieten die Möglichkeit, Streitigkeiten auch außergerichtlich beizulegen, und das meist sogar schneller und kostengünstiger. Ombudsleute versuchen gemeinsam mit den Parteien, seien es Personen, Firmen oder Vereine, die Konflikte zu klären und eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung herauszuarbeiten.
Schiedseinrichtungen werden nicht nur bei Streitigkeiten mit Unternehmen des Kfz- oder Reisegewerbes in Anspruch genommen, sondern arbeiten beispielsweise auch in den Bereichen Telekommunikation, Online-Handel oder Medizin. Denn: Konfliktpotenzial besteht überall – insbesondere vor der eigenen Haustür.
Wenn Zwist mit den Nachbarn droht
Heinz Winkler ist Vorsitzender der Berliner Landesvereinigung des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Diese schlichten bei straf- und zivilrechtlichen Auseinandersetzungen – so auch bei nachbarschaftlichen Zwisten. "Ob es darum geht, dass Früchte vom eigenen Baum in den Garten des Nachbarn fallen, oder um Grundstücksgrenzen oder aber um Lärmbelästigung, wir haben mit vielen Angelegenheiten aus dem Bereich des Nachbarschaftsrechts zu tun", so Winkler.
Dabei kommt es in durchschnittlich fünfzig Prozent der Fälle zu einer Einigung. Dass hinter dem Streit meist mehr steckt als nur der zur Diskussion stehende Fall, ist keine Seltenheit. "Es sind oft nur Kleinigkeiten, die zum Anlass genommen werden, sich aufzuregen", erläutert Winkler. "Erst bei der Vermittlung zeigt sich, dass ein weitaus älterer Konflikt dahintersteckt."
Tückischer Arbeitsweg
Auch der Weg zur Arbeit kann tückisch sein. Werner Faber betreut das operative Geschäft der Schlichtungsstelle Nahverkehr für Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Diese ist darum bemüht, Kunden, die sich durch schlechten Service oder aus anderen Gründen von öffentlichen Verkehrsbetrieben geschädigt fühlen, mit dem verantwortlichen Bus- oder Bahnbetrieb an einen Tisch zu bringen.
"Wenn es zum Beispiel um zu hohe Fahrpreise oder verspätete Busse geht, können wir schlichten", erklärt Faber. Die häufigsten Vermittlungsversuche betreffen Schwarzfahrer, die sich zu Unrecht zur Kasse gebeten fühlen und meinen, mit einem gültigen Ticket unterwegs gewesen zu sein. "Wenn ich bedenke, dass eine Fahrkarte normalerweise nur für die Hinfahrt zu einem Ziel berechtigt, ist es mitunter interessant zu hören, welche verschlungenen Pfade für manche noch als Hinweg gelten", sagt Faber schmunzelnd.
Große Emotionen contra Einigung
Gerade hier ist Schlichtung nicht immer einfach. "Frustration kommt vor. Viele sind emotional aufgeladen, wenn sie sich bei uns melden. Und wenn wir dann nicht zum gewünschten Ergebnis kommen, ist die Enttäuschung natürlich groß." Bei Inanspruchnahme von Schiedspersonen sollte daher die Bereitschaft vorhanden sein, auf Forderungen zu verzichten. Nur wer kompromisswillig ist, hat Erfolgschancen. Faber: "Wir sind kein Allheilmittel, doch unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist einen Versuch wert."
Wenn der Schlichtungsversuch der Ombudsleute erfolglos bleibt und einer der Beteiligten nun mit Hilfe eines Anwaltes seine Forderung durchsetzen will, kann es natürlich auch mit dem engagierten Juristen Ärger geben. Deswegen soll in der zweiten Jahreshälfte 2010 die bundesweite "Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft" ihre Arbeit aufnehmen, die zwischen Anwälten und Mandanten vermitteln wird.
Günstiger als ein jahrelanger Rechtsstreit
Der Ombudsmann wird sich dann beispielsweise mit Honorarstreitigkeiten und Schadensersatzforderungen wegen möglicher Beratungsfehler befassen. Und das ist auf jeden Fall günstiger als ein jahrelanger Rechtsstreit – denn das Schlichtungsverfahren wird für beide Streitparteien kostenlos sein, so Christina Müller-York, Geschäftsführerin der neu gegründeten Schlichtungsstelle.
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
Christoph Schieder (3)