Den Datensammlern
auf die Finger schauen

Von mehr als 65 Millionen Deutschen hat die Schufa Daten gespeichert – rein rechnerisch somit von jedem Erwachsenen.

Vor Ort kann bei der Schufa jeder seine Daten kostenlos einsehen. Seit dem 1. April 2010 können sich Bürger die Daten auch gratis per Post zusenden lassen.
Was ist über mich gespeichert?
Jeder Verbraucher hat das Recht, einmal im Jahr kostenlos eine schriftliche Übersicht über seinen persönlichen Datensatz und die daraus erstellten Scores anzufordern. Damit tritt eine Neuregelung im Bundesdatenschutzgesetz nach § 34 in Kraft.
So prüfen Sie Ihre Daten
• Die Schufa ist die größte Auskunftei in Deutschland und verfügt über die größte Datenmenge. Wer seine Daten zunächst einsehen will, kann das kostenlos in den Servicestellen tun. Ein Ausdruck vor Ort ist nicht möglich; die Dokumente werden per Post zugeschickt.
• Wer die kostenlose schriftliche Übersicht bestellen will, kann sich formlos an das Schufa-Verbraucherservicezentrum Bochum wenden: Postfach 10 21 66, 44721 Bochum. Auch über das Verbraucherportal www.meineschufa.de soll die kostenlose Datenübersicht anzufordern sein.
• Für Fehlermeldungen ist das Verbraucherservicezentrum Hannover zuständig. Kontakt entweder per Brief: Postfach 56 40, 30056 Hannover, oder per Fax: 01805 – 91 00 10. Wer seine Angaben mit Dokumenten wie Quittungen oder Löschungsbescheiden belegen kann, sollte eine Kopie hiervon dazulegen.
• Eine Liste mit weiteren wichtigen Auskunfteien und einen Musterbrief hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf ihrer Webseite zusammengestellt.
Weitere Angebote der Schufa:
• Für 18,50 Euro können sich Verbraucher auf www.meineschufa.de registrieren und jederzeit online Einsicht in ihre Daten nehmen. Dieses Angebot gilt zeitlich unbegrenzt.
• Wer registriert ist, kann sich für 7,80 Euro die schriftliche Bonitätsauskunft nach Hause schicken lassen.
• Auch wer nicht registriert ist, kann sich die Schufa-Bonitätsauskunft über das Internetportal bestellen und sich zuschicken lassen. Das kostet jedoch 18,50 Euro.

Auch über das Internetportal der Schufa soll die kostenlose Übersicht anzufordern sein.
Falsche Daten?
Wer Fehler in seinem Datensatz findet, sollte sich beim Verbraucherservicezentrum der Schufa in Hannover melden:
Verbraucherservicezentrum Hannover
Postfach 56 40,
30056 Hannover
Ob Internetbestellung oder neuer Handyvertrag – vor jedem Geschäft, bei dem die Zahlungsfähigkeit eines Kunden eine Rolle spielt, überprüfen Unternehmen dessen Kreditwürdigkeit. Millionen von Daten werden hierfür gespeichert – meist, ohne dass die Betroffenen diese überhaupt kennen. Seit dem 1. April 2010 hat jeder Bürger Anspruch darauf, einmal im Jahr kostenlos eine schriftliche Übersicht über seinen persönlichen Datensatz einzuholen. BerlinerAkzente erklärt am Beispiel der Schufa, wie Verbraucher dieses Recht nutzen können.
Aus Kundensicht scheint alles ganz einfach zu sein: Wir eröffnen ein Girokonto oder unterschreiben einen neuen Handy-Vertrag, wir bestellen im Internet Geschenke oder beim Versandhandel unsere Strandausrüstung für diesen Sommer. Was kaum jemand weiß: In all diesen Fällen hinterlassen wir Datenspuren.
Mehr als 440 Millionen gespeicherte Daten
Und noch bevor Geschäfte wie diese scheinbar so mühelos zustande kommen, haben die Unternehmen uns auf unsere Zahlungsfähigkeit geprüft. Mit gutem Grund, denn die liefernden Firmen gehen mit jedem Geschäft auf Vorkasse ein Risiko ein, und das wollen sie so gering wie möglich halten.
Deshalb sammeln Auskunfteien täglich enorme Datenmengen über die Bürger. Allein die größte in Deutschland, die Schufa, verfügt über 440 Millionen gespeicherte Informationen, gesammelt von rund 65 Millionen Bürgern – damit ist rein rechnerisch jeder Erwachsene über 18 Jahren erfasst. Insgesamt 4500 Vertragspartner wie Banken und Versicherungen, Telefongesellschaften und Händler arbeiten mit der "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" (Schufa) zusammen.
Kreditwürdigkeit genau berechnet
Konkret heißt das: Bei jedem Geschäft, das eines dieser Unternehmen tätigen will und bei dem es in Vorleistung gehen muss, fragt es bei der Schufa nach, wie es um die Kreditwürdigkeit des potenziellen Kunden bestellt ist. Für diese Auskunft müssen die Firmen zahlen. Zudem melden sie im Gegenzug ihre Geschäftsabschlüsse der Schufa, die daraus wiederum ihre Datensätze zu den Bürgern erstellt und deren Kreditwürdigkeit berechnet.
Was genau da alles an Informationen über sie zusammenkommt, wissen die wenigsten. Dabei hat seit dem 1. April 2010 jeder Bürger das Recht, einmal im Jahr kostenlos eine schriftliche Übersicht über seinen persönlichen Datensatz und über die Bewertung seiner Kreditwürdigkeit – das sogenannte "Scoring" – einzuholen.
Verbraucherschützer raten zur Kontrolle
Verbraucherschützer raten dringend dazu, sich diese Informationen tatsächlich zu besorgen. "Ich würde durchaus empfehlen, von diesem Recht Gebrauch zu machen und nachzuschauen, was gespeichert ist und ob alle Angaben auch korrekt sind", sagt Stefanie Laag von der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen. Immerhin habe eine Studie des Bundesverbraucherschutzministeriums vom Sommer 2009 gezeigt, dass keine der Auskunfteien vor Fehlern gefeit sei.
"Sie müssen nur einmal eine Rechnung zu spät gezahlt haben – wenn das Unternehmen anschließend vergisst, der Schufa zu melden, dass die Forderung bezahlt ist, sind Sie mit einem Negativmerkmal gemeldet, obwohl das Ganze längst reguliert ist", warnt Laag.
Negativmerkmale senken Kreditwürdigkeit
Wenn sich aber die Negativmerkmale häufen, hat das Auswirkungen auf die Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Einzelnen: Alle Informationen fließen bei Auskunfteien wie der Schufa gemeinsam in komplizierte mathematisch-statistische Berechnungen ein, mit denen die Bonitätsquote der Verbraucher erstellt wird. Diese sogenannten Scores sollen zeigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Kunde seinen Vertrag vereinbarungsgemäß erfüllen wird.
Ein Score von 90 Prozent beispielsweise heißt: Der Kunde wird zu 90 Prozent pünktlich zahlen – bei jeder zehnten Person ist jedoch mit einem Zahlungsausfall zu rechnen. Die betroffenen Unternehmen würden deshalb in diesem Fall eher von einer Risikoquote von zehn Prozent sprechen. Ob sie dieses Risiko eingehen will oder nicht, muss jede Firma selbst entscheiden. Klar ist: Ein schlechter Score kann dafür sorgen, dass ein Einkauf im schlimmsten Fall erst gar nicht zustande kommt.
Persönlicher Datensatz jederzeit einsehbar
Auch die Schufa selbst hat durchaus Interesse daran, dass die Verbraucher ihre Daten prüfen. "Die Qualität unserer Daten ist ganz entscheidend für unseren Erfolg", sagt Pressesprecher Andreas Lehmann. "Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Anbietern, und unsere Vertragspartner wollen eine verlässliche Bonitätsauskunft von uns haben." Schließlich ist auch den Unternehmen nicht damit gedient, wenn ihnen Geschäfte aufgrund von Fehlinformationen entgehen.
Bei der Schufa haben Verbraucher auch deshalb schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit, zum Beispiel über die Servicestellen Eigenauskünfte einzuholen. Bislang nutzten jedes Jahr bis zu 1,5 Millionen Menschen die verschiedenen Informationsangebote der Auskunftei. Dazu zählt auch das Online-Portal www.meineschufa.de, bei dem bisher rund 600.000 Menschen angemeldet sind. Wer sich registriert und einmalig 18,50 Euro bezahlt (bislang waren es 15,80 Euro), kann dort jederzeit seinen persönlichen Datensatz einsehen.
Fehler sofort melden
Für weitere 7,80 Euro können Angemeldete im Portal eine schriftliche Bonitätsauskunft bestellen. Notwendig kann das werden, wenn man zum Beispiel eine neue Wohnung mieten möchte und der Vermieter Sicherheit bei der Zahlungsfähigkeit verlangt.
Wer Fehler in seinem Datensatz entdeckt, sollte sich beim Verbraucherservicezentrum der Schufa in Hannover melden. Die Auskunftei geht dem Hinweis dann nach.
Kontakt zum
Autor:
Marion Meyer-Radtke
(Website)
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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